Mittwoch, 17. August 2016

Von Katzen und Hunden

Ein Mitarbeiter von Philip war ein paar Wochen vor uns das erste Mal im Okavangodelta gewesen. Er fand vor allem die Flüge über das Delta spektakulär. Die Safaris hatten ihm natürlich auch gefallen, wobei er erwähnte, dass Safari eben Safari sei. Von daher versuchten wir, nicht zu große Erwartungen zu haben - auf Safari waren wir ja nun auch schon ein paar Mal gewesen und hatten tolle Eindrücke gesammelt. Konnte das überhaupt noch getoppt werden?
Schon nach den ersten paar Stunden im Kwara Camp wussten wir: Ja, es konnte! Das Kwara Camp war mir vom Reisebüro als ein "Wassercamp" beschrieben worden und lag direkt an einem See. Nachts hörten wir Nilpferde schnauben, tagsüber strichen Impapalas um unser Zelt.


Als erstes machten wir eine Motorbootfahrt. Schöner war allerdings später eine mit dem Mokoro (einer botswanischen Kanuart, die allerdings nicht rudernd, sondern mit einem Staken fortbewegt wird - wie ein Stocherkahn, oder wie sagte jemand: "Wie in Venedig!"). In einem Mokoro gleitet man sehr friedlich durch das Wasser und sieht im gemächlicheren Tempo natürlich auch mehr, als wenn man mit dem Motorboot die Flussarme erkundet. Von den Nilpferden hielt unser Steuermann gebührenden Abstand und wies uns vor allem auf die verschiedenen Wasservögel hin. Schön war das!


Aber auch in diesem Wassercamp waren die Game Drives am Spektakulärsten. Im Okavangodelta hat jede Lodge ihr eigenes Gebiet, das nur sie mit Safarifahrzeugen befahren darf. Die Gebiete sind riesig und die Lodges klein (unsere umfasste acht Zelte) - die Tiere leben also relativ ungestört, man greift viel weniger in ihren Lebensraum ein, als ich das vor allem aus kenianischen Nationalparks kenne. Wir hörten mehrmals, dass man in Kwara besonders viele Tiere, gerade auch Raubkatzen sehen könnte. Und tatsächlich sahen wir an unserem ersten Vormittag dort gleich zwei Leoparden.


Und dann drei Geparden.


Und nachmittags noch sieben Löwen.


Wahnsinn! Wahrscheinlich sind wir jetzt für immer verdorben. Überhaupt einen Leoparden, Geparden oder Löwen zu sehen, ist schon etwas besonders - und hier sahen wir gleich so viele. Es liefen natürlich auch dementsprechend viele Antilopen durch die Gegend. Aber auch Elefanten, Giraffen, Nilpferde ...

Unsere noch nicht mal 48 Stunden in Kwara waren gigantisch. Dann flogen wir weiter Richtung Norden, nach Linyanti, was eigentlich schon zum westlichsten Teil des Chobe Nationalparks gehört. Das Lebala Camp, in dem wir auch wieder zwei Tage untergebracht waren, war neuer und schöner als Kwara. Allerdings schien unser Guide schon etwas in Sorge, nachdem er hörte, von wo wir kamen und betonte auch noch einmal, wie außergewöhnlich gut denn die Tiersichtungen gerade in Kwara wären ...
Er konnte aber dafür mit einer Tierart aufwarten, die wir so noch gar nicht gesehen hatten: Afrikanische Wildhunde! Diese sind stark gefährdet. Sie leben in Rudeln und man muss viel Glück haben, welche zu sehen. Wir hatten welches, denn das Leittier dieses Rudels hatte vor zwei Monaten Junge bekommen (15 Welpen auf einmal! Wenn man sich diese dürren Tiere anschaut, kann man sich das kaum vorstellen ...). Wildhund-Welpen bleiben in der Nähe des Baus, während das Rudel auf Jagd geht. Die erwachsenen Wildhunde kommen dann den ganzen Tag über vorbei, und spucken erjagtes Fleisch aus. Das hatte zur Folge, dass sich alle 15 Welpen auf jedes erwachsene Tier, das sich näherte, fiepend stürzten, was sehr süß war.


Zugegeben, Schönheiten sind Wildhunde nicht unbedingt ... aber die Welpen waren natürlich niedlich.
Vom Safariauto ließen sich sowohl große als auch kleine Wildhunde nicht beeindrucken. Generell sind die Tiere an Safariautos gewöhnt und nehmen sie als große Einheiten war, die genug Abstand halten, um nicht zu stören, nicht jagen und nicht gejagt werden können. Dadurch erscheinen einem auch Raubkatzen gar nicht mal so bedrohlich - wobei, die Löwen in Kwara liefen an unserem Auto so dicht vorbei, dass ich dann doch erstmal kein Foto machen konnte. Als ich es abends einer Campangestellten erzählte, lachte diese und bestätigte, dass man das Gefühl hätte, die Löwen würden einen anschauen - aber sie nehmen das Auto als Ganzes war, nicht den einzelnen Menschen (als potentielle Beute).


Es kurisiert aber auch die Geschichte von einer chinesischen Touristin in Südafrika, die beim Anblick der Löwen spontan beschloss, auszusteigen. Sie war so nicht mehr Teil der Auto-Einheit und noch dazu für die Löwen sehr überraschend direkt vor ihrer Nase in ihrer Komfortzone als potentielle Bedrohung aufgetaucht. Ein fürchterlicher Fehler, und wenn man solche Geschichten abends am Camp von den Guides hört, hofft man doch, dass auch etwas Legendenbildung dabei ist.

Wir genossen auch die beiden Tage in Lebala noch einmal sehr und flogen randvoll mit Eindrücken nach Maun zurück. An diese Safari werden wir noch lange denken!

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