Um zu erfahren, was in Gaborone so los ist, ist Facebook das Mittel der Wahl. Anfangs hat es mich ja irritiert, dass viele Dienstleister von Restaurants bis Reisebüros auf eine eigene Homepage verzichten und als Ersatz eine Facebook-Seite betreiben. Aber generell werden hier auf Facebook viele Infos ausgetauscht. Philip und ich sind daher Mitglieder in verschiedenen Facebook-Gruppen, z.B. der "Gaborone Expats Group", "What's on in Gabs" und "Find it in Gabs". In letzterer Gruppe wird traditionell mehr gesucht als gefunden, aber dennoch sind die Einträge manchmal ganz erhellend. So las ich vorgestern z.B. folgende Frage: "Hi guys. Anyone know where I can find potatoes during this veggie crisis?"
Spontan wusste ich auch nicht, wo ich hier zuletzt Kartoffeln gesehen haben könnte, aber dass es überhaupt gerade eine "veggie crisis" gibt, fand ich interessant. Man findet in den Supermärkten häufiger mal dies oder das nicht. Öfters Mangelware sind zum Beispiel rote Tomaten. Alles Richtung Cocktailtomaten, Kirschtomaten, aber auch Rispentomaten sind eh reine Glücksfunde - wenn es die mal gibt, sollte man zugreifen und sich dann überlegen, was man damit anstellen will. Normale Salattomaten gibt es dagegen meistens, allerdings eher selten in rot - in der Regel werden sie grün-gelb verkauft. Ich finde diesen Anblick immer recht traurig, obwohl sie ja zu Hause noch etwas nachreifen. Seit ein paar Tagen fahnde ich allerdings selbst nach dieser grün-gelben Variante vergebens, sowohl bei SPAR, wo wir das meiste einkaufen, als auch beim besser sortierten und teureren WOOLWORTH als auch bei der günstigen botswanischen Supermarktkette CHOPPIES. Es gibt einfach keine frischen Tomaten. Und normale Kartoffeln findet man tatsächlich momentan auch nicht, nur der SPAR hatte zumindest Süßkartoffeln (die allerdings auch nicht taufrisch wirken, die Hälfte des gekauften Kilo-Säckchens musste ich aufgrund von Schimmels gleich entsorgen - bei so etwas kriege ICH dann eine Gemüsekrise). Außerdem gibt's seit mindestens eineinhalb Wochen nur grüne Paprika in den Läden.
Dafür hat im Dezember offensichtlich die Mango-Saison begonnen und wir testen uns gerade durch die verschiedenen Angebote (CHOPPIES umgerechnet ca. 60 Cent/Stück, überreif; SPAR 1,- €/Stück, okay; Checkers 75 Cent/Stück, bislang die besten; WOOLWORTH noch nicht probiert, da unverhältnismäßig viel teurer). Es werden überall Maiskolben angeboten. Und Salat, Weißkohl, Möhren und Champignons gehören eh zum Standardprogramm, das es immer gibt. Auch der Butternuss-Kürbis zählt hier zu den fast immer verfügbaren Grundnahrungsmitteln.
Der Begriff "veggie crisis" ist also eventuell ein bisschen hochgegriffen, es gibt durchaus Gemüse, nur eben nicht die volle Auswahl. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Botswana importiert Obst und Gemüse eh zum Großteil aus den Nachbarländern - hier wächst nicht viel, es ist einfach zu trocken. Allerdings steht in den Supermärkten nur selten dabei, woher die Sachen kommen. Möhren scheinen standardmäßig aus Südafrika importiert zu werden, wie eh ein Großteil der Produkte überhaupt. In Sambia gibt es momentan Tomaten im Überfluss, wurde uns erzählt - keine Ahnung, warum diese nicht den Weg nach Botswana finden. Bei WOOLWORTH haben wir auch schon einmal Pfirsiche aus Spanien gesehen. Zu gewissen Teilen bleibt das Angebot hier immer ein Stückchen unberechenbar, auch ohne "veggie crisis". Aber im Vergleich zu anderen Ländern ist das vermutlich doch Jammern auf hohem Niveau - und Tomaten in der Dose gibt's hier immerhin nach wie vor in allen Variationen. Was Kartoffeln angeht, hilft aber momentan wohl wirklich nur der Griff nach den Pommes in den Supermarkt-Tiefkühltruhen ...
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