Donnerstag, 5. Oktober 2017

Camping auf dem Autodach

Philip und ich hatten schon länger geplant, ein Dachzelt zu kaufen. Im April war uns ein gebrauchtes angeboten worden, die Kaufvereinbarung zerschlug sich dann aber im Juli. Seitdem überlegten wir: Würde sich der Kauf eines neuen Zeltes für uns lohnen? Würden wir es oft genug nutzen? War es uns das wert? Wir waren Ende Juli sogar mal nach Südafrika gefahren, mussten da aber feststellen, dass sich ein Dachzelt nicht auf die Schnelle kaufen und montieren lässt. Aber täte es nicht überhaupt auch ein normales Bodenzelt? Natürlich kann man auch damit prima campen gehen. Ein Dachzelt ist allerdings bequemer: Es ist in weniger als fünf Minuten auf- oder abgebaut, man hat es immer bei sich und liegt bequemer als auf dem Boden. Am wichtigsten war uns allerdings, dass man in einem Dachzelt eben nicht auf dem Boden schläft - schließlich werden wir sicher auch mal in Gegenden zelten, in denen es Raubtiere gibt. Hyänen und Co. versuchen zwar in aller Regel nicht, in geschlossene Zelte einzudringen, aber auch durch eine dünne Zeltwand wollen wir Löwen nicht unbedingt auf Augenhöhe begegnen ... also: Ein Dachzelt hat generell viele Vorteile.

Gaborone ist nicht unbedingt "the place to be", wenn man ein Dachzelt kaufen will. Es gibt hier - neben einer südafrikanischen Kette für Campingbedarf, die aber keine Dachzelte anbietet - genau einen Safari-Laden, der für Autos unserer Art genau ein Dachzeltmodell hat - und das ist ganz schön teuer. Und relativ groß. Bei einer Kollegin von Philip hatten wir dagegen eine windschnittigere Variante gesehen, die uns besser gefiel. Übers Internet fand Philip schließlich einen Laden in Windhoek, der unser Wunschzelt für uns bestellen wollte. Es wurde vereinbart, dass wir während Philips Dienstreise zur Montage vorbeikommen könnten. Nachdem wir samstags den Trans-Kalahari-Highway bezwungen hatten, fuhr ich dann also letzte Woche Montag vom Hotel zum Autotuning-Laden, und diesmal hatten wir Glück: Der Manager erzählte, dass von den zwei Zelten, die sie im Vormonat bestellt hatten, eines tatsächlich an diesem Morgen angeliefert worden sei. Und das konnten die Mitarbeiter dann im Laufe des Tages auf unser Auto montieren. Als ich gegen 17:30 Uhr mit Auto und Zelt wieder beim Hotel ankam, machte ich einfach mal ein Foto von beidem und schickte es Philip, der seine Konferenz daraufhin für ein paar Minuten Konferenz sein ließ und schnurstracks auf den Parkplatz kam.


Endlich sind wir also stolze Dachzeltbesitzer! Wie man sieht, ist unser Zelt quasi muschelförmig nach oben ausklappbar. Innen ist der gesamte Boden von einer Matratze bedeckt, es gibt noch Seitentaschen, aber ansonsten ist es wirklich nur zum Schlafen und bietet keinen weiteren Stauraum. Aber den brauchen wir auch nicht, dafür haben wir ja das Auto. Die Leiter ist zusammenklappbar und kann während der Autofahrten im zugeklappten Zelt transportiert werden. Alles sehr durchdacht!

Natürlich wollten wir unser neues Zelt schnellstmöglich einweihen. Die Vorfreude ging nicht ganz so weit, als dass wir die Nacht auf dem Hotelparkplatz verbracht hätten, aber für die Tage nach der Konferenz buchte ich uns auf die Schnelle noch auf ein paar Campingplätzen ein - was gar nicht so einfach war, in Namibia ist gerade Hochsaison. Aber einige ließen sich dann doch noch finden, und so verbrachten wir unsere erste Nacht im Dachzelt auf einem der zu einer namibianischen Farm namens Hauchabfontein gehörenden Stellplätze. Es gab Dusche und Toilette, die wir uns mit zwei anderen Parteien teilten, wir hatten außerdem ein eigenes Waschbecken mit fließend Wasser am Stellplatz und eine Feuerstelle. Es war sehr ruhig und friedlich. Ein guter Start mit unserem Zelt!


Das zweite Camp war dann spektakulärer. Unser Stellplatz war auf einer Anhöhe mit einem tollen Blick über eine Ebene. Allerdings stand unser Auto da ziemlich exponiert und nachts kam ein ordentlicher Wind auf. Zelt und Auto schaukelten sachte hin und her und ich machte mir im Halbschlaf ein paar Gedanken über den Zustand unserer Bremsen. Ansonsten war es aber sehr gemütlich und das Auto ist dankenswerterweise auch nicht den Hang hinuntergerollt.


Der dritte Stellplatz bot weder einen tollen Blick noch sonderlich viel Privatsphäre, dafür war der Campingplatz von einer Mauer mit Elektrozaun umsäumt - wir waren in Swakopmund. Hier bekamen wir tatsächlich einen Schlüssel ausgehändigt, für ein winziges Reihenhäuschen, das zu unserem Stellplatz gehörte. Wenn man die Tür öffnete, stand man direkt im Badezimmer - und mehr war in diesem Häuschen dann auch nicht drin. Es ist schon seltsam, ein Häuschen zu haben, das von außen ganz solide aussieht und dann davor auf dem Auto zu schlafen ... dafür hätten wir hier sogar einen Stromanschluss. Es war alles sehr durchdacht, aber so richtig Atmosphäre kam in dieser Reihenhaus-Campingsiedlung dann doch nicht auf.

 

Unsere letzte Campingstation war schon kurz vor der Grenze zu Botswana. Das "Kalahari Bush Break" gab sich nicht sonderlich viel Mühe, zu gefallen, der Campingplatz war dafür auch der Billigste. In der Ferne sahen wir Blitze und Wetterleuchten und hofften, dass der Regen uns verschonen würde; er blieb dann auch tatsächlich auf der botswanischen Seite. Bis zu einem bestimmten Grad ist unser Dachzelt regenfest, aber unsere Lust, das gleich auszutesten, hielt sich doch in Grenzen.


Das waren nun unsere ersten Campingerfahrungen. Wir sind sehr begeistert - so begeistert, dass das Zelt dieses Wochenende gleich wieder zum Einsatz kommen wird!

Dienstag, 3. Oktober 2017

Auf dem Trans-Kalahari-Highway

Im Botswana-Reiseführer des DuMont-Verlages wird ein kleines Loblied auf den Trans-Kalahari-Highway gesungen. Er würde dafür sorgen, dass man "theoretisch [...] in einem Sportwagen von Johannesburg nach Windhoek [...] gelangen" kann. Philip und ich haben in den letzten eineinhalb Wochen verschiedene Teilstücke dieses Highways befahren, allerdings nicht in einem Sportwagen, sondern mit unserem großen Schluckspecht. Außerdem sind wir nicht in Johannesburg gestartet, sondern erst im botswanischen Kanye auf den Highway gefahren (knappe 100 km südwestlich von Gaborone). Von dort sind es noch 1.024 km nach Windhoek, ab Gaborone also insgesamt um die 1.100 km - die wir nun bereits zweimal mit dem Auto zurückgelegt haben, am 23.09. sogar innerhalb eines Tages.


Ich habe Philip erstmals auf eine Dienstreise begleitet. Im Anschluss wollten wir noch ein paar Tage durch Namibia reisen. Es lag nicht nur aus Kostengründen nahe, mit dem Auto zu fahren - wir wollten in Windhoek auch ein Dachzelt für unser Auto kaufen, aber dafür musste dieses eben erstmal nach Windhoek kommen. Wir kennen mehrere Leute, die die Strecke schon selbst gefahren sind, sie haben sie jedoch in der Regel auf zwei Tage verteilt. Wir hatten aber auf dem Hinweg nur einen: Freitag musste Philip regulär arbeiten und Sonntag bei der Konferenz in Windhoek sein - uns blieb also der Samstag, um den Weg zurückzulegen.

Im südlichen Afrika ist es ratsam, auf Überlandfahrten im Dunkeln zu verzichten. Straßen und auch andere Fahrzeuge sind teilweise sehr schlecht beleuchtet, aber die größte Gefahr sind Tiere: Kühe, Ziegen, Esel - besonders letztere stellen sich vor allem nachts gerne auf Teerstraßen, wenn diese noch vom Tag aufgewärmt sind. Man hört immer wieder von Leuten, die Unfälle mit Kühen oder anderen Tieren hatten. Diese gehen auch öfters tödlich aus - für Tier und Mensch.

Wir wollten also zwar möglichst früh aufbrechen, aber nicht vor der Morgendämmerung. Schließlich war es 5:50 Uhr, als wir losfuhren, immerhin lange vor der Rush Hour rund um Gaborone. Und spätestens auf dem Trans-Kalahari-Highway war dann eh kaum noch was los bzw. je weiter wir kamen, desto mehr nahm der ohnehin geringe Verkehr ab. Der Tempomat unseres Autos konnte teilweise über eine Stunde lang unbehelligt auf 120 km/h eingestellt bleiben (das ist die hiesige Maximalgeschwindigkeit). Andere Autos sah man irgendwann höchstens noch im Viertelstundentakt. Trotzdem hieß es aufmerksam bleiben, da sich ab und an Kühe, Ziegen und auch Esel auf die Straße verirrten oder am Rand grasten. Auch Strauße sahen wir immer wieder. Und dann war da noch eine Gruppe Perlhühner, die im Gänsemarsch über den Trans-Kalahari-Highway lief und von denen eins sehr unglücklich mit unserem linken Außenspiegel kollidierte. Leider ist das beiden nicht gut bekommen.

Der DuMont-Reiseführer schreibt, dass man auf dem Highway "die gesamte Bandbreite der landschaftlichen Schönheit Botswanas" erfährt. Das ist ehrlicht gesagt ziemlicher Nonsens. Bei "landschaftlicher Schönheit Botswanas" denke ich an das Okavango Delta oder den Chobe Nationalpark, nicht an braunes Buschland, kurzes, gelbes Gras und vereinzelte Bäume, soweit das Auge reicht. Auch von einer "Bandbreite" zu sprechen, ist ziemlich übertrieben. Wir hatten eigentlich überlegt, während der Fahrt immer wieder Fotos zu machen, das aber dann schnell aufgegeben - sie hätten nämlich alle ähnlich ausgesehen:




Ansonsten kann ich mich aber nicht beschweren, wir kamen nämlich wunderbar durch. Erst fuhr Philip knappe 400 km, dann fuhr ich knappe 400 km und dann waren wir auch schon an der Grenze zu Namibia, mit einer Durschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h - besser hätte es nicht laufen können. An der Grenze dann schon, der Grenzübergang kostete uns trotz geringen Betriebs eine volle Stunde (an dieser Stelle wieder einmal ein Hoch auf das Schengener Abkommen). Aber danach waren es nur noch gute 300 km nach Windhoek, auch hier die meiste Zeit durch kaum besiedeltes Buschland. Nach insgesamt elf Stunden und 15 Minuten kamen wir am Ziel an, doch etwas erledigt, aber sehr zufrieden mit dem Verlauf dieses Tages. Die Rückfahrt neun Tage später gingen wir wesentlich entspannter an - weil wir die Strecke nun bereits kannten und sie außerdem nicht komplett an einem Tag zurücklegen mussten.

Samstag, 23. September 2017

Wählen unter erschwerten Bedingungen

Auch nach eineinhalb Jahren Gaborone gibt es immer wieder "erste Male". Vor Kurzem war "das erste Mal im Ausland wählen" dran, was sich doch etwas komplizierter gestaltet, wenn man keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat - und dafür in einem Land lebt, in dem das Postsystem bestenfalls so lala funktioniert.

Als Auslandsdeutsche ohne deutsche Adresse mussten Philip und ich erst einmal einen Antrag auf Eintrag ins Wählerverzeichnis stellen, denn automatisch erhalten wir nun keine Wahlberechtigung mehr. Die Deutsche Botschaft Gaborone schickte die nötigen Informationen zum Wählen im Ausland bereits im April in einer Rundmail an hier lebende und beim Auswärtigen Amt registrierte Deutsche. Man konnte sie sich natürlich auch im Internet runterladen, aber zu diesem frühen Zeitpunkt hätten wir von alleine noch gar nicht unbedingt an die Bundestagswahl gedacht.

Sofern man noch nicht länger als 25 Jahre ununterbrochen im Ausland lebt, kann man sich wieder in das Wählerverzeichnis eintragen lassen. Der Antrag dazu beinhaltete allein ein zweiseitiges Merkblatt mit Erläuterungen und wir mussten alle Erklärungen "an Eides statt" abgeben. Eingereicht werden konnte er natürlich nicht per E-Mail, weswegen wir unsere Anträge dem nächsten von Philips Kollegen mitgaben, der auf Dienstreise nach Deutschland reiste. Und dann hieß es warten. Wir hätten uns die Briefwahlunterlagen direkt nach Gaborone schicken lassen können, allerdings ist ja mehr als fraglich, wann sie hier ankommen. Eine Kollegin von Philip hat es darauf ankommen lassen und ihre immerhin am 15.09. erhalten; wir ließen unsere zu meinen Eltern schicken, wo sie bereits am 17.08. eintrafen. Philips Chef, der Ende August in Deutschland war, brachte sie uns nach Botswana mit, und Philips Mutter konnten wir wiederum die ausgefüllten Briefwahlunterlagen nach Deutschland mitgeben. Es klappte zeitlich auch gerade noch so, dass sie die Unterlagen von Philips Kollegin mitnahm, denn nachdem diese erst neun Tage vor der Wahl hier ankamen, wäre eine Rücksendung mit der botswanischen Post utopisch gewesen. Als einziger Ausweg wäre DHL geblieben, aber das kostet dann halt gleich über 20,- € für so einen Brief ...


Ich hätte ja gedacht, dass die Deutsche Botschaft sich irgendwie engagiert, um Auslandsdeutschen das Wählen zu erleichtern - dass man zum Beispiel seine Wahlunterlagen bis zu einem Stichtag da abgeben kann und sie dann gesammelt nach Deutschland geschickt werden - aber dem ist nicht so, was ich etwas schade finde, denn so erfordert die Briefwahl schon einiges an Planung, die vermutlich nicht alle hier lebenden Wahlberechtigten mitmachen.
Man wird als Auslandsdeutscher übrigens - nach bewilligtem Antrag - in das Wahlregister seines letzten deutschen Wohnsitzes eingetragen. Philip und ich konnten damit wieder im gewohnten Frankfurter Wahlkreis wählen. Da kamen Heimatgefühle auf!

Wir sind also schon durch mit der Bundestagswahl und gespannt auf das Ergebnis. Worauf wir auf jeden Fall hoffen: Eine hohe Beteiligung! Dieser Tage wird ja der Kabarettist Hagen Rether viel zitiert: "Wählen ist wie Zähneputzen: Wenn Du's nicht machst, wird's braun." Oder wie eine Freundin mir sinngemäß schrieb: Zu unserer Demokratie gehört zwar auch, auf das Wahlrecht verzichten zu dürfen. Aber das Ergebnis der AfD wird stärker ausfallen, wenn die Wahlbeteiligung gering ist, denn die AfD schafft es, ihre Anhänger zu mobilisieren.
Deswegen kann ich die Empfehlung meiner Freundin nur wiederholen (und sende an dieser Stelle viele Grüße nach Wiesbaden!): Lieber wählen - es sei denn, Ihr habt die AfD ins Auge gefasst ;-)

Donnerstag, 21. September 2017

Elektroschock

Botswana hat es in den letzten Tagen wieder einmal selbst in deutsche Medien geschafft - leider mit einer traurigen Nachricht.
Elefanten waren auf dem Weg zu einer leckenden Wasserpipeline. Gegen Ende der Trockenzeit (seit Ostern hat es hier nicht mehr geregnet) nimmt man natürlich alles Wasser, was man finden kann. Auf dem Weg zur Wasserpipeline war allerdings ein Strommast im Weg, den die Elefanten dann anscheinend kurzerhand umgelegt haben. Die Stromleitung führte aber noch Strom; Ingenieure der staatlichen Stromfirma bemerkten Spannungsschwankungen auf der Leitung und schickten ein Team zur Kontrolle los. Am Ort des Geschehens angekommen, entdeckten sie neun tote Elefanten, die durch den Stromschlag ums Leben kamen.
Eine traurige Geschichte - und ein trauriger Anblick, als die botswanische Regierung gestern auf ihrer Facebookseite ein Bild von der toten Elefantenherde postete. Wir hoffen, dass sich so ein Unglück nicht wiederholt.

Samstag, 16. September 2017

Gastbeitrag: Schwieger-/Mutter zu Besuch oder Reisen de luxe

Aus der Reihe "Gästeblog statt Gästebuch" hier ein neuer Eintrag:

Zwischen Botsuana, “der Diamant im Süden Afrikas”, und Botsuana, “ein gescheitertes Projekt”, kann man im Vorfeld alles lesen, aber ich bin einfach nur hierher gekommen, um mit eigenen Augen zu sehen, wie Philip und Walli leben, und um mit ihnen das Highlight von Botsuana zu genießen, das sie für mich ausgesucht haben.

Und da fing der Luxus im Vorfeld schon an. Das botsuanische Reisebüro hat drei Lodges vorgeschlagen und Philip und Walli kennen inzwischen „das Delta“ gut genug, um eine Auswahl treffen zu können. Aber soweit bin ich noch gar nicht, sondern sitze im Flughafenbus in Johannesburg, um zu der Maschine nach Gaborone gebracht zu werden. Als ich hochblicke, sitzt mein Sohn neben mir! Von der folgenden Szene habe ich vor allem die amüsieren Gesichter des Publikums im Kopf.  Die von nun an verwöhnte Reisende muss also noch nicht einmal den (allerdings ziemlich käse- und brotbeschwerten) Koffer vom Band heben.

Sie darf als nächstes und für die nächsten 10 Tage staunen über die Großzügigkeit von Haus und Gastfreundschaft. Der Geburtstagsgutschein für High Tea im Victoria Falls Hotel, der im März nicht eingelöst werden konnte, kommt gleich am zweiten Abend zum Einsatz, als wir zum Sonnenuntergang im 28. Stock des höchsten Gebäudes von Gaborone zu Abend essen (ja doch, Gaborone hat zwei richtige Hochhäuser).

Dass ein Ausflug in eine Lodge im Okavango Delta Verwöhnprogramm pur ist, ahnt man, aber wenn dann auch noch das Glück dazu kommt! Die Seba Lodge liegt besonders schön an einer Lagune und zum Mittagsprogramm gehört die Beobachtung von Elefanten, Nilpferden, Büffeln, Impalas, Kudus und einer Affenfamilie, die so über die „Hütte“ tobt, dass man nicht ganz sicher ist, ob sie standhält. Womit man aber nicht rechnen kann, ist, dass man bei den morgendlichen und abendlichen game drives einen Geparden, zwei Leopardinnen (eine davon mit zwei Jungen), zwei Löwinnen ebenfalls mit Jungen, eine riesige Büffelherde und und und … sieht. Ein wunderbar ruhiger und entspannter (naja, von der Bequemlichkeit des Sitzes abgesehen) Abschluss war die Fahrt im Einbaum, dem Mokoro. Nein, man muss auch hier nicht etwa selber staken, aber bedarf das der Erwähnung? Allerdings erwähnenswert sind die Flüge von Maun ins Delta mit ganz winzigen Maschinen mit dem Blick auf die großartige Landschaft.

Alles was Gaborone zu bieten hat, packt Walli dann in ein Zweitagesprogramm. Die Sammlung mag nicht ganz überzeugend klingen: kleinere, größere, ältere, modernere Einkaufsmalls (Gaborone ist die Stadt mit der höchsten Dichten von Malls pro Einwohner in Afrika), zwei Denkmäler (das des Staatsgründers Seretse Khama sehr sympathisch-menschlich, des der drei Chiefs aus Nordkorea stammend und entsprechend), Nationalmuseum (geschlossen), eine Töpferei und eine Weberei, jeweils schon ländlich gelegen, ein Gartencenter mit einem sehr hübschen Café, aber mir vermittelt sich der Eindruck, dass Philip und Walli hier gut leben können und das auch tun.

Nach dem Delta noch eine Safari – muss das nicht zu einer Enttäuschung führen, wenn man noch dazu selber hinfahren (immerhin 4 Stunden), selber durchfahren, selber grillen muss? Nach der Rückkehr kann ich nur sagen: Muss es nicht! Wir waren im Khama Rhino Sanctuary bei Serowe und konnten die geschützten Tiere aus allernächster Nähe beobachten. Die schönste Szene haben wir kurz vor Sonnenuntergang erlebt, als an einem Tümpel ein großes Treffen verschiedener Tiere stattfand. Man trank, rangelte ein wenig, suhlte sich im Schlamm und trottete wieder davon – und kümmerte sich gar nicht um die beobachtenden Menschen.

Tagesausklang: Lagerfeuer und Grillen (köstliches botswanisches Rindfleisch) unter dem Kreuz des Südens und einem Sternenhimmel, wie man ihn nur fernab jeder Stadt sehen kann.

Es gäbe noch so vieles zu berichten: vom stolzen Mutterherz, wenn ich Philips Büro mit Blick über die Stadt gezeigt bekomme (dass das Gebäude etwas baufällig sein soll, sehe ich gar nicht), vom Spaß an Wallis selbstverständlichem Navigieren durch Gaborone und ihren umwerfenden Kenntnissen über die Fauna des Landes … ich kann nur sagen,  dass es eine Freude ist zu sehen, wie die beiden sich in ihrem afrikanischen Leben zurecht gefunden und eingerichtet haben.

Mittwoch, 6. September 2017

Typisch deutsch

Gerade habe ich die Begriffe "deutsch" und "Pünktlichkeit" zusammen gegoogelt, um zu erfahren, warum wir Deutschen eigentlich generell als pünktlich gelten. Eine Antwort habe ich nicht gefunden, dafür aber erfrischende Volksmund-Weisheiten wie "Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit". Und den Hinweis, dass natürlich längst nicht alle Deutschen immer pünktlich wären. Sich aber 85 % irgendwie dafür halten würden, zumindest würden diese von sich behaupten, Termine sehr ernst zu nehmen. Da erkenne ich mich doch spontan wieder.

Für Botswana habe ich keine ähnliche Statistik gefunden. Trotzdem glaube ich, dass sie hier anders aussähe. Vor ein paar Wochen haben zwei andere Volunteers und ich bei Baylor Bewerbungsgespräche mit den Schülern geübt, die Situation sollte möglichst authentisch sein. Auch im südlichen Afrika gehört die Frage nach Stärken und Schwächen zum Standard. Und bei Schwächen sagten mehrere Schüler, sie hätten Probleme mit Timekeeping - Pünktlichkeit als Stärke erwähnte dagegen niemand.
Pünktlichkeit ist allerdings auch nicht die Stärke meiner Schüler. Ich unterrichte dienstags zwei Gruppen, eine direkt ab 9 Uhr und eine nach der Pause. Wobei ich in der Regel um 9:10 Uhr anfange und die Schüler in der Regel bis 9:30 Uhr eintrudeln. Da die meisten jedoch mit den öffentlichen Minibussen zur NGO kommen und diese anscheinend nicht nur im Straßenverkehr unberechenbar sind, bin ich da relativ relaxt.
Anders sieht es nach der Pause aus, spätestens bis zur Pause sind nämlich alle Schüler da. Die zweite Unterrichtseinheit beginnt um 10:45 Uhr und eigentlich könnten sie da ja alle pünktlich sein. Eigentlich. Letzte Woche bat ich um 10:50 Uhr die einzigen beiden Schüler, die es bis dahin in den Klassenraum geschafft  hatten, die anderen zu holen. Mit dem Erfolg, dass sie auch nicht wiederkamen und ich sie nach weiteren 10 Minuten selbst suchen ging. Danach hielt ich eine Art improvisierte Motivations- und Mahnrede, in der ich auf die Freiwilligkeit des Unterrichtsangebots und den Wert für die Schüler hinwies. Ich war gar nicht schlecht! (Fand ich.) Und auf Autorität reagieren auch immer alle wunschgemäß (erwähnte ich, dass es in den staatlichen Schulen dieses Landes noch die Prügelstrafe gibt?). Meine Klasse nickte verständig und versprach hoch und heilig, es käme nie wieder vor.

Leider haben meine Schüler nur ein sehr kurzes Kurzzeitgedächtnis und so stand ich diese Woche um 10:45 Uhr wieder alleine im Klassenraum. Möglicherweise sollte ich statt "deutsch" und "Pünklichkeit" doch lieber "Motivations- und Mahnreden" im Internet googeln. Der erste Schüler, der eintrudelte, warf mir immerhin mitfühlende Blicke zu und bot an, den anderen Bescheid zu geben (was ich ablehnte - besser ein Schüler als keiner im Klassenraum). Na ja, irgendwann waren sie dann doch da. Die meisten hatten immerhin ein schlechtes Gewissen, entschuldigten sich und legten die Hände aneinander wie auf Dürers bekanntem Bild. "Sorry, we are late." "Yeah, and your are even later than last week! How is this possible?" "I am sorry, we don't have any excuse." Tja. Immerhin hatte ich so ein schönes Beispiel, um ihnen später das Verb "to prioritise" zu erklären, das sie nicht kannten. "Es ist 10:45 Uhr. Ihr könnt jetzt in den Klassenraum gehen, etwas zu essen kaufen, etwas trinken oder die Toiletten aufsuchen. Wo liegen Eure Prioritäten?" Und daraufhin meldete sich immerhin die, die als allerletzte gekommen war, sah mich ernst an und sagte, ihre Priorität wäre, sofort das Klassenzimmer aufzusuchen. Ach ja.

Aber genug von meinen Schülern. Heute wurde ein offiziellerer Termin bei mir gecancelt, der mir gestern noch für 11 Uhr initiativ angeboten worden war. Für dieses - nun nicht stattfindende - Treffen, was mehrere Stunden hätte dauern sollen, hatte ich drei andere Verabredungen verschieben müssen. Immerhin war ich so zu Hause, als unser Vermieter anrief. Er wollte vorbeikommen und sich eine halbe Stunde später nochmal melden. Es wurden zwei.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Unsere Maid Patricia war heute da. Ich erzählte ihr, dass ich um halbzwei in die Stadt fahren würde und sie plante, sich ein Stück von mir mitnehmen zu lassen. Um 12:40 Uhr sah ich, wie sie sich die Schuhe schnürte und erwähnte, dass sie ja jetzt doch vor mir das Haus verließe. Darauf sah sie irritiert auf und frage, ob ich wirklich erst um exakt halbzwei das Haus verlassen würde? Pünktlichkeit ist ja ganz schön, aber 50 Minuten zu früh wollte ich dann doch nicht aufbrechen. Sie musste dann eben zu Fuß gehen.

Ich traf heute einen Kollegen von Philip, der mir sagte, er habe in Afrika gelernt, Gelegenheiten zu nutzen, wenn sie sich bieten. Wenn jemand zu Dir kommt und Du eigentlich keine Zeit hast, schaufel sie Dir frei - wer weiß, wann das wieder was wird. Frei nach diesem Motto sollte ich vielleicht auch die Zeit nutzen, wenn meine Schüler da sind. Und die würden noch nicht mal meckern, wenn ich die Stunde überziehen würde. Aber ich mag das nicht, ich mache pünktlich Schluss. Typisch deutsch halt.

Montag, 4. September 2017

Dithubaruba!

Bevor wir nach Botswana gegangen sind, soll es ja Leute in unserem Bekanntenkreis gegeben haben, die davon ausgingen, dass die Menschen hier halbnackt im Kreis tanzen. Wir haben darüber gelächelt, ahnten wir doch, dass es nicht so sein würde. Immerhin hat es nun tatsächlich eineinhalb Jahre gedauert, bis wir halbnackte Leute im Kreis tanzen haben sehen. Und das kam so:

Am vorletzten Wochenende nahmen wir ja an einer Wanderung bei Molepolole teil; die Einnahmen aus den Startgeldern wurden für die Organisation des Dithubaruba-Festivals gespendet, das an diesem Samstag stattfand. Das Dithubaruba-Festival ist ein Kulturfestival für die Bevölkerung, bei dem Chöre und Tanzgruppen auftreten. Es soll die botswanische Kultur unterstützen und wurde nicht für ausländische Touristen ins Leben gerufen; so waren außer uns fast keine anderen Weißen da. Das Festival, das 2007 erstmals stattfand, will die Traditionen verschiedener Ethnien aus dem Distrikt um Molepolole darstellen und auf diesem Weg die "Völkerverständigung" bzw. das gegenseitige Verständnis der Botswaner für einander erhöhen.
Wie es hier nun einmal ist, fiel es uns erst nicht leicht, den Ort des Festivals zu finden. Wir wussten, dass er südöstlich von Molepolole liegen sollte (ca. 40 km nördlich von Gaborone), an einer Stelle, wo einst ein wichtiger Häuptling der Bakwena, eines der größten Stämme in Botswana, eine Siedlung gegründet hatte. "Dithubaruba", der Name des Festivals, ist nach dem Hügel benannt, der sich hinter diesem Ort erhebt.
Nachdem wir vergeblich irgendeine Ausschilderung suchend durch das sehr langgezogene Molepolole gefahren waren, hielten wir an einem SPAR-Supermarkt, in dem wir uns den Weg beschreiben ließen und gleich auch noch die Eintrittskarten kauften. Dank der Beschreibung fanden wir den Ort des Geschehens: Am Eingangstor des Areals wurden unsere Eintrittskarten eingesammelt und wir bekamen ein Bändchen ans Handgelenk - da kam gleich Festival-Feeling auf.
Der eigentliche Festivalplatz bestand aus zwei VIP-Zelten und zwei größeren Tribünen, die zusammen einen ungefähr quadratischen und staubigen Platz einrahmten. Daneben war noch eine traditionelle botswanische Rundhütte und eine Kgotla, ein traditioneller Versammlungsort aufgebaut, im Umkreis außerdem einige Zelte für Verpflegung und Souvenirs.
Als wir ankamen, spielte gerade ein Alleinunterhalter auf dem Platz, einzelne Leute tanzten zur Musik. Wir schauten uns erst einmal in Ruhe um und setzten uns schließlich auf ein Mäuerchen. Es machte Spaß, die Festivalbesucher zu beobachten: Einige gehörten ganz klar zu Gruppen, die noch auftreten würden und hatten eine einheitliche Tracht oder gar traditionelle Kleidung an. Der Großteil der nicht zu den Akteuren gehörenden Besucher hatte sich jedoch ebenfalls schick gemacht, sei es mit einem farbenfrohen Kleid, Kopfschmuck oder traditionelle Kleidung.



Eine ganze Weile passierte nicht allzu viel, was uns Zeit gab, eine Kleinigkeit zu essen (Hähnchen und irgendein spinatähnliches Gemüse - mit den Fingern!) und die Leute zu beobachten. Dann ging es schließlich los: Verschiedene Tanzgruppen und Chöre traten nacheinander auf, performten auf dem Platz und hatten Spaß. Häufig waren es auch sowohl Tanzgruppen als auch Chöre, d.h. wir fragten uns, ob sie mehr tanzten oder mehr sangen.
Und da gab es dann auch die oben erwähnte Gruppe, die "halbnackt" tanzte:





Eine andere Gruppe beeindruckte uns jedoch mindestens ebenso sehr: Tänzer aus einer Provinz in Südafrika, die an Botswana grenzt, sie führten eine Polka vor, weil das der Tanz ihrer Region ist.


Es machte den Gruppen ganz offensichtlich Spaß, ihre Künste zu zeigen, manche traten auch mehrfach auf. Immer wieder ertönte der Name des Festivals als Jubelruf: "Dithubaruba!"
Gelegentlich gab es Pausen, in denen nur Musik gespielt wurde und einzelne Festivalbesucher auf dem Platz tanzten. Und dann wurde auch Walli aufgefordert - so wurde sie zum Star des Tages!


Wir kamen uns allerdings eh schon fast wie Promis vor. Da außer uns nur noch drei andere Weiße vor Ort waren, fielen wir auf und bemerkten mehrmals, dass wir fotografiert oder sogar gefilmt wurden. Zum Teil legten uns Leute ohne Ankündigung ihren Arm um die Schulter, riefen "Selfie, please!" und schon wurde eine Handykamera auf uns gerichtet.

Der Tanz, auf den wohl alle Besucher warteten, kam am späten Nachmittag. Als die ersten Töne erklangen, sprang ein Großteil der Festivalbesucher auf und tanzte mit - alle kannten ihn, denn es war der lokale Tanz von Molepolole.


Gegen 17:30 Uhr machten wir uns ein wenig schweren Herzens auf den Heimweg. Das Festival würde noch bis in die Nacht dauern, doch wir wollten bis Einbruch der Dunkelheit wieder in der Nähe Gaborones sein. Es wird hier derzeit gegen 18:15 Uhr dunkel - und anschließend ist es aus Verkehrssicherheitsgründen nicht wirklich ratsam, über Land zu fahren.
Das Dithubaruba-Festival war für uns das bisher größte kulturelle Highlight in Botswana. Wir waren sehr froh, an diesem Samstag dabeigewesen zu sein!