Sonntag, 5. März 2017

100% dank Dineo

Thema Nummer 1 in Gaborone in diesen Tagen: Der Gaborone Dam ist voll! Das ist der Stausee vor den Toren Gaborones, der einen größeren Teil der Trinkwasserversorgung der Stadt sicherstellen soll.
Dieser Stausee hat - wenn er voll ist - ein Volumen von 141 Millionen m³. Das ist ungefähr die 1,7-fache Menge Wasser der Großen Dhünntalsperre (immerhin die größte Trinkwassertalsperre im Westen Deutschlands).
Der Gaborone Dam war das letzte Mal 2001 komplett voll; noch vor einem Jahr betrug der Füllstand 1,7 % seiner Kapazität. (Wir erinnern uns: Dann kam ich nach Botswana und brachte den Regen, zu Beginn der Trockenzeit betrug der Füllstand dann um die 20%). Mit Einsetzen der Regenzeit Anfang November war der Stausee immerhin noch zu gut 13% gefüllt (ja ja, zum Füllstand gibt's täglich ein Update bei Facebook, das auch kräftig kommentiert wird - das ist eben ein wichtiges Thema in einem Dürre-geplagten Land). Die diesjährige Regenzeit war schon außergewöhnlich gut, und so stand der Stausee Anfang vorletzter Woche bei 39% seiner Kapazität, ein Wert, auf den niemand hier zu hoffen gewagt hatte.

Dann kam Dineo. Dineo war ein Wirbelsturm, der in Mosambik an Land ging und schließlich auch über Botswana hinweg zog. Innerhalb von 24 Stunden war der Füllstand des Stausees bei 74%. Es regnete hier wohl 25 Stunden ununterbrochen, ein noch nie zuvor dagewesenes Ereignis (wir waren beide gerade nicht im Land). Die Sonne war für drei Tage am Stück nicht zu sehen, auch das war für viele Menschen hier kaum vorstellbar. Drei Tage später fing der Stausee an, überzulaufen, die 100%-Marke war erreicht. Würde ab jetzt kein Regen mehr fallen, reichte das Wasser für 30 Monate. Das Wasser in unseren Wassertanks würde nicht ganz so lange für die Gartenbewässerung und Poolauffüllungen ausreichen, aber auch sie sind durch die Regenwassersammlung in den Dachrinnen bis obenhin gefüllt.

Botswanas Einwohner bejubelten jedes zusätzliche Prozent Füllstand - ich fand es etwas unheimlich, dass sich der Stausee so schnell füllte und dass niemand wirklich an die Zerstörung dachte, die so viel Wasser auch bringen kann. 200 Familien haben wohl ihre Häuser verloren, Felder sind überflutet, kleinere Brücken zerstört, einige Straßen in Gaborone sind aufgrund neuer Schlaglöcher nur noch im Slalom zu befahren - aber Gaborone ist glücklich: Pula, Regen, der Stausee ist voll. Der heutige Sonntag wurde als Feiertag - Thanksgiving Sunday - ausgerufen, um den Füllstand zu feiern.
Der Gaborone Yacht Club, durchaus ein netter Ausflugsort auf einer Insel im See gelegen und vormals über eine höhergelegte Straße durch trockene Bereiche des Stausees zu erreichen, ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Wie lange es wohl dauern wird, bis wieder ein Fährbetrieb auf die Insel eingerichtet wird, wie es ihn vor vielen Jahren einmal gab?

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