Seit Oktober besuche ich einen Französischkurs. Zugegebenermaßen nicht das naheliegendste Hobby im südlichen Afrika, aber hier in Gaborone regelt ja ab und an auch einfach das Angebot die Nachfrage - und das Angebot gibt es immerhin! In Form der Alliance Française, meines Wissens nach dem einzigen Kulturinstitut überhaupt in Gaborone.
Angebot hin oder her, von alleine wäre ich vermutlich dennoch nicht auf die Idee gekommen, hier einen Französischkurs zu besuchen. Da sehr viele Batswana vorzüglich Englisch sprechen, aber in der Regel keinerlei Französisch, bietet sich das auch einfach nicht an. Aber dann rief mich im letzten August ein Bekannter an, der offenbar schon seit zwei Jahren mit der Alliançe Française in Verhandlungen stand und nun endlich die Chance sah, einen Vormittags stattfindenden Französischkurs ins Leben zu rufen - wenn er denn noch vier Mitstreiter fände. Was sollte ich dazu sagen - außer zu? Ich war Nummer zwei. Mein Bekannter hat zwei kleine Kinder (daher kann er nur einen Vormittagskurs wahrnehmen) und kannte über diese noch eine bolivianische Mutter, die sich ebenfalls breitschlagen ließ. Ich akquirierte noch meine Freundin Ruth. Und so waren wir eine sehr bunte Mischung: Thomas, der vor ein paar Jahren mal ein Dreivierteljahr intensiv Französisch gelernt hat, ich mit inzwischen doch ziemlich lange zurückliegendem Französisch-LK und einem auf deutsch stattfindenden Auslandssemester an der Université de Dijon, Luz, die nach eigenen Angaben schon fünf erfolglose Anläufe, die Sprache zu lernen, hinter sich hat, und Ruth, die Französisch in der Schule hatte und es vor ein paar Jahren nochmal aufgefrischt hat, als ihre eigenen Kinder sich damit rumgeplagt haben. Wir waren uns im Niveau zwar nicht komplett ähnlich, hatten aber alle gewisse, eingestaubte Vorkenntnisse. Bis auf die Fünfte im Bunde, die uns die Alliance Française organisierte: Fe, eine Amerikanerin, eine absolute Französisch-Beginnerin, die fürchtet, dass ihr Mann in nicht allzuferner Zukunft ins französischsprachige Westafrika versetzt wird.
Ich verpasste gleich die erste Stunde und saß stattdessen längere Zeit auf einem botswanischen Polizeirevier - kein guter Start, aber auch kein schlechtes Omen. Der Kurs begann ganz vielversprechend. Unsere erste Französischlehrerin Amina war Französin, kam geradewegs von einer französischen Uni und hatte nur rudimentäre Englischkenntnisse. Aber ansonsten redete sie sehr gern, das Ganze war mehr eine Art Konversationskurs, was ich gar nicht schlecht fand. Jeder erzählte, so gut er konnte und irgendwie konnten wir uns alle einigermaßen verständlich machen. Bei Fe ging es natürlich nicht ganz so gut, aber wir halfen zusammen und sie beklagte sich nicht.
Anfang Dezember nahm unser Kurs dann eine unerwartete Wendung: Von einem auf den anderen Mittwoch war unsere Lehrerin nicht mehr da. Sie hatte es in Gaborone nicht mehr ausgehalten und war nach Frankreich zurückgekehrt - kaum vorstellbar angesichts ihres immer so sonnig erscheinenden Gemüts. Seitdem wechseln sich zwei Batswana mit unserem Unterricht ab: Monique, die auch beim Bildungsministerium arbeitet, und Thebo, die in Frankreich studiert hat und deren französischer Lebensgefährte in Lyon lebt. Beide sprechen sehr gut Französisch, gehen aber meist mehr oder weniger streng nach Buch vor. Und das Buch langweilt uns - außer Fe vielleicht. Zwei Stunden lang übten wir die Zahlen bis 100 bis zum Erbrechen. Ich gebe zu, dass ich mich auch nicht mehr an jede sprachliche Feinheit erinnern konnte, aber inzwischen könnte Philip mich nachts aufwecken und ich könnte ihm im Halbschlaf sagen, dass 99 quatre-vingt-dix-neuf heißt. Was ich allerdings eventuell vor dem Kurs sogar auch hingekriegt hätte.
Aber trotzdem macht mir der Französischkurs Spaß. Es ist nett, meine Mitstreiter einmal die Woche zu treffen, wir tauschen uns über alles Mögliche aus und dadurch, dass die neuen Lehrerinnen beide Batswana sind, hat das ganze inzwischen auch noch eine landeskundliche Komponente. Thebo zum Beispiel ging einmal dazwischen, als wir MAPs (MitAusreisende Partner, die wir ja alle sind) uns während der Pause darüber ausließen, dass es für uns schwierig bis unmöglich wäre, in Botswana eine Arbeitsgenehmigung zu bekommen. Sie stellte klar, dass sie in Frankreich auch nicht arbeiten darf und auch nur alle paar Monate überhaupt zu ihrem französischen Freund fliegen kann. Tja, da ist wohl was dran. Woanders ist es auch nicht anders - stimmt ja.
Und so fällt mein Französischkurs wohl vor allem in die Kategorie "Völkerverständigung". Ich habe ihn liebgewonnen, auch wenn ich wohl keinen Folgekurs besuchen werde.
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