Donnerstag, 23. Juni 2016

Der erste Arztbesuch

Dass ich genau zwei Monate nach meiner Ausreise schon das erste Mal in einem botswanischen Wartezimmer sitzen würde, war nicht geplant gewesen - angesichts einer fiesen Durchfallerkrankung mit bis zu 39 Grad Fieber allerdings auch nicht zu verhindern. Und so ließ sich Philip von einer Kollegin eine Praxis empfehlen. Netterweise rief sie auch gleich noch da an und erfuhr, dass man an diesem Tag ohne Termin kommen könnte. Da Philip eh ein Meeting in der Innenstadt hatte, konnte er mich auch noch hinbringen.

Nach dem üblichen Papierkram gibt's hier erst einmal eine "Erstaufnahme" durch eine von mehreren Krankenschwestern. Die Dame war sehr nett, erkundigte sich nach dem Grund meines Kommens und ließ mich dann etwas unvermittelt erstmal auf eine Waage steigen, bevor sie mit einem Maßband an der Wand meine Größe ausmaß. Außerdem maß sie Puls und Fieber und fragte dann freundlich, ob ich eine Urinprobe mitgebracht hätte. Äh, nein. Es war allerdings wohl auch keine nötig - sie notierte einfach "no sample" und alle anderen Angaben handschriftlich auf einem Zettel, den sie nochmal gewissenhaft abschrieb und mir dann in die Hand drückte mit den Worten, ich könnte jetzt etwas fernsehen gehen und würde dann von einem Arzt aufgerufen werden.
Im Wartezimmer (in dem auch der Empfang und die Kasse waren) war tatsächlich ein großer Fernseher. Zeitschriften gab es dafür keine, aber unter Hygiene-Gesichtspunkten ist der Fernseher ja definitiv die bessere Alternative. Es lief eine Nachrichtensendung. Großes Thema waren gewaltsame Ausschreitungen mit Bränden etc. in Tshwane. Ich hatte den Namen der Stadt noch nie gehört, die Bilder wirkten sehr chaotisch. Schließlich begriff ich, dass Tshwane in Südafrika liegen musste und es auch ein südafrikanischer Fernsehsender war - irgendwann lief nämlich der Wetterbericht, und der war einzig und allein auf das südliche Nachbarland bezogen. Das erklärte dann auch, warum sich die anderen Leute im Wartezimmer nicht so brennend dafür interessierten.

Schließlich rief mich eine Ärztin auf. Sie war sehr nett und nahm sich viel Zeit. Tatsächlich dauerte mir der Small Talk-Teil (wie lange ich schon in Botswana wäre, was mein Mann und ich hier machen würden, wie es mir gefallen würde, ob ich einen Job suchen würde, es wäre ja sehr schwierig mit einer Arbeitserlaubnis etc.) fast etwas zu lang, angesichts der Tatsache, dass es mir nicht besonders doll ging. Deswegen bin ich im Nachhinein auch nicht mehr 100% sicher - aber 90% eigentlich schon - dass sie mir schließlich sogar eine ehrenamtliche Stelle in ihrer Diabetes-Praxis angeboten hat ... ich komme mit dem Alltagsenglisch hier recht gut zurecht, aber das kam dann doch etwas sehr unerwartet. Auf jeden Fall habe ich jetzt ihre Visitenkarte mit allen Kontaktdaten.
Wir konzentrierten uns dann auf den Grund meines Kommens. Sie hörte meinen Bauch ab - durch das T-Shirt, das Stethoskop sei zu kalt - an soviel Rücksicht eines deutschen Arztes kann ich mich nicht erinnern! Launig erkundigte sie sich nach Philips Gesundheitszustand: "And how's your husband?" "Oh, he's fine." "This makes it worse ...". Schließlich verschrieb sie mir ein Antibiotikum, etwas gegen Bauchkrämpfe und Elektrolyte. Ich wurde zur Kasse geschickt, wo ich Arztbesuch und Medikamente gleich bezahlte. Dann ging es weiter in das "Apothekenzimmer" der Praxis, wo eine Angestellte schon ein Körbchen mit meinen Medikamenten gepackt hatte. Ich bekam alles in genau der Menge, die ich nehmen sollte - ohne Originalverpackung, die abgepackten Tabletten in Plastiktütchen, auf die ausgedruckte Etiketten mit meinem Namen und den Dosierungsanleitungen etc. geklebt waren. Beipackzettel gab es so allerdings keine.

Der erste afrikanische Arztbesuch war aufgrund seines Anlasses nun nicht gerade schön, aber insgesamt sehr okay und die Medikamente wirken alle prima, zumindest geht es mir schon deutlich besser. Nun habe ich auch diese Erfahrung einmal gemacht und gehe das nächste Mal sicher etwas routinierter hin. Wobei bis zum nächsten Mal hoffentlich noch viel Zeit vergeht!

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