Samstag, 26. Mai 2018

eSwatini ist geboren: Die Zahl 50

Hat es eigentlich jemand mitbekommen? Ein SADC-Mitgliedsland heißt jetzt "Kingdom of eSwatini". Hiermit meine ich übrigens nicht das "Mountain Kingdom", Lesotho, zu dem wir kürzlich einen Abstecher gemacht haben.
Man könnte fragen, wie weit ein Land gehen muss, um mit der Zeit zu gehen. Dass ein Staat jetzt noch das elektronische "e" vor seinen Namen setzt, geht schon etwas weit, finde ich. Klingt aber immerhin hip. Und die Umbenennung war ein Geburtstagsgeschenk! Der König von Swaziland hat sich zu seinem 50. Geburtstag am 19. April die Umbenennung seines Landes geschenkt. Kein Witz. Hat schon Vorteile, der letzte absolute Monarch Afrikas zu sein. Sowas will ich auch werden. (Formell betrachtet ist eSwatini, wie ich gerade bei Wikipedia nachgelesen habe, eine Diarchie, eine spezielle Form der Monarchie, in der die Macht bei zwei Personen liegt, in diesem Fall dem König sowie seiner Mutter). Von einer kurzen Dienstreise in dieses Land hatte ich übrigens hier einmal berichtet.
Die Umbenennung hat allerdings noch einen etwas ernsteren Hintergrund: eSwatini (samt elektronischem "e") ist der traditionelle Landesname, der schon immer existierte; Swaziland war der Name der Kolonialherren (das Land war, ähnlich wie Botswana, britisches Protektorat). Anders also als z.B. Bechuanaland, das sich nach seiner Unabhängigkeit wieder in Botswana umbenannte, hatte Swaziland den fremdbestimmten Namen beibehalten - bis jetzt. Immerhin trifft der Tag der Umbenennung nicht nur den 50. Geburtstag des Königs, sondern auch das Jahr der 50-jährigen Unabhängigkeit.
Achtung, jetzt wird's abgefahren: Passenderweise wurde das Vermögen von Mswati III., so der Name des Königs von eSwatini, 2015 auf mind. 50 Mio USD geschätzt. Bis er seine 50. Frau heiratet, wird es allerdings voraussichtlich noch etwas dauern; 2017 hat er erst seine offiziell 14. Ehefrau geheiratet (was nicht bedeutet, dass er von den vorhigen 13 geschieden ist), bisher hat er mindestens 30 Kinder (also noch nicht ganz 50). Sein Vater brachte es übrigens wohl auf 70 Frauen, von denen er 210 Kinder hatte. Die Lebenserwartung der Swazi passt übrigens auch gut in die 50er-Analogie: Sie liegt 2018 laut Economist bei gerade einmal 50,54 Jahren - nur in 4 Ländern weltweit haben die Menschen eine niedrigere Lebenserwartung.
Die Umbenennung des Landes kam für mich überraschend und es wird wohl noch etwas Umgewöhnungszeit brauchen, bis der neue Name mir flüssig über die Lippen kommt. Manche finden es interessant, dass Swaziland/eSwatini Geld und Zeit für eine symbolische Umbenennung hat, während fast 50% der Bevölkerung mit weniger als 1,90 USD pro Tag auskommen (derzeitige Definition von absoluter Armut).

P.S.: Es versteht sich von selbst und sollte ich eigentlich gar nicht schreiben müssen, dass ich diesen Eintrag als Privatperson geschrieben habe - zitiert mich bitte nicht (siehe sowieso den Disclaimer zu diesem Blog); im Job hatte ich bisher wenig bis gar nicht mit Swaziland als Land und seiner Entwicklung zu tun. Die Menschen, die ich hier aus Swaziland getroffen habe, sind sehr warmherzige, tolle Leute und sicherlich auch an der Entwicklung ihres Landes interessiert. Dem König bin ich leider noch nicht begegnet, habe ihn noch nicht einmal aus der Entfernung gesehen. Ob ich mich wohl trauen würde, ihm kritische Fragen zu stellen? Oder wäre ich zu diplomatisch?

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