Der Mann einer hiesigen Freundin stellt mir zuverlässig immer die gleiche Frage, wenn wir uns treffen: "Verreist Du schon wieder?" Und tatsächlich kann ich dann auch immer von einer anstehenden Reise berichten, so auch beim Grillen am vorletzten Freitag, als wir uns zum letzten Mal sahen. Da flog ich nämlich bereits ein paar Stunden später über Johannesburg ins namibische Swakopmund. Meine zweite Namibia-Reise - und schon wieder ohne Philip! Wenn wir nächstes Mal hoffentlich gemeinsam dorthin reisen, eigne ich mich dann immerhin als Städteguide ...
Diese Gelegenheit musste ich aber einfach wahrnehmen: Freunde reisen gerade durchs südliche Afrika und in einem ihrer zwei Dachzelte war sogar noch ein Platz für mich frei. Und so hatte ich mich mit Geno, Ali und Christiane an einem sonnigen Samstagnachmittag im idyllisch-altmodischen Swakopmunder Café Anton verabredet, wo ich bereits im Februar ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gegessen hatte. Wir freuten uns über das Wiedersehen und tranken da erst einmal Kaffee.
Der gemütliche Teil des Nachmittags fand jedoch ein jähes Ende. Christiane war schon einmal zum Auto zurückgegangen, um den Camping-Kühlschrank auszuschalten. Und musste entdecken, dass eines der beiden hinteren Seitenfenster eingeschlagen worden war. Bald darauf wurde uns auch klar, warum: Ali hatte seinen Rucksack auf der Rückbank gelassen. Und der war nun weg.
Swakopmund - die vermutlich deutscheste afrikanische Stadt der Welt - macht eigentlich einen sehr friedlichen Eindruck. Schnuckelige Häuser, breite Straßen, Fußgängerzonen ... und der Parkplatz war eigentlich in einer der Hauptstraßen. Allerdings ist Swakopmund auch etwas verschlafen, das Auto parkte an diesem Nachmittag ganz alleine auf diesem Parkplatz. Und weit und breit war kein Parkplatzwächter zu sehen, die sonst ja oft rumstehen und sich über ein Trinkgeld freuen. Wir hatten wohl einfach Pech.
Im Café Anton konnte man uns zwar nicht die Telefonnummer der örtlichen Polizei geben, dafür aber den Weg beschreiben: Die Station war keine zehn Minuten entfernt. Wir waren fast die einzigen, die sich an diesem Nachmittag dort einfanden und die Polizistin, die unseren Bericht aufnahm, hatte von dem Auto mit der eingeschlagenen Scheibe sogar bereits gehört; Kollegen von ihr waren schon auf der Suche nach uns gewesen. Geno und Christiane schrieben auf, was im Rucksack war, brauchten dann aber Ali, der allerdings beim Auto geblieben war, woraufhin Geno dorthin zurücklief ... die Polizistinnen und ihr männlicher Kollege, der die ganze Zeit im Unterhemd rumlief, hatten die Ruhe weg und warteten eh auf ihren Chef, der kommen sollte, um die Sache zu klären. Ich ging irgendwann zur Bank und leistete dann Geno Gesellschaft, die das Auto inzwischen vor der Polizeistation geparkt hatte und von den Glassplittern säuberte. Schließlich näherten sich uns zwei Männer, von denen der eine etwas abgerissen aussah. Sie erkundigten sich, was passiert war und der etwas Abgerissene stellte den anderen als den zuständigen Polizisten vor, der nochmal wissen wollte, was geklaut worden wäre etc. - alles Fragen, die wir auf der Polizeistation schon mehrmals beantwortet hatten. Schließlich wunderte er sich, dass wir immer noch auf den Bericht für die Versicherung warteteten und kündigte an, mal im Gebäude nach dem Rechten zu sehen. Wir sahen ihm nach und ich sagte zu Geno: "Ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob der Typ uns nicht doch verarscht." Daraufhin schaltete sich der andere ein: "No, no, he really is a police officer." Ja, das bin ich aus Botswana einfach nicht gewohnt: Gefühlt versteht jeder Zweite in Namibia deutsch ...
Der etwas abgerissene Typ entpuppte sich als Schlüsselanhängerverkäufer, der aber relativ schnell verstand, dass wir aktuell nicht in der Stimmung waren, ihm etwas abzukaufen. Sein Polizeifreund in Zivil verfasste derweil selbst handschriftlich den Bericht und wir konnten schließlich gehen. Festzuhalten bleibt, dass Swakopmund alles in allem doch ein ziemlich sicheres Pflaster sein muss - nicht nur war auf der Polizeistation so gut wie nichts los, wir wurden am nächsten Tag auch noch anderswo von einem Parkplatzwächter angesprochen, ob wir diejenigen gewesen wären, denen die Scheibe am Vortag eingeschlagen worden wäre ... wir waren Gesprächsthema!
Da es bereits auf den Samstagabend zuging, mussten wir am Wochenende erstmal ohne die Scheibe klarkommen und behalfen uns schließlich mit einer
Mülltütenkonstruktion, die erstaunlich haltbar war. In Botswana
sieht man manchmal mit Frischhaltefolie umwickelte Autotüren, in denen
die Fenster fehlen. Unsere Konstruktion war eleganter, aber auch weniger
durchsichtig.
Zum Glück ließ die Autovermietung die Scheibe am Montag ersetzen und wir konnten die Reise wie geplant fortsetzen. Nur schade um Rucksack und Inhalt, die bislang nicht wieder aufgetaucht sind.
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