Sonntag, 14. Mai 2017

Leben als Ausländer

Seit über einem Jahr leben wir nun schon als Ausländer in Botswana. Dass wir welche sind, ist durch unsere Hautfarbe deutlich erkennbar. Man hört ja immer mal wieder, dass sich vor allem südländisch aussehende junge Männer in Deutschland aufgrund ihres nichtdeutschen Aussehens diskriminiert und häufigen Polizeikontrollen ausgesetzt fühlen. Hier ist es paradoxerweise genau umgekehrt.

Vergangegenen Donnerstag fuhr ich an drei Polizeikontrollen vorbei; zwei Polizisten schienen mich zunächst rauswinken zu wollen, bedeuteten mir aber, ich als ich näher kam, dass ich doch weiterfahren könnte. Was war denn da los? Aufklärung brachte unsere Haushaltshilfe Patricia, die mir am nächsten Tag erzählte, dass es gerade wieder verstärkte Kontrollen gäbe, um illegale Einwanderer  - beispielsweise aus ihrer Heimat Simbabwe - aus dem Verkehr zu ziehen. Werden Ausländer ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung kontrolliert, kommen sie für zwei Wochen ins Gefängnis und werden dann abgeschoben.
Ich erzählte, dass mich am Vortag bereits zwei Kontrollen durchgewunken hatten, was Patricia nicht wunderte: "They know that white people aren't able to fake their papers." Das klang ein bisschen nach halbwegs positiver Diskriminierung - Weiße werden von der Polizei nicht angehalten, weil sie zu blöd sind, sich gefälschte Dokumente zu besorgen - und ließ mich schmunzeln. Allerdings weiß ich, welche Mühen Patricia damit hat, sich eine neue Aufenthaltsgenehmigung zu besorgen. Ihre Erzählungen darüber, wer wen kennt, dem man einem Vorschuss in welcher Höhe zahlen muss, damit jemand anders sagt, man würde da und da arbeiten ... sie sind für mich quasi nicht nachvollziehbar, aber ich habe begriffen, dass es für sie eigentlich nur halbseidene Wege gibt, an gültige Papiere zu kommen. Und dass diese wohl gang und gäbe sind.
Die illegalen Einwanderer in Botswana sind in der Regel das, was wir in Deutschland momentan als "Wirtschaftsflüchtlinge" bezeichnen - sie kommen größtenteils aus Simbabwe und suchen Arbeit und Bezahlung, die sie zu Hause nicht erhalten. Weiße Wirtschaftsflüchtlinge gibt es hier sicher nicht, weswegen sich die Polizei gar nicht damit aufhält, mich zu kontrollieren und stattdessen Autos mit einheimisch aussehenden Insassen anhält.

Und sonst? Die meisten Einheimischen sind freundlich zu uns. Als Weißer wird man natürlich auch mit Geld in Verbindung gebracht, mich sprachen schon öfters Leute auf der Straße an, die mir entweder etwas verkaufen oder - und das passiert am häufigsten - gleich für uns arbeiten wollten. Selbst die Kellnerin eines Fast Food-Restaurants bot mir neulich an, dass sie sehr gerne kündigen würde, um bei uns oder anderen Weißen als full-time-maid angestellt zu werden.

Patricia, die hier ebenfalls als Ausländerin lebt, macht natürlich andere Erfahrungen. Sie hat sich von botswanischen Arbeitgebern schon manchmal schlecht behandelt und schlecht bezahlt gefühlt. In Johannesburg erzählte uns einer ihrer vielen dort taxifahrenden Landsmänner, dass südafrikanische Unternehmen kein Problem damit hätten, illegale Einwanderer wie ihn einzustellen - sie würden sie dann aber eben zu Dumpingpreisen beschäftigen.
Patricia legte aber auch Wert auf die Feststellung, dass es natürlich auch botswanische Arbeitgeber gäbe, die sie gut behandeln würden. Man kann nicht generalisieren. Am Ende bleibt mir also nur die wenig überraschende Feststellung, dass man es als Ausländer mit Geld leichter hat als als Ausländer ohne Geld - egal ob in Botswana oder in Deutschland.

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