Gerade vor zwei Wochen hatte ich mit einer Freundin telefoniert, die mich nach gefährlichem Kleingetier in Botswana befragte - Skorpionen und Schlangen. Beide Tierarten waren mir hier noch nicht untergekommen. Wir haben zwar zum Einzug von unseren Vermietern eine Liste mit wichtigen Telefonnummern bekommen, auf der auch eine Stelle steht, die wir anrufen sollen, falls sich eine Schlange in unseren Garten oder unser Haus verirrt - aber da ich bislang noch nicht mal auf Safari eine Schlange in freier Wildbahn gesehen hatte, kam mir das bisher sehr unwahrscheinlich vor. Wir kennen Leute, die schon Schlangenhäute im Garten gefunden haben, große Schlangen auf dem Golfpatz fotografiert haben und eine Kollegin von Philip erzählte mir, dass die Vormieter eines Hauses von Botschaftsmitarbern sogar mal eine Black Mamba unter ihrem Bettlaken vorgefunden hatten. Das ist die beunruhigendste Schlangengeschichte, die ich bisher gehört habe. Auf der anderen Seite wurde sie uns über so viele Ecken überliefert, dass ich nicht ausschließen kann, dass es sich vielleicht doch um eine moderne Legende handelt?
Wie auch immer: Wir hatten bislang keine Schlange in freier Wildbahn gesehen. Das änderte sich, als wir unser zweites Wochenende im Khama Rhino Sanctuary verbrachten - wobei man das Badezimmer unseres Chalets ja nun nicht unbedingt als "freie Wildbahn" bezeichnen kann. An unserem ersten Abend erkannte ich nach dem Zähneputzen aus den Augenwinkeln, das irgendwas auf dem Boden der Dusche lag. Ich hatte meine Brille nicht auf und schaute deswegen näher hin - zurück guckte eine Schlange, die da bewegungslos hingeschlängelt lag. Sie war ca. 50-60 cm lang, braun und auffallend schmal. Es war spät abends. Ich holte Philip, der beherzt den Duschvorhang zuzog, was mich als Sicherheitsmaßnahme nicht komplett überzeugte. Aber wir einigten uns, dass die geschlossene Badezimmertür die Schlange schon aus unserem Schlafzimmer raushalten würde. Und gingen dann schlafen.
Am nächsten Morgen inspizierte Philip das Badezimmer: Die Schlange war weg! Durchs gekippte Fenster nach draußen geschlängelt, durch das sie eventuell auch reingekommen war? Nach dem morgendlichen Game Drive informierten wir die Rezeption des Khama Rhino Sanctuary. Die Rezeptionistin war nicht begeistert über unsere Schlangensichtung. Sie schickte drei Mitarbeiter los, die - u.a. mit dem Kescher des Pools bewaffnet - in und um unser Chalet auf Schlangensuche gingen, während wir frühstückten.
Wir saßen immer noch im Restaurant, als einer der Mitarbeiter hereinkam. Zwischen Zeigefinger und Daumen hielt er die äußerste Schwanzspitze einer offensichtlich toten Eidechse, die er über unseren Frühstückstisch baumeln ließ. Das arme Tierchen war alles, was sie gefunden hatten, und offensichtlich hatte er es uns mitgebracht, um uns ein Ergebnis zu präsentieren - und um herauszufinden, ob wir eventuell statt einer Schlange doch nur diese kleine Eidechse gesehen hatten ... im Nachhinein war ich doch ziemlich empört, dass so eine Verwchslung offensichtlich für möglich gehalten wurde! Das legte sich, als der Schlangensuchtrupp nachmittags nochmal vorbeikam, Rohre untersuchte, Chemikalien runterspülte und sogar das Bad mit irgendeinem Insektenschutz strich - damit sollte die Schlange, falls sie sich noch irgendwo versteckt hielt, verjagt werden.
Für diesen Abend hatte sich Philip einen lustigen kleinen Scherz ausgedacht: Er wollte ins Bad gehen und mich dann mit dem Ausruf erschrecken, dass die Schlange wieder da sei. Stattdessen erschreckte er sich dann selbst - sie war nämlich wirklich wieder da, diesmal auf dem Duschvorleger, von dem sie sich dann zur Wand schlängelte. Immerhin dachten wir diesmal daran, ein Foto zu machen. Dann lief ich zum Chalet meiner Eltern, um das Bad zu benutzen, mein Vater lief zu unserem Chalet, um die Schlange zu besichtigen - wir waren also alle noch etwas aufgeregt, gingen dann aber doch bald schlafen.
Neuer Morgen, gleiches Spiel: Die Schlange war weg. Es war unser Abreisemorgen, an der Rezeption führten wir noch das Foto vor. Die anwesenden Ranger waren sehr interessiert und identifizierten die Schlange als "brown house snake". Wie ein Hundebesitzer versicherte mir einer "Die tut nichts ...". Ich freute mich trotzdem auf unser schlangenloses Badezimmer in Gaborone. Safari doch bitte nur draußen!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen