Dienstag, 16. Mai 2017

Leben als Ausländer (2)

Im letzten Blogbeitrag hat Walli beschrieben, dass die Batswana auf sie als weiße Ausländerin in der Regel freundlich reagieren. Meine Erfahrungen sind da zum Teil andere.
Eine Kleinigkeit fiel mir schon recht früh nach meiner Ankunft hier auf: Wenn ich an der Supermarktkasse die Kassiererinnen in Englisch grüßte, gaben sie sich meist recht reserviert. Sagte ich aber ein botswanisches "Dumela ma", dann waren sie gleich viel freundlicher zu mir. Das könnte man eigentlich schon allein darauf schieben, dass ich sie in ihrer eigenen Sprache Setswana angeredet habe. Eine Batswana erklärte mir jedoch einmal, dass das auch damit zu tun haben könne, dass die Kassiererinnen mich zunächst für einen weißen Südafrikaner gehalten hätten (die schlimmsten!), und deshalb reserviert reagiert hätten; da ein weißer Südafrikaner aber keine Begrüßung auf Setswana von sich geben würde, ist mit einer solchen geklärt, dass ich eben keiner bin - und man kann mir freundlicher gegenübertreten.
Wenn man Zeitung liest, Facebook-Kommentare oder auch wenn man sich einfach mit Einheimischen unterhält, dann erzählt einem fast jeder, dass Ausländer den armen Batswana die Jobs wegnähmen. Arbeitsgenehmigungen für Ausländer sind daher wohl auch nur noch in hochspezialisierten Berufen zu erhalten. Einerseits mag es ja verständlich sein, dass man in einem Land mit solch hoher Arbeitslosigkeit (über 20%) versuchen will, möglichst viele Batswana in Lohn und Brot zu bekommen. Gleichzeitig führt das meines Erachtens jedoch auch zu Härtefällen und Entscheidungen, die für die wirtschaftliche Entwicklung Botswanas nicht förderlich sind.

Da ist z.B. der Sohn unseres Vermieters. Unsere Vermieter sind Schweden (mit deutscher Mutter), zum Teil in Botswana aufgewachsen und haben den Großteil ihres Lebens hier verbacht. Sie führen mit einem Gartenbaumarkt mit angeschlossenem Cafe und Konferenzzentrum ein vergleichsweise großes Unternehmen, das vor 47 Jahren von ihrem Vater gegründet wurde. Der Sohn unseres Vermieters musste allerdings das Land verlassen, als er 18 Jahre alt wurde. Heute darf er wie jeder EU-Bürger für maximal 90 Tage im Jahr zurückkommen.
Ich hörte einmal, dass beim botswanischen Personal der GIZ immer wieder größere Unzufriedenheit herrsche, weil so viele Deutsche herkämen (in einem Unternehmen, das der deutschen Regierung gehört, wäre ich da an ihrer Stelle jedoch nicht so überrascht); ein oder zwei der "mitausreisenden Partner" haben es geschafft, botswanische Verträge bei der GIZ zu erhalten - das muss fast zu einer Revolte im GIZ-Büro geführt haben, weil die einheimischen Mitarbeiter eigentlich alle Stellen an Batswana vergeben sehen wollen.
Botswana hatte wohl früher recht gute internationale Schulen. Allerdings hat die Regierung beschlossen, dass ausländische Lehrer keine Arbeitsgenehmigungen mehr bekommen, bzw. dass an Schulen maximal 7% Ausländer unterrichten dürfen. Ich habe hier noch keinen Schulunterricht erlebt - es ist allerdings zu beobachten, dass nur wenige deutsche GIZler mit Kindern im schulpflichtigen Alter hier sind. Dem deutschen Schulleiter einer hiesigen Schule wurde nach Differenzen mit dem Schulvorstand (Eltern) die Aufenthaltsgenehmigung mit sofortiger Wirkung entzogen, er musste innerhalb von zwei Tagen ausreisen.
Bei einer Party, zu der wir letzten September eingeladen waren, kam das Catering aus einem Foodtruck mit dem Namen "Berlin Currywurst". Ein Deutscher hat mit seiner botswanischen Frau und mehreren botswanischen Angestellten dieses Business aufgezogen. Später sah ich das Unternehmen noch einmal auf einem Empfang des Botschafters. Mittlerweile hörte ich, dass der deutsche Eigentümer schon einige Zeit keine Arbeitsgenehmigung mehr hatte und daher seine Frau das Unternehmen offiziell führte. Dann wurde wohl auch seine Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr verlängert. Nun haben die beiden das Unternehmen geschlossen und sind nach Deutschland gegangen; die zuvor geschaffenen Arbeitsplätze sind verloren. Ob wohl bei früheren Konkurrenten entsprechend neue Arbeitsplätze entstanden sind? Ich bezweifle es.

Ich frage mich einfach, ob sich das Land einen Gefallen tut, wenn es eine solche harte Einwanderungspolitik verfolgt. Sollte man nicht versuchen, über Lehrer, die eine gute Ausbildung haben, den eigenen Bürgern über gute Bildung neue Chancen zu ermöglichen? Und sollte man nicht dankbar sein für jeden Ausländer, der Jobs in Botswana schafft - anstatt seiner Familie das Leben schwer zu machen und seine Arbeitsgenehmigung nicht mehr zu verlängern? Ich habe Zweifel an den hiesigen Vorgehensweisen, aber offenbar wird eine solch differenzierte Argumentation bei diesem Thema derzeit in Botswana eher nicht geführt.

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