Brot für die Welt hat eine Website, auf der man im Selbsttest seinen ökologischen Fußabdruck ermitteln kann. Je größer dieser ist, um so mehr nimmt man Umweltressourcen in Anspruch und lebt auf Kosten kommender Generationen. Ich kannte diesen Test schon, habe ihn aber letzte Woche noch einmal gemacht - vermutlich aus masochistischen Gründen, denn dass das Ergebnis nicht so besonders gut ausfallen würde, hätte ich mir schon denken können. Immerhin nutzen wir hier keinerlei öffentlichen Nahverkehr, haben zwei Autos, fliegen über 40.000 km im Jahr und bewohnen ein ziemlich großes Haus - das kam in dem Test alles gar nicht gut an. Der einzige Pluspunkt waren unsere Heizgewohnheiten - der fehlenden Heizung und den meist sommerlichen Temperaturen sei Dank. Und was die Essgewohnheiten angeht ... puh! Schon dadurch, dass wir Müsli essen, nehmen Philip und ich jeden Tag tierische Produkte in Form von Milch zu uns. (Und nein, selbst wenn wir wollten, könnten wir die nicht gegen Soja-, Mandel- oder sonstige Milchersatzprodukte ersetzen - die gibt es hier nicht.) Und was Fleisch angeht ... wir kaufen hier zwar keine Wurstwaren, aber Fleisch essen wir häufig (ich noch häufiger als Philip). Wenn es anders wäre, hätte es meinen ökologischen Fußabdruck allerdings auch nicht mehr gerettet - ein schwacher Trost.
Als Fleischesserin bin ich in Botswana allerdings in guter Gesellschaft. Rindfleisch ist ein wichtiges Exportgut und die Botswaner sind zu Recht stolz auf seine exzellente Qualität. Aber auch sonst gehört Fleischkonsum hier einfach zum Alltag. Diese Woche habe ich bei Baylor eine Unterrichtseinheit zum Thema "Mindmapping" gegeben. Nachdem ich Bedeutung, Sinn und Zweck eines Mindmappings erläutert hatte, teilte ich die Schüler in Gruppen ein und gab ihnen dann eine Auswahl von Themen, zu denen sie brainstormen und dann ein Mindmapping erstellen sollten. Eine Gruppe konnte sich nicht auf ein Thema einigen und bat mich, ihnen eines zuzuweisen. Ich ließ sie schließlich losen und so kamen sie zielsicher zu einem Thema, dass sich kein einziges Gruppenmitglied selbst ausgesucht hätte: "Becoming a vegetarian."
Aufgabe war, die Pros und Kontras eines Themas herauszuarbeiten. Nach erfolgtem Mindmapping präsentierte jede Gruppe ihre Ergebnisse und unter anderem die "Being a vegetarian"-Gruppe führte mir mal wieder vor Augen, dass so eine Diskussion hier doch ganz anders aussieht als in Deutschland. Gegenargumente waren viele gefunden worden: Viele Vegetarier wären dünn, weil mangelernährt. Sie hätten Probleme, überhaupt etwas Essbares zu finden. Ich meldete mich dann doch mal zu Wort, weil die Supermärkte hier in der Regel schon ein solides Gemüseangebot haben. Darauf entgegenete man mir, das Angebot wäre saisonal, was stimmt - aber irgendwelche Gemüsearten gibt's doch immer, erwiderte ich. Man erinnerte mich an die Gemüsekrise zu Anfang des Jahres, was mich innerlich doch schmunzeln ließ - während man in Deutschland wegen Geflügelpest und Rinderseuche eher auf Fleisch verzichtet, wird hier Gemüse als anfällig angesehen. (Wobei es während der Gemüsekrise zwar keine Tomaten, Kartoffeln und Auberginen gab, Salat, Pilze, Weißkohl und Zucchini zum Beispiel aber durchaus vorhanden waren - kein Vegetarier hätte verhungern müssen!)
Weiterhin wurde thematisiert, dass Vegetariern wichtige Proteine fehlen würde. Ein Mädchen sagte, man könnte als Ersatz Erdnüsse essen, woraufhin ihr ein Junge erklärte, dass Erdnüsse aber nicht in Botswana wüchsen ("eat local" scheint immerhin hoch im Kurs zu stehen). Ich erkundigte mich schließlich, ob denn jemand in der Klasse Vegetarier wäre - erwartungsgemäß war dem nicht so - oder einen Vegetarier kennen würde. Eine Schülerin meldete sich und erzählte von einem aus Jamaika stammenden Bekannten, der aus religiösen Gründen kein Fleisch äße. Ich fragte, ob sie wisse, wie er damit klar käme und sie sagte: "It's a hard life, very hard." Ich gab auf. Wer hätte gedacht, dass gerade Vegetarismus ein Thema ist, über das sich hier alle einig sind ...
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