Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana,
sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt.
Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das
zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum dritten Drittel geht es hier):
Zweites Drittel: Heia, Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Um es gleich objektiv und mit der Autorität von WDR 5 klarzustellen: „Es gibt keine bessere Safari-Destination als das Okavango Delta.“
Massentierhaltung im Chobe Nationalpark. Zur Freude der Touristen zehnfach überbucht von Elefanten-Immigranten, denen es hier nicht an die Stoßzähne geht. Im Privatboot auf dem Chobe-Fluss, mit einer Rilke-Variation, dem Metrum zuliebe im Singular: „Und dann und wann ein grauer Elefant“. Panther gab’s keine und das Zitat zu Krokodil ist des Reimes wegen nur in Ägypten brauchbar. Fauna reichlich. Und Weite, Wasser, Wild, zum Alliterieren schön. Die meistgebrauchten Wörter auf Safaris: rechts, links, Impala.
Kurze Reise ins Nachbarland Simbabwe. Victoriafälle, am Ende der Regenzeit schleierhaft grandios. Schleierhaft? Wolkenloser Himmel, und von den Fällen her bis auf die Haut eingesprüht. Philips Unterwasserkamera schießt Tröpfchenfotos. Lunch im berühmten Hotel mit Blick auf „die“ Brücke, das Symbol für den Kap-Kairo-Traum der Engländer. Jeder Raum, alle Flure, der Park: von kolonialem Flair.
Afrikanische Sonnenuntergänge? Die Bar am Chobe ist zum Sundowner erste Wahl. Jeden Abend anders-gleich. Und immer zum Sitzenbleiben und Schwer-Losreißen.
In der Chitabe Lodge zwei Flughopser weiter südwestlich fällt man für drei Tage aus der Welt, bei strengem Zeitregime: 5 Uhr wecken, Frühstück, Game Drive, Brunch, Mittagsruhe, Teatime, Game Drive, Sundowner, Dinner. Quer durch den Busch und fröhlich amphibisch durch den See, immer den Predators hinterher (unser englischer Wortschatz wächst), alle Antilopenvariationen und was sonst alles sich von Grün ernährt als Beifang. Wenn wir steckenbleiben: Kollege kommt gleich. Und auf einmal liegt er neben Dir, der Löwe, in neunfacher Ausfertigung. Unser Guide ist im Spurenlesen lebensgefährlich gut. Dass ein Löwe aus dem hohen Gras aufspringt, nachdem der Guide gerade erst ausgestiegen war, um dessen Fährte zu lesen, geht ihm doch zu nahe.
Face-to-face im offenen Landrover. Die schöne deutsche Metapher von den Berührungsängsten (unbedingt im Plural) gewinnt neue Bedeutung. Wenn die Hyäne den Weg versperrt und wenn man bei der Umfahrung mit gebrochener Lenkstange im Busch festsitzt und wenn rechts die Löwen grollen und wenn es dämmert und dunkelt: dann ist man nicht unglücklich, wenn die Mechaniker in zwei Wagen ankommen und man behutsam umsteigen kann.
Vögel nach Bestimmungsbuch, Nummern 1 bis 173, die Nummern 31, 68, 105 … (Ihr wollt das so genau gar nicht wissen). Bei Nummer 108 stimme ich verhalten das Deutschlandlied an (schwarz, rot, gold).
Zur Lodge nur so viel: Wenn die Zahl der Gäste (außer uns noch zwei oder drei) zu der des Personals (80, allerdings rollierend), in so günstigem Verhältnis steht, ist man gut bedient. Zu unseren Wohnbereichen gelangen wir auf Stegen (im Dunkeln bitte nur in Begleitung!). Sie „Zelte“ zu nennen (es gibt acht davon), ist das perfekteste Understatement ever. Dass auf all unseren Hotelzimmern bisher Yogamatten und Hanteln und Erwachsenenmalbücher gefehlt haben, ist mir seither schmerzlich bewusst. Schwere Entscheidungen dann doch immer wieder: Rotwein oder Weißwein, Außendusche oder Innendusche, Terrasse/Sessel/Sternenhimmel oder Kingsize-Bett (hatten wir „losreißen“ schon?). Zum Geld nur so viel: Alles hat seinen Preis, und auch die Richterskala ist nach oben offen.
Zurück in die Welt. Am Airstrip. Die Giraffen sind von der Landebahn verscheucht. In der Abfertigungshalle (dreimal drei Meter, wandlos, aber überdacht) halten wir den Daumen raus für die kleinste Cessna, die gerade Platz für uns vier hat. Philip ersetzt den Co-Piloten gern, und Walli auf dem Notsitz sucht einen Ersatz-Beruhigungsarm. Ankunft in Gaborone (vergleiche erstes Drittel): verwirrend viele Menschen, alles stählern, gläsern, groß.
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