Nachdem an das letzte Wochenende zwei Feiertage anschlossen (es waren die "Sir Seretse Khama holidays" zu Ehren des Staatsgründers / ersten Präsidenten), wollten wir es nicht in Gaborone verbringen, sondern für einen Kurzurlaub nutzen. Wir entschieden uns, ins Molema Bush Camp im Tuli-Block zu reisen. Der Tuli-Block liegt im Dreiländereck Botswana/Südafrika/Simbabwe, also im östlichsten Zipfel Botswanas. Wir fuhren sechs Stunden hin, die ersten 300 km auf der uns schon durch den Ausflug ins Khama Rhino Sanctuary bekannten Haupstraße Richtung Norden und dann weiter auf deutlich weniger befahrenen, aber größtenteils sehr gut geteerten Nebenstraßen. Die Fahrt verlief problemlos - es gab einige Tiere auf der Fahrbahn (Kühe, Ziegen), einige Polizeikontrollen, aber nichts, was uns länger aufhielt. Die letzten 10 km ging es dann auf ungeteerten Straßen bis zu unserem Camp.
Diesmal hatten wir keine Luxus-Safari gebucht, sondern uns für ein Selbstversorgercamp entschieden, in dem wir eine der vier Blockhütten reserviert hatten.
Es gab keinen elektrischen Strom (selbst der Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche war gasbetrieben), aber warmes Wasser - unsere Dusche war solarbetrieben (in unserer Blockhütte hatten wir ein eigenes Badezimmer). Abends und morgens machten die Angestellten ein Feuer an der Gemeinschafts-Feuerstelle, in der Dämmerung hingen sie vor jeder Hütte eine Petroleumlampe auf und verteilten außerdem tagsüber aufgeladene Solarlampen, die uns Hütte, Wege und Küche erhellten (apropos: Nach unserer Rückkehr bemerkten wir, dass genau diese Solarlampen im aktuellen ZEITmagazin beschrieben wurden!). Die Küche war gut ausgestattet und wir erhitzten uns abends die eingefrorenen und inzwischen wieder aufgetauten Reste unserer letzten Party auf dem Gasofen. Ein Luxus war auf jeden Fall, dass wir nicht selbst abspülen mussten - die Angestellten des Camps übernahmen das.
Abgesehen von den diversen Tierlauten war es sehr ruhig. Die Löwen brüllten gerade nicht in der Gegend und auch Elefanten kamen während unseres Aufenthalts nicht im nichtumzäunten Camp vorbei (wie sie das wohl manchmal machen). Der nächste Ort war weit weg. Nach unserer Ankunft saßen wir erstmal lange auf der Veranda, lasen und beobachteten die Paviane, die auf einem riesigen Baum rumturnten und ab und an einen Kopf aus dem Dickicht steckten. Dann erkundeten wir das Camp, das direkt am Limpopo River liegt, der gleichzeitig der Grenzfluss zu Südafrika ist. Zumindest während der Regenzeit, jetzt kann man von einem Grenzfluss nicht sprechen - das Flussbett ist komplett ausgetrocknet, von einem kleinen Wasserloch abgesehen, in dem ein Krokodil bis zur nächsten Regenzeit ein ziemlich einsames Dasein fristet. Bei Ankunft im Camp wurden wir gewarnt, uns dem Wasserloch nicht mehr als zwei bis drei Meter zu nähern ... unser Wohlfühl-Abstand zum Krokodil war dann aber doch ein ganzes Stück größer.
Im Camp gab es kein feststehendes Programm. Wir hatten im Vorfeld alle Exkursionen, an denen wir teilnehmen wollten, extra gebucht. Da man im Tuli-Block nicht mit dem eigenen Auto auf Safari fahren darf, war das eine ganze Menge, denn wir wollten ja was erleben: Game Drives, Bush Walks und ein Bush Dinner. Wir waren bei diesen Exkursionen zu dritt mit einem Engländer, der eine der anderen Blockhütten bewohnte. Unser Guide nahm sich viel Zeit. Auf dem ersten Game Drive hörte er über Funk, dass ein Löwe gesichtet worden war, dem wir dann eine Weile folgten, bis er sich niederließ.
Ansonsten sahen wir Impalas, Zebras, Schakale und verschiedenste Vögel. Außerdem bewunderten wir die vielseitige Landschaft: Büsche und Bäume, letztere oft grün oder vermeintlich herbstlich gefärbt, Hügel, Steine, rote Erde ...
Im Tuli-Block gibt es nur wenige Camps und Lodges, daher sind auch kaum andere Safarifahrzeuge unterwegs. Das hat zur Folge, dass die Tiere nicht so sehr an diese gewohnt sind und viele von ihnen schreckhaft reagieren, wenn mal eins vorbeikommt. Es gibt aber auch Tiere, die die Guides zielgerichtet an sich gewöhnt haben. Beim nachmittäglichen Game Drive besuchten wir eine Hyänenfamilie. Der Bau war den Guides schon lange bekannt und die Hyänenmutter ließ zu, dass wir uns zu Fuß näherten. Die Hyänenjungen waren sogar recht neugierig und kamen ihrerseits bis auf wenige Meter an uns heran. Wer hätte gedacht, dass kleine Hyänen so niedlich aussehen!
Ein anderes Mal sahen wir eine größere Gruppe Impalas durch die Savanne rennen und springen. So ganz war uns nicht klar, wovor sie wegrannten, aber sie rannten, und das ziemlich flink. Impalas sind die gängigste Antilopen-Art, man sieht sie auf Safaris ständig - und mittlerweile halten wir für sie schon gar nicht mehr an. Fun Fact: Impalas heißen bei den Safariführern "McDonald's" - nicht nur, weil sie so zahlreich vertreten und quasi "Fast Food" für Löwen etc. sind, sondern weil die schwarze Markierung auf ihren Hinterläufen und -teilen an das McDonald's "M" erinnert.
Wir waren bis in die Dunkelheit unterwegs und sahen noch Elefanten, Giraffen und Kudus. Sobald es dunkel war, kramte unser Guide einen Scheinwerfer raus, den der englische Tourist dankenswerterweise vom Beifahrersitz aus händisch nach links und rechts schwenkte. Wir hielten nach reflektierenden Tieraugen Ausschau und sahen so unter anderem noch einige Südafrikanischen Springhasen, die wie kleine Känguruhs aufgeregt auf ihren Hinterbeinen durch die Gegend hüpften. Schön war's!
Schön waren dann auch noch die Bush Walks am nächsten Tag - mehr davon demnächst.
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