Samstag, 11. März 2017

Den Wüstenelefanten hinterher

Die erste Woche meines Freiwilligendienstes bei EHRA (Elephant-Human Relations Aid) in Namibia stand im Zeichen des Mauerbaus. Die zweite Woche war wesentlich weniger anstrengend und ist auch als Belohnung für die Freiwilligen gedacht: Auf die building-week folgte die patrol-week. Während dieser ist man den Elefanten auf der Spur, denn in der Bauwoche sieht man meistens keine und es wäre doch sehr schade, wenn man zwei Wochen bei einem Elefantenschutzprojekt mithilft, ohne die Tiere überhaupt zu Gesicht zu bekommen ... EHRA arbeitet außerdem mit der namibischen Regierung zusammen. Sie sammln Daten über die Elefanten in dem Gebiet und stellen diese der Umweltbehörde zur Verfügung.
Unsere Elefanten-Patrouille begann traurig: Wir suchten und fanden zunächst die sterblichen Reste eines in der Vorwoche erschossenen Elefanten. Während wir die Mauer bauten, war viele Kilometer entfernt nachts ein tragischer Unfall geschehen: Ein wohl betrunkener Farmer war in der Dunkelheit einem Elefantenbullen begegnet und hatte dies nicht überlebt. Elefanten sind keine aggressiven Tiere, aber wenn sie sich bedroht fühlen - und das tun sie, wenn man ihnen zu nahe kommt - verteidigen sie sich. Die Umweltbehörde hatte daraufhin die Erschießung des Elefanten beauftragt. Es war allerdings nicht bekannt, welcher Bulle den Mann getötet hatte und letztendlich wohl auch egal, denn im Endeffekt wurde ein weibliches Tier erschossen. EHRA führt Buch über die 40 Wüstenelefanten, die im näheren Umkreis leben und wollte die erschossene Elefantenkuh identifizieren. Also fuhren wir erstmal in das Gebiet, in dem die Überreste liegen sollten und fragten dann noch bei zwei, drei Farmen nach, bis wir das Tier schließlich fanden. Nachdem es erschossen worden war, war das Fleisch wohl an die Farmer verteilt worden. Große Teile des Kopfes waren mit den Stoßzähnen entfernt worden (Elefenbein wird von der Behörde weggeschlossen, der Handel ist illegal). Es war kein schöner Anblick und eine Identifizierung des Elefanten war für die Leute von EHRA so auch nicht mehr möglich.
Also mussten wir anders vorgehen. Weibliche Elefanten sind im Gegensatz zu männlichen keine Einzelgänger - sie bewegen sich immer in ihrer durchschnittlich um die zehn Tiere umfassenden Herde, die von einer Matriarchin angeführt wird. Es galt also, die Elefantenherden aufzuspüren und festzustellen, in welcher Herde welche Elefantenkuh fehlte.

Das Damaraland ist unheimlich trocken. Seit dem Jahresanfang hatte es jedoch immer mal wieder geregnet, was der Natur wahnsinnig gut getan hatte. Das bedeutete allerdings auch, dass die Elefanten mehr Wasser- und Nahrungsquellen zur Auswahl hatten als sonst - und das machte die Suche nach ihnen nicht unbedingt einfacher. Wir sahen zwar immer wieder Spuren, aber ein Elefant kann 70 km pro Tag laufen und ist offroad dann doch auch mal schneller unterwegs als ein Auto in dieser sehr steinigen Gegend. Sowohl am Montagnachmittag als auch am Dienstag waren wir erfolglos, obwohl wir mehrmals aus den Safari-Fahrzeugen ausstiegen und auf Steinhügel kletterten, von denen wir mit unseren Ferngläsern Ausschau hielten.


Übernachtet haben wir in dieser Woche wieder in Zelten, die wir aber jeden Abend woanders aufschlugen. Unser komplettes Gepäck hatten wir so jeden Tag in den Safari-Fahrzeugen dabei. Die Schlafsäcke rollten wir in die dünnen Matratzen ein und schnallten sie auf den Autodächern fest. Leider war es wirklich eine regenreiche Zeit - man konnte nur hoffen, dass die eigene Bettrolle eher unten lag ...


Aber am dritten Tag wurden dann alle Strapazen belohnt: Wir sahen erst Bergzebras, dann Giraffen und schließlich auch die Elefanten! Und zwar gleich drei Herden in unmittelbarer Nähe zueinander. Die uns begleitenden EHRA-Mitarbeiter hatten dann auch recht schnell raus, in welcher Herde ein Tier fehlte, unsere Mission war somit erfolgreich. Und dann standen wir einfach eine ganze Weile da und beobachteten die Elefanten.


Eine Herde zog schließlich direkt an unseren hintereinanderstehenden Autos vorbei - fast alle Tiere vor dem ersten Auto, eines auch hinter dem zweiten. Der Herde folgte ein Bulle, den EHRA Voortrekker getauft hat - er war 1998 der erste Wüstenelefant, der wieder in diese Gegend zurückwanderte und hat wohl auch die erste Herde dorthin zurück gelotst. Voortrekker ist ein beeindruckender, riesiger Elefantenbulle. Und er hat seinen eigenen Kopf: Er wollte nicht vor oder hinter den Autos an uns uns vorbei. Sondern dazwischen. Unsere beiden Safari-Fahrzeuge standen vielleicht zwei Meter auseinander. Voortrekker ließ sich viel Zeit und näherte sich uns langsam, im entscheidenden Moment legte er aber dann doch einen Zahn zu.


Am Donnerstag sahen wir ihn nochmal wieder, bevor wir zum Basiscamp zurückfuhren. Und am Freitag ging es dann auch schon zurück nach Swakopmund. Erlebnisreiche und schöne zwei Wochen waren das!

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