Die Ostertage haben Philip und ich in Johannesburg verbracht. Dort gibt es einiges, was man in Gaborone (bzw. generell in Botswana) nicht findet: Eine Skyline, Großstadtflair, (geöffnete) Museen ... Johannesburg hat allerdings selbst ohne das riesige Township Soweto immer noch mehr Einwohner als ganz Botswana. Und es ist nicht nur größer, sondern auch gefährlicher. Ich habe eben mal nach "gefährlichste Städte der Welt" gegoogelt und festgestellt, dass Johannesburg in den verschiedenen Statistiken im Gegensatz zu Kapstadt nicht mehr unter den Top Ten aufgeführt wird. Es kann sich allerdings gefährlicher anfühlen als die "Mother City" Cape Town ... Doch auch Johannesburg hat mehrere Seiten. Das wurde uns vor Augen geführt, als wir am Karfreitag an einer "Free Walking Tour" durch das hippe Studentenviertel Braamfontein teilnahmen.

Es war bewölkt und wir waren insgesamt nur vier Teilnehmer. Wegen des langen Wochenendes und auch wegen eines kurz vorher runtergegangenen Regenschauers waren die Straßen nicht besonders belebt, die Geschäfte hatten zwar geöffnet, aber es war kaum etwas los. Was mir vor allem auffiel und was ich aus Kapstadt so nicht kannte: Es waren so gut wie keine Weißen unterwegs. Wir fielen auf und wurden immer wieder angebettelt. Als ich unsere Guide Setwo vorsichtig darauf ansprach, erzählte sie mir, dass in den Innenstadtvierteln generell nicht viele Weiße unterwegs wären, aber in Braamfontein immer noch mehr als im Stadtzentrum. Da würden gar keine
Weißen rumlaufen, es sei einfach zu gefährlich, und bei den "Free
Walking Tours" dort müssten alle Teilnehmer Hand- und Kamerataschen
sowie Rucksäcke im Büro des Touranbieters lassen, alles andere
wäre fahrlässig. Hmmm. Ich habe in Kapstadt - wo man tagsüber auch
prima alleine durch das Stadtzentrum streifen kann - schon an mehreren
"Free Walking Tours" des gleichen Anbieters teilgenommen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.

Setwo führte uns durch die Straßen und ab und an auch in einen Club oder eine Bar, die besonders angesagt waren. Irgendwann bat sie uns dann stehenzubleiben und machte uns auf zwei Typen aufmerksam, die uns folgen würden. Tatsächlich hatte ich den einen davon auch schon an einer Ampel wahrgenommen - einer inzwischen ziemlich weit entfernten Ampel. Unsere Guide hatte dagegen beobachtet, dass die beiden schon einige Zeit hinter uns her liefen - sie waren uns wohl auch in ein Café gefolgt, das sie ebenfalls wieder verließen, nachdem wir wieder draußen waren.
Setwo war pragmatisch. Sie nahm an, dass die beiden darauf warteten, dass wir zu einer nicht einsehbaren Stelle kommen würden. Also änderte sie kurzerhand ihre übliche Route ab, wir kehrten um und blieben auf den Hauptstraßen Braamfonteins. Als die Typen an uns vorbeiliefen, musterten sie uns zwar nochmal, zogen dann aber ihrer Wege. Alles ging schnell und war gut gelöst. Aber wäre Setwo nicht so wachsam gewesen, wären wir wohl überfallen worden. Kein schönes Gefühl.
Dennoch kamen Philip und ich am nächsten Tag tatsächlich noch einmal nach Braamfontein. Wir hatten uns Tickets für die Citysightseeingbusse gekauft und stiegen im Studentenviertel aus, weil da jeden Samstag ein "Neighbourgoods Market" stattfindet, der uns nicht zuletzt von Setwo und unserer Vermieterin empfohlen worden war. An dem Tag war ein super Wetter, Sonnenschein, und die Straßen waren bevölkert - aber nicht so sehr wie der Markt. Dort war eine tolle Atmosphäre, es gab richtig coole Stände und Livemusik auf einer Dachterrasse. Die Leute drängten sich, niemand bettelte, die Stimmung war super - auch so konnte Braamfontein sein. Es war ein Riesenunterschied zum Vortag. Man sollte in Johannesburg nicht zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Aber ruhig zur richtigen Zeit am richtigen Ort!
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