Dienstag, 3. Oktober 2017

Auf dem Trans-Kalahari-Highway

Im Botswana-Reiseführer des DuMont-Verlages wird ein kleines Loblied auf den Trans-Kalahari-Highway gesungen. Er würde dafür sorgen, dass man "theoretisch [...] in einem Sportwagen von Johannesburg nach Windhoek [...] gelangen" kann. Philip und ich haben in den letzten eineinhalb Wochen verschiedene Teilstücke dieses Highways befahren, allerdings nicht in einem Sportwagen, sondern mit unserem großen Schluckspecht. Außerdem sind wir nicht in Johannesburg gestartet, sondern erst im botswanischen Kanye auf den Highway gefahren (knappe 100 km südwestlich von Gaborone). Von dort sind es noch 1.024 km nach Windhoek, ab Gaborone also insgesamt um die 1.100 km - die wir nun bereits zweimal mit dem Auto zurückgelegt haben, am 23.09. sogar innerhalb eines Tages.


Ich habe Philip erstmals auf eine Dienstreise begleitet. Im Anschluss wollten wir noch ein paar Tage durch Namibia reisen. Es lag nicht nur aus Kostengründen nahe, mit dem Auto zu fahren - wir wollten in Windhoek auch ein Dachzelt für unser Auto kaufen, aber dafür musste dieses eben erstmal nach Windhoek kommen. Wir kennen mehrere Leute, die die Strecke schon selbst gefahren sind, sie haben sie jedoch in der Regel auf zwei Tage verteilt. Wir hatten aber auf dem Hinweg nur einen: Freitag musste Philip regulär arbeiten und Sonntag bei der Konferenz in Windhoek sein - uns blieb also der Samstag, um den Weg zurückzulegen.

Im südlichen Afrika ist es ratsam, auf Überlandfahrten im Dunkeln zu verzichten. Straßen und auch andere Fahrzeuge sind teilweise sehr schlecht beleuchtet, aber die größte Gefahr sind Tiere: Kühe, Ziegen, Esel - besonders letztere stellen sich vor allem nachts gerne auf Teerstraßen, wenn diese noch vom Tag aufgewärmt sind. Man hört immer wieder von Leuten, die Unfälle mit Kühen oder anderen Tieren hatten. Diese gehen auch öfters tödlich aus - für Tier und Mensch.

Wir wollten also zwar möglichst früh aufbrechen, aber nicht vor der Morgendämmerung. Schließlich war es 5:50 Uhr, als wir losfuhren, immerhin lange vor der Rush Hour rund um Gaborone. Und spätestens auf dem Trans-Kalahari-Highway war dann eh kaum noch was los bzw. je weiter wir kamen, desto mehr nahm der ohnehin geringe Verkehr ab. Der Tempomat unseres Autos konnte teilweise über eine Stunde lang unbehelligt auf 120 km/h eingestellt bleiben (das ist die hiesige Maximalgeschwindigkeit). Andere Autos sah man irgendwann höchstens noch im Viertelstundentakt. Trotzdem hieß es aufmerksam bleiben, da sich ab und an Kühe, Ziegen und auch Esel auf die Straße verirrten oder am Rand grasten. Auch Strauße sahen wir immer wieder. Und dann war da noch eine Gruppe Perlhühner, die im Gänsemarsch über den Trans-Kalahari-Highway lief und von denen eins sehr unglücklich mit unserem linken Außenspiegel kollidierte. Leider ist das beiden nicht gut bekommen.

Der DuMont-Reiseführer schreibt, dass man auf dem Highway "die gesamte Bandbreite der landschaftlichen Schönheit Botswanas" erfährt. Das ist ehrlicht gesagt ziemlicher Nonsens. Bei "landschaftlicher Schönheit Botswanas" denke ich an das Okavango Delta oder den Chobe Nationalpark, nicht an braunes Buschland, kurzes, gelbes Gras und vereinzelte Bäume, soweit das Auge reicht. Auch von einer "Bandbreite" zu sprechen, ist ziemlich übertrieben. Wir hatten eigentlich überlegt, während der Fahrt immer wieder Fotos zu machen, das aber dann schnell aufgegeben - sie hätten nämlich alle ähnlich ausgesehen:




Ansonsten kann ich mich aber nicht beschweren, wir kamen nämlich wunderbar durch. Erst fuhr Philip knappe 400 km, dann fuhr ich knappe 400 km und dann waren wir auch schon an der Grenze zu Namibia, mit einer Durschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h - besser hätte es nicht laufen können. An der Grenze dann schon, der Grenzübergang kostete uns trotz geringen Betriebs eine volle Stunde (an dieser Stelle wieder einmal ein Hoch auf das Schengener Abkommen). Aber danach waren es nur noch gute 300 km nach Windhoek, auch hier die meiste Zeit durch kaum besiedeltes Buschland. Nach insgesamt elf Stunden und 15 Minuten kamen wir am Ziel an, doch etwas erledigt, aber sehr zufrieden mit dem Verlauf dieses Tages. Die Rückfahrt neun Tage später gingen wir wesentlich entspannter an - weil wir die Strecke nun bereits kannten und sie außerdem nicht komplett an einem Tag zurücklegen mussten.

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