Freitag, 25. März 2016

Wo wohnt Walli?

... und wo wohnst DU jetzt? Diese Frage wird mir momentan von Freunden und Verwandten oft gestellt. Nur auf der Arbeit fragt keiner, denn da wissen es von der Putzfrau bis zur Chefin alle: Ich wohne im Büro! Aber keine Sorge, ich habe nicht einfach eine Liege neben meinem Schreibtisch aufgestellt. Wir haben zusätzlich zu den beiden Büro-Einheiten, die unsere Partneragentur und wir mit insgesamt sechs Räumen (+ Küche und Bad) nutzen, noch eine Wohnung im selben Haus. Das Wohnzimmer ist der Raum, in dem wir Besprechungen abhalten und uns zum Mittagessen treffen, ein weiterer Raum wird gelegentlich als zusätzliches Büro genutzt, dann gibt es noch eine kleine Küche mit Wasserkocher, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Mikrowelle und zwei Herdplatten, ein Bad - und ein Gästezimmer. Das ist möbliert mit Bett, Nachttisch, Sideboard, Kleiderstange und zwei Sitzwürfeln. Und da wohne ich jetzt.
Ein bisschen fühlt es sich an wie zu Studentenwohnheims-Zeiten: Ich wohne möbliert und teile mir das Bad mit anderen (nämlich den Kollegen / Besprechungsgästen, die die Toilette nutzen), dafür wird das auch von der Putzfrau sauber gehalten. Ein bisschen fühlt es sich auch seltsam an - wer schafft es sonst vom Bett ins Büro in maximal fünf Sekunden? (Ich verzichte trotzdem darauf, mich in Hausschuhen an den Schreibtisch zu setzen.) Und alle Gags sollten inzwischen auch gemacht sein: "Wo ist denn meine Jacke? Ach, die hängt noch zu Hause ..."
Die Kollegen hatten zum Einzug ein "Do not disturb"-Schild für die Türklinke gemalt und auch sonst meinen Einzug kommentiert:

Ich habe drei Wäschewasch-Angebote (und meine Schmutzwäsche trotzdem jetzt an Ostern nach Hause mitgenommen - DANKE, Mama!). Eine Kollegin hat mich zum Abendessen eingeladen, sie schrieb mir eine reizende Nachricht: "Obdachlose ohne festen Wohnsitz nehmen wir schon deshalb gerne auf, weil wir so unser soziales Gewissen aufpolieren". Dieses Angebot konnte ich natürlich nicht ablehnen (auf das Thema "fester Wohnsitz" werde ich in den nächsten Tagen nochmal zurückkommen ...) und wurde von ihren Kindern mit Begrüßungsschildern willkommen geheißen:
Man kümmert sich also um mich - sehr lieb und mit einer ordentlichen Portion Humor. Und ich bin sehr zufrieden mit den im Januar getroffenen Entscheidungen: Dass ich nicht alleine in unserer eingerichteten Wohnung geblieben bin und den Umzug dann alleine über die Bühne bringen musste - und dass ich nicht alleine in der leeren Wohnung geblieben bin, der Gedanke war mir auch immer sehr trostlos erschienen.

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