Letzte Woche erreichte uns eine E-Mail, in der der "YCARE HISTORICAL WALKATHON" beworben wurde. Eine Kollegin von Philip hatte sie uns weitergeleitet und auch schon einmal von den YCARE-Wanderungen berichtet. Der Verein organisiert einmal im Jahr eine dreitägige geführte Wanderung durch die Magkadigkadi Pans. Einmal im Monat findet zur Vorbereitung auf dieses Event ein "Pre-Walk" in der weiteren Umgebung von Gaborone statt, so auch diesen Samstag. Die Kollegin wollte teilnehmen und fragte, ob wir auch Lust hätten. Wie gesagt gilt es hier, Gelegenheiten zu nutzen, und so ließen wir uns nicht von der angegebenen Streckenlänge von 24 km abschrecken, sondern sagten einfach zu.
Schon da war mir klar, dass ich diese Zusage zumindest kurz bereuen würde, und dem war dann auch so, am Samstagmorgen um 4:30 Uhr. Da klingelte nämlich der Wecker. Um 5:20 Uhr waren wir mit Philips Kollegin verabredet, um 6 Uhr sollten wir am Ausgangspunkt der Wanderung in Molepolole sein und um 6:30 Uhr würde die Gruppe dort starten. Auch im Winter gilt es hier, die Mittagshitze so gut wie möglich zu vermeiden, aber um 5 Uhr seine Wanderschuhe anzuziehen, macht trotzdem keinen Spaß. Immerhin ist der Straßenverkehr um diese Zeit überschaubar und so kamen wir kurz nach 6 Uhr in Molepolole an. Dort trugen wir uns auf eine Liste ein, bezahlten 30 Pula Anmeldegebühr pro Person (ca. 2,60 €) für einen guten Zweck, machten ein kurzes Aufwärmprogramm und wanderten schließlich um 6:40 Uhr los. Es wurde gerade erst hell.
Bei der Begrüßung war angekündigt worden, dass uns ein Polizeiauto begleiten würde, bis wir den Ort verlassen hätten. Und tatsächlich fuhr ein mit vier Polizisten besetzer Wagen mit einem kleinen Blaulicht vor unserer ungefähr 40 Leute umfassenden Gruppe, im Schritttempo. Mir erschien das etwas übertrieben, denn wir befanden uns bereits am Rande von Molepolole auf breiten Staubstraßen; selbst wenn da mal ein Auto kam, fuhr es nicht schnell und kam locker an uns vorbei. Aber gut.
Molepolole zieht sich, aber schließlich erreichten wir den Ortsausgang, blieben dann jedoch weiterhin auf der Straße - insgesamt siebeneinhalb Kilometer. Dann gab es eine erste Pause, es wurden Wasserflaschen an die Teilnehmer verteilt und Ankündigungen gemacht. Zuerst wurde darauf hingewiesen, die eben ausgeteilten Plastikwasserflaschen bitte nicht in die Gegend zu schmeißen - in einer Intensität, die annehmen ließ, dass das sonst tatsächlich ein Problem war.
Die zweite Ankündigung war, dass wir nun einen "Summit" besteigen würde. Für den Hügel zu unserer Rechten war das ein großes Wort. Es wurde eindrücklich gewarnt, vorsichtig zu klettern und auf lose Steine aufzupassen. Tatsächlich mussten wir über größere und kleine Felsen kraxeln, ein Weg war nicht erkennbar. Es war gut machbar, aber nicht jeder Teilnehmer der Wanderung trug geeignetes Schuhwerk, daher taten sich einige doch etwas schwerer. Den Aufstieg machten wir im Gänsemarsch und so langsam, dass ich ganz gegen meine Gewohnheit überhaupt nicht außer Atem kam.
Oben erzählte uns einer der Guides dann etwas über die Geschichte der Gegend und zeigte uns später noch die Überbleibsel von alten Mauern. Für Ausländer wie uns war es nicht einfach, ihm zu folgen, da er mehr Wissen zu Orts- und Stammesnamen voraussetzte, als wir besaßen. Aber der Großteil unserer Gruppe bestand aus Batwswana und an diese richten sich die Wanderungen auch, wie später erläutert wurde: Ihnen soll mehr Wissen über ihr Land und seine Geschichte vermittelt werden, damit sie historische Stätten schützen und ihre Bedeutung an nachfolgende Generationen weitergeben können. Die Wanderung sollte außerdem dazu dienen, dass sie sich ihr Land wandernd zueigen machten - ein schöner Gedanke.
Am Fuße des Hügels besuchten wir noch den Gedenkstein der German Hermannsburg Mission. Die Lutherische Kirche siedelte diese im Jahr 1857 dort an, sie war die zweite christliche Institution im ganzen Land.
Weiß übrigens jemand, von wem das Eingangszitat ist? "Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen." An die oder den erste/n, der mir die richtige Lösung schreibt, schicke ich eine Postkarte aus Botswana. (Erst wollte ich versprechen, dass derjenige eine Postkarte aus Botswana erhält, aber das liegt nicht in meiner Hand ... wobei bislang alle Postkarten angekommen sind. Irgendwann.) Raten gilt, googeln nicht :-) Noch ein Tipp: Der Autor hätte am Tag der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags (28.08.) Geburtstag gehabt ...




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