Das Vorhaben, das ich hier leite, soll die regionale wirtschaftliche Integration befördern. Bevor ich hierherkam, fragte ich mich, ob ich hier wohl darauf angesprochen werden würde, dass die regionale (wirtschaftliche) Integration in Europa gerade etwas stockt bzw. derzeit eher gegenläufige Tendenzen sichtbar sind. Nun, bisher bin ich hierauf noch nicht angesprochen worden. Die SADC-Region ist aber auch rein institutionell noch weit von einem Europa entfernt, so dass der Vergleich ein wenig hinken würde.
Diese Woche steht nun die britische Abstimmung über den "Brexit" an. Wird das vereinigte Königreich sich zur EU bekennen oder aus der EU austreten wollen? Welche Auswirkungen wird die Entscheidung für die weitere Arbeit der EU haben? Auch auf diese Fragen bin ich noch nicht angesprochen worden.
Allerdings habe ich diese Frage schon im Team diskutiert. Einer meiner Mitarbeiter ist Brite, hat für England bereits Handelsverhandlungen (u.a. mit der EU) geführt, und berät gerade SADC zu den laufenden Verhandlungen zum Handel mit Dienstleistungen. Er erklärte mir vor ein paar Wochen, dass er für den Brexit sei. Nicht wirklich, damit England aus der EU austrete, sondern damit man nach dem Referendum noch einmal mit der EU nachverhandeln könne.
Ich frage mich ein wenig: Wo kämen wir denn da hin? Vielleicht sollte Deutschland auch noch mal nachverhandeln? Wenn das jeder Mitgliedsstaat machen würde, gäbe es bald keine EU mehr. Der Kollege versicherte mir, dass er trotz dieser Haltung im Rahmen unseres Projekts für regionale Integration im südlichen Afrika eintreten könne. Ein wenig paradox finde ich das ja schon - aber vermutlich ist die ganze Diskussion zum Brexit ohnehin von Paradoxien geprägt?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen