Montag, 10. April 2017

Run Philip, run!

Als ich meiner Chefin vor anderthalb Jahren erzählte, dass wir nach Gaborone ziehen würden, fragte sie mich, was ich denn da beruflich machen könnte. Meine eher vage Antwort kommentierte sie mit dem schönen Begriff „Spielerfrau“, was mich noch heute zum Schmunzeln bringt. So auch an diesem Sonntagmorgen, denn dieses inzwischen lange zurückliegende Gespräch fiel mir ein, als ich gegen 5:20 Uhr eine Trikotnummer mit Sicherheitsnadeln an Philips GIZ-T-Shirt feststeckte. Das fühlte sich nämlich wirklich mal nach Spielerfrau an.

Was war los? Philip hatte sich wie so viele seiner Kollegen zum „Lady Khama Charity Run“ angemeldet, weswegen er um 6 Uhr am Gaboroner Stadion sein sollte. Da wir weder Parkmöglichkeiten noch Menschenmassen einschätzen konnten, war der Plan, dass ich ihn hinfuhr, eventuell irgendwo fernab parken und ihn dann wieder abholen würde. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass es ab und an auch Vorteile hatte, als ich noch nicht Auto gefahren bin … also, Vorteile für mich. Das mag egoistisch klingen, aber solche Gedanken können einem schon mal kommen, wenn am Sonntagmorgen um 4:55 Uhr der Wecker klingelt.)

Es stellte sich dann aber raus, dass Parken kein Problem war. In Gaborone gibt es einige ungeteerte Freiflächen, auch mitten in der Innenstadt. Eine davon ist direkt neben dem Stadion und war mindestens für den Lauf wohl auch zum offiziellen Parkplatz deklariert worden. Wir stellten das Auto ab und waren pünktlich vor Ort. Es standen schon einige Pavillons in der Stadionmitte, auch einer von der GIZ, wo wir dann Philips Kollegen trafen.



Auf einer Bühne begann ein Fitnesstrainer mit einem öffentlichen Aufwärmprogramm. Es wurde langsam hell und das Stadion füllte sich zusehends. Dann starteten die 21 km-Läufer, ein paar Minuten später die 10 km-Läufer und zuletzt die, die sich für die 5 km angemeldet hatten.


An der Spitze positionierten sich jeweils die durchtrainierten Profis. Hinter ihnen kamen sowohl Kollegengruppen mit gleichfarbigen T-Shirts als auch Leute, die sich privat angemeldet hatten, sogar die ein oder andere Familie mit Kindern. Ein Paar lief die 5 km-Strecke mit Kinderwagen, vereinzelt sah man auch mal muslimische Frauen mit Kopftuch joggen. Zwei ältere Damen mit Wanderrucksäcken hatten sich für die 21 km angemeldet und stiefelten ziemlich gemütlich los, als der Startschuss fiel – sie sahen nicht so aus, als hätten sie vor, noch eine schnellere Gangart einzulegen. Es war eine bunte Mischung, für den Großteil der Läufer schien der Spaß im Vordergrund zu stehen und die Stimmung war so gut, dass ich mir sogar vorstellen könnte, beim nächsten Mal selbst mitzulaufen (die 5 km – ich muss ja nicht gleich übertreiben …).
Die ankommenden Läufer wurden mit Medaillen und gelben Beuteln mit Getränken und Snacks begrüßt. Der Warm-Upper begann ein Warm Down-Programm zu moderieren, Philip kam schließlich durchs Ziel gesprintet und wurde von mir natürlich spielerfrauen-mäßig bejubelt und empfangen.


Auch seine Kollegen fanden sich nach und nach ein. Inzwischen schien die Sonne ins Stadion, es wurde langsam richtig warm und die Leute machten sich nach und nach auf den Heimweg. So auch wir. Und gegen 9 Uhr saßen wir auf unserer Terrasse beim Frühstück, als wäre nichts gewesen …

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