Gerade habe ich die Begriffe "deutsch" und "Pünktlichkeit" zusammen gegoogelt, um zu erfahren, warum wir Deutschen eigentlich generell als pünktlich gelten. Eine Antwort habe ich nicht gefunden, dafür aber erfrischende Volksmund-Weisheiten wie "Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit". Und den Hinweis, dass natürlich längst nicht alle Deutschen immer pünktlich wären. Sich aber 85 % irgendwie dafür halten würden, zumindest würden diese von sich behaupten, Termine sehr ernst zu nehmen. Da erkenne ich mich doch spontan wieder.
Für Botswana habe ich keine ähnliche Statistik gefunden. Trotzdem glaube ich, dass sie hier anders aussähe. Vor ein paar Wochen haben zwei andere Volunteers und ich bei Baylor Bewerbungsgespräche mit den Schülern geübt, die Situation sollte möglichst authentisch sein. Auch im südlichen Afrika gehört die Frage nach Stärken und Schwächen zum Standard. Und bei Schwächen sagten mehrere Schüler, sie hätten Probleme mit Timekeeping - Pünktlichkeit als Stärke erwähnte dagegen niemand.
Pünktlichkeit ist allerdings auch nicht die Stärke meiner Schüler. Ich unterrichte dienstags zwei Gruppen, eine direkt ab 9 Uhr und eine nach der Pause. Wobei ich in der Regel um 9:10 Uhr anfange und die Schüler in der Regel bis 9:30 Uhr eintrudeln. Da die meisten jedoch mit den öffentlichen Minibussen zur NGO kommen und diese anscheinend nicht nur im Straßenverkehr unberechenbar sind, bin ich da relativ relaxt.
Anders sieht es nach der Pause aus, spätestens bis zur Pause sind nämlich alle Schüler da. Die zweite Unterrichtseinheit beginnt um 10:45 Uhr und eigentlich könnten sie da ja alle pünktlich sein. Eigentlich. Letzte Woche bat ich um 10:50 Uhr die einzigen beiden Schüler, die es bis dahin in den Klassenraum geschafft hatten, die anderen zu holen. Mit dem Erfolg, dass sie auch nicht wiederkamen und ich sie nach weiteren 10 Minuten selbst suchen ging. Danach hielt ich eine Art improvisierte Motivations- und Mahnrede, in der ich auf die Freiwilligkeit des Unterrichtsangebots und den Wert für die Schüler hinwies. Ich war gar nicht schlecht! (Fand ich.) Und auf Autorität reagieren auch immer alle wunschgemäß (erwähnte ich, dass es in den staatlichen Schulen dieses Landes noch die Prügelstrafe gibt?). Meine Klasse nickte verständig und versprach hoch und heilig, es käme nie wieder vor.
Leider haben meine Schüler nur ein sehr kurzes Kurzzeitgedächtnis und so stand ich diese Woche um 10:45 Uhr wieder alleine im Klassenraum. Möglicherweise sollte ich statt "deutsch" und "Pünklichkeit" doch lieber "Motivations- und Mahnreden" im Internet googeln. Der erste Schüler, der eintrudelte, warf mir immerhin mitfühlende Blicke zu und bot an, den anderen Bescheid zu geben (was ich ablehnte - besser ein Schüler als keiner im Klassenraum). Na ja, irgendwann waren sie dann doch da. Die meisten hatten immerhin ein schlechtes Gewissen, entschuldigten sich und legten die Hände aneinander wie auf Dürers bekanntem Bild. "Sorry, we are late." "Yeah, and your are even later than last week! How is this possible?" "I am sorry, we don't have any excuse." Tja. Immerhin hatte ich so ein schönes Beispiel, um ihnen später das Verb "to prioritise" zu erklären, das sie nicht kannten. "Es ist 10:45 Uhr. Ihr könnt jetzt in den Klassenraum gehen, etwas zu essen kaufen, etwas trinken oder die Toiletten aufsuchen. Wo liegen Eure Prioritäten?" Und daraufhin meldete sich immerhin die, die als allerletzte gekommen war, sah mich ernst an und sagte, ihre Priorität wäre, sofort das Klassenzimmer aufzusuchen. Ach ja.
Aber genug von meinen Schülern. Heute wurde ein offiziellerer Termin bei mir gecancelt, der mir gestern noch für 11 Uhr initiativ angeboten worden war. Für dieses - nun nicht stattfindende - Treffen, was mehrere Stunden hätte dauern sollen, hatte ich drei andere Verabredungen verschieben müssen. Immerhin war ich so zu Hause, als unser Vermieter anrief. Er wollte vorbeikommen und sich eine halbe Stunde später nochmal melden. Es wurden zwei.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Unsere Maid Patricia war heute da. Ich erzählte ihr, dass ich um halbzwei in die Stadt fahren würde und sie plante, sich ein Stück von mir mitnehmen zu lassen. Um 12:40 Uhr sah ich, wie sie sich die Schuhe schnürte und erwähnte, dass sie ja jetzt doch vor mir das Haus verließe. Darauf sah sie irritiert auf und frage, ob ich wirklich erst um exakt halbzwei das Haus verlassen würde? Pünktlichkeit ist ja ganz schön, aber 50 Minuten zu früh wollte ich dann doch nicht aufbrechen. Sie musste dann eben zu Fuß gehen.
Ich traf heute einen Kollegen von Philip, der mir sagte, er habe in Afrika gelernt, Gelegenheiten zu nutzen, wenn sie sich bieten. Wenn jemand zu Dir kommt und Du eigentlich keine Zeit hast, schaufel sie Dir frei - wer weiß, wann das wieder was wird. Frei nach diesem Motto sollte ich vielleicht auch die Zeit nutzen, wenn meine Schüler da sind. Und die würden noch nicht mal meckern, wenn ich die Stunde überziehen würde. Aber ich mag das nicht, ich mache pünktlich Schluss. Typisch deutsch halt.
Mittwoch, 6. September 2017
Montag, 4. September 2017
Dithubaruba!
Bevor wir nach Botswana gegangen sind, soll es ja Leute in unserem Bekanntenkreis gegeben haben, die davon ausgingen, dass die Menschen hier halbnackt im Kreis tanzen. Wir haben darüber gelächelt, ahnten wir doch, dass es nicht so sein würde. Immerhin hat es nun tatsächlich eineinhalb Jahre gedauert, bis wir halbnackte Leute im Kreis tanzen haben sehen. Und das kam so:
Am vorletzten Wochenende nahmen wir ja an einer Wanderung bei Molepolole teil; die Einnahmen aus den Startgeldern wurden für die Organisation des Dithubaruba-Festivals gespendet, das an diesem Samstag stattfand. Das Dithubaruba-Festival ist ein Kulturfestival für die Bevölkerung, bei dem Chöre und Tanzgruppen auftreten. Es soll die botswanische Kultur unterstützen und wurde nicht für ausländische Touristen ins Leben gerufen; so waren außer uns fast keine anderen Weißen da. Das Festival, das 2007 erstmals stattfand, will die Traditionen verschiedener Ethnien aus dem Distrikt um Molepolole darstellen und auf diesem Weg die "Völkerverständigung" bzw. das gegenseitige Verständnis der Botswaner für einander erhöhen.
Wie es hier nun einmal ist, fiel es uns erst nicht leicht, den Ort des Festivals zu finden. Wir wussten, dass er südöstlich von Molepolole liegen sollte (ca. 40 km nördlich von Gaborone), an einer Stelle, wo einst ein wichtiger Häuptling der Bakwena, eines der größten Stämme in Botswana, eine Siedlung gegründet hatte. "Dithubaruba", der Name des Festivals, ist nach dem Hügel benannt, der sich hinter diesem Ort erhebt.
Nachdem wir vergeblich irgendeine Ausschilderung suchend durch das sehr langgezogene Molepolole gefahren waren, hielten wir an einem SPAR-Supermarkt, in dem wir uns den Weg beschreiben ließen und gleich auch noch die Eintrittskarten kauften. Dank der Beschreibung fanden wir den Ort des Geschehens: Am Eingangstor des Areals wurden unsere Eintrittskarten eingesammelt und wir bekamen ein Bändchen ans Handgelenk - da kam gleich Festival-Feeling auf.
Der eigentliche Festivalplatz bestand aus zwei VIP-Zelten und zwei größeren Tribünen, die zusammen einen ungefähr quadratischen und staubigen Platz einrahmten. Daneben war noch eine traditionelle botswanische Rundhütte und eine Kgotla, ein traditioneller Versammlungsort aufgebaut, im Umkreis außerdem einige Zelte für Verpflegung und Souvenirs.
Als wir ankamen, spielte gerade ein Alleinunterhalter auf dem Platz, einzelne Leute tanzten zur Musik. Wir schauten uns erst einmal in Ruhe um und setzten uns schließlich auf ein Mäuerchen. Es machte Spaß, die Festivalbesucher zu beobachten: Einige gehörten ganz klar zu Gruppen, die noch auftreten würden und hatten eine einheitliche Tracht oder gar traditionelle Kleidung an. Der Großteil der nicht zu den Akteuren gehörenden Besucher hatte sich jedoch ebenfalls schick gemacht, sei es mit einem farbenfrohen Kleid, Kopfschmuck oder traditionelle Kleidung.
Eine ganze Weile passierte nicht allzu viel, was uns Zeit gab, eine Kleinigkeit zu essen (Hähnchen und irgendein spinatähnliches Gemüse - mit den Fingern!) und die Leute zu beobachten. Dann ging es schließlich los: Verschiedene Tanzgruppen und Chöre traten nacheinander auf, performten auf dem Platz und hatten Spaß. Häufig waren es auch sowohl Tanzgruppen als auch Chöre, d.h. wir fragten uns, ob sie mehr tanzten oder mehr sangen.
Und da gab es dann auch die oben erwähnte Gruppe, die "halbnackt" tanzte:
Eine andere Gruppe beeindruckte uns jedoch mindestens ebenso sehr: Tänzer aus einer Provinz in Südafrika, die an Botswana grenzt, sie führten eine Polka vor, weil das der Tanz ihrer Region ist.
Es machte den Gruppen ganz offensichtlich Spaß, ihre Künste zu zeigen, manche traten auch mehrfach auf. Immer wieder ertönte der Name des Festivals als Jubelruf: "Dithubaruba!"
Gelegentlich gab es Pausen, in denen nur Musik gespielt wurde und einzelne Festivalbesucher auf dem Platz tanzten. Und dann wurde auch Walli aufgefordert - so wurde sie zum Star des Tages!
Wir kamen uns allerdings eh schon fast wie Promis vor. Da außer uns nur noch drei andere Weiße vor Ort waren, fielen wir auf und bemerkten mehrmals, dass wir fotografiert oder sogar gefilmt wurden. Zum Teil legten uns Leute ohne Ankündigung ihren Arm um die Schulter, riefen "Selfie, please!" und schon wurde eine Handykamera auf uns gerichtet.
Der Tanz, auf den wohl alle Besucher warteten, kam am späten Nachmittag. Als die ersten Töne erklangen, sprang ein Großteil der Festivalbesucher auf und tanzte mit - alle kannten ihn, denn es war der lokale Tanz von Molepolole.
Gegen 17:30 Uhr machten wir uns ein wenig schweren Herzens auf den Heimweg. Das Festival würde noch bis in die Nacht dauern, doch wir wollten bis Einbruch der Dunkelheit wieder in der Nähe Gaborones sein. Es wird hier derzeit gegen 18:15 Uhr dunkel - und anschließend ist es aus Verkehrssicherheitsgründen nicht wirklich ratsam, über Land zu fahren.
Das Dithubaruba-Festival war für uns das bisher größte kulturelle Highlight in Botswana. Wir waren sehr froh, an diesem Samstag dabeigewesen zu sein!
Wie es hier nun einmal ist, fiel es uns erst nicht leicht, den Ort des Festivals zu finden. Wir wussten, dass er südöstlich von Molepolole liegen sollte (ca. 40 km nördlich von Gaborone), an einer Stelle, wo einst ein wichtiger Häuptling der Bakwena, eines der größten Stämme in Botswana, eine Siedlung gegründet hatte. "Dithubaruba", der Name des Festivals, ist nach dem Hügel benannt, der sich hinter diesem Ort erhebt.
Nachdem wir vergeblich irgendeine Ausschilderung suchend durch das sehr langgezogene Molepolole gefahren waren, hielten wir an einem SPAR-Supermarkt, in dem wir uns den Weg beschreiben ließen und gleich auch noch die Eintrittskarten kauften. Dank der Beschreibung fanden wir den Ort des Geschehens: Am Eingangstor des Areals wurden unsere Eintrittskarten eingesammelt und wir bekamen ein Bändchen ans Handgelenk - da kam gleich Festival-Feeling auf.
Der eigentliche Festivalplatz bestand aus zwei VIP-Zelten und zwei größeren Tribünen, die zusammen einen ungefähr quadratischen und staubigen Platz einrahmten. Daneben war noch eine traditionelle botswanische Rundhütte und eine Kgotla, ein traditioneller Versammlungsort aufgebaut, im Umkreis außerdem einige Zelte für Verpflegung und Souvenirs.
Als wir ankamen, spielte gerade ein Alleinunterhalter auf dem Platz, einzelne Leute tanzten zur Musik. Wir schauten uns erst einmal in Ruhe um und setzten uns schließlich auf ein Mäuerchen. Es machte Spaß, die Festivalbesucher zu beobachten: Einige gehörten ganz klar zu Gruppen, die noch auftreten würden und hatten eine einheitliche Tracht oder gar traditionelle Kleidung an. Der Großteil der nicht zu den Akteuren gehörenden Besucher hatte sich jedoch ebenfalls schick gemacht, sei es mit einem farbenfrohen Kleid, Kopfschmuck oder traditionelle Kleidung.
Eine ganze Weile passierte nicht allzu viel, was uns Zeit gab, eine Kleinigkeit zu essen (Hähnchen und irgendein spinatähnliches Gemüse - mit den Fingern!) und die Leute zu beobachten. Dann ging es schließlich los: Verschiedene Tanzgruppen und Chöre traten nacheinander auf, performten auf dem Platz und hatten Spaß. Häufig waren es auch sowohl Tanzgruppen als auch Chöre, d.h. wir fragten uns, ob sie mehr tanzten oder mehr sangen.
Und da gab es dann auch die oben erwähnte Gruppe, die "halbnackt" tanzte:
Eine andere Gruppe beeindruckte uns jedoch mindestens ebenso sehr: Tänzer aus einer Provinz in Südafrika, die an Botswana grenzt, sie führten eine Polka vor, weil das der Tanz ihrer Region ist.
Es machte den Gruppen ganz offensichtlich Spaß, ihre Künste zu zeigen, manche traten auch mehrfach auf. Immer wieder ertönte der Name des Festivals als Jubelruf: "Dithubaruba!"
Gelegentlich gab es Pausen, in denen nur Musik gespielt wurde und einzelne Festivalbesucher auf dem Platz tanzten. Und dann wurde auch Walli aufgefordert - so wurde sie zum Star des Tages!
Wir kamen uns allerdings eh schon fast wie Promis vor. Da außer uns nur noch drei andere Weiße vor Ort waren, fielen wir auf und bemerkten mehrmals, dass wir fotografiert oder sogar gefilmt wurden. Zum Teil legten uns Leute ohne Ankündigung ihren Arm um die Schulter, riefen "Selfie, please!" und schon wurde eine Handykamera auf uns gerichtet.
Der Tanz, auf den wohl alle Besucher warteten, kam am späten Nachmittag. Als die ersten Töne erklangen, sprang ein Großteil der Festivalbesucher auf und tanzte mit - alle kannten ihn, denn es war der lokale Tanz von Molepolole.
Gegen 17:30 Uhr machten wir uns ein wenig schweren Herzens auf den Heimweg. Das Festival würde noch bis in die Nacht dauern, doch wir wollten bis Einbruch der Dunkelheit wieder in der Nähe Gaborones sein. Es wird hier derzeit gegen 18:15 Uhr dunkel - und anschließend ist es aus Verkehrssicherheitsgründen nicht wirklich ratsam, über Land zu fahren.
Das Dithubaruba-Festival war für uns das bisher größte kulturelle Highlight in Botswana. Wir waren sehr froh, an diesem Samstag dabeigewesen zu sein!
Donnerstag, 31. August 2017
Mein Büro
In den letzten beiden Wochen hat mich eine Sache dienstlich intensiv beschäftigt - nämlich mein Büro. Das Gebäude, in dem wir untergebracht sind, hat unsere Partnerorganisation SADC für uns angemietet. Vor ein paar Monaten hatten wir bereits erfahren, dass SADC den Mietvertrag gekündigt hat - zu Ende August. Lange hörten wir nichts mehr, in den letzten beiden Wochen gab es dann plötzlich einige Neuigkeiten. Langer Rede kurzer Sinn: Wir ziehen (noch) nicht um, es dauert alles noch etwas.
Das finde ich erst einmal gar nicht sooo schlimm. Mein Büro liegt keine 2 km von unserem Häuschen entfernt, und es ist klar, dass ein künftiges Büro weiter weg liegen wird. Viele Kollegen würden allerdings lieber früher als später aus dem Gebäude ausziehen. In einem Büro tropft Regen (wenn er denn mal fällt) auf einen Schreibtisch, ein anderes Büro hatte nach dem ersten Erdbeben (seitdem gab es noch mindestens zwei weitere) plötzlich teilweise kein Dach mehr.
Mein Büro ist, wie ich finde, das schönste Büro des ganzen Gebäudes: Im obersten (3.) Stock an einer Ecke mit schöner Aussicht über die Stadt gelegen, dazu recht geräumig - ich bin jetzt Chef, ich darf das.
Auch in meinem Büro hat es Erdbebenschäden gegeben, sichtbar an der linken Wand. Es fällt fast nicht auf, finde ich. Ich mag gar nicht daran denken, dass in dem Gebäude, das SADC gerade für uns ausgeguckt hat, Großraumbüros mit 30-40 Arbeitsplätzen geplant sind, der Großteil davon ohne Tageslicht.
Von meinem jetzigen Büro aus sieht man in die eine Richtung bis zum Gaborone Dam, ...
...in der anderen Richtung über das Shoppingcenter Game City hinweg bis zum Central Business District.
Nein, ich spiele nicht aktiv auf Zeit - aber ich bin auch dankbar, wenn sich der Umzug noch etwas hinzieht!
Das finde ich erst einmal gar nicht sooo schlimm. Mein Büro liegt keine 2 km von unserem Häuschen entfernt, und es ist klar, dass ein künftiges Büro weiter weg liegen wird. Viele Kollegen würden allerdings lieber früher als später aus dem Gebäude ausziehen. In einem Büro tropft Regen (wenn er denn mal fällt) auf einen Schreibtisch, ein anderes Büro hatte nach dem ersten Erdbeben (seitdem gab es noch mindestens zwei weitere) plötzlich teilweise kein Dach mehr.
Mein Büro ist, wie ich finde, das schönste Büro des ganzen Gebäudes: Im obersten (3.) Stock an einer Ecke mit schöner Aussicht über die Stadt gelegen, dazu recht geräumig - ich bin jetzt Chef, ich darf das.
Auch in meinem Büro hat es Erdbebenschäden gegeben, sichtbar an der linken Wand. Es fällt fast nicht auf, finde ich. Ich mag gar nicht daran denken, dass in dem Gebäude, das SADC gerade für uns ausgeguckt hat, Großraumbüros mit 30-40 Arbeitsplätzen geplant sind, der Großteil davon ohne Tageslicht.
Von meinem jetzigen Büro aus sieht man in die eine Richtung bis zum Gaborone Dam, ...
...in der anderen Richtung über das Shoppingcenter Game City hinweg bis zum Central Business District.
Nein, ich spiele nicht aktiv auf Zeit - aber ich bin auch dankbar, wenn sich der Umzug noch etwas hinzieht!
Montag, 28. August 2017
Wandertag
"Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen." Da wir hier
in Botswana aber viel weniger zu Fuß unterwegs sind, als das in
Deutschland der Fall wäre, freuen wir uns über jede Gelegenheit, die
sich so bietet. Neulich fragte mich zum Beispiel ein Bekannter, ob ich
Lust hätte, mit ihm über den Golfplatz zu spazieren, während er eine
Runde spielt. Nachdem er mir versicherte, das wären 5 km im Grünen und
Tiere gäbe es sogar auch zu sehen, war ich überzeugt. Allerdings war der
Golfplatz dann wegen eines Turniers geschlossen und am Ende saßen wir
auf seiner Terrasse. Es ist hier nicht so einfach, spazieren zu gehen!
Letzte Woche erreichte uns eine E-Mail, in der der "YCARE HISTORICAL WALKATHON" beworben wurde. Eine Kollegin von Philip hatte sie uns weitergeleitet und auch schon einmal von den YCARE-Wanderungen berichtet. Der Verein organisiert einmal im Jahr eine dreitägige geführte Wanderung durch die Magkadigkadi Pans. Einmal im Monat findet zur Vorbereitung auf dieses Event ein "Pre-Walk" in der weiteren Umgebung von Gaborone statt, so auch diesen Samstag. Die Kollegin wollte teilnehmen und fragte, ob wir auch Lust hätten. Wie gesagt gilt es hier, Gelegenheiten zu nutzen, und so ließen wir uns nicht von der angegebenen Streckenlänge von 24 km abschrecken, sondern sagten einfach zu.
Schon da war mir klar, dass ich diese Zusage zumindest kurz bereuen würde, und dem war dann auch so, am Samstagmorgen um 4:30 Uhr. Da klingelte nämlich der Wecker. Um 5:20 Uhr waren wir mit Philips Kollegin verabredet, um 6 Uhr sollten wir am Ausgangspunkt der Wanderung in Molepolole sein und um 6:30 Uhr würde die Gruppe dort starten. Auch im Winter gilt es hier, die Mittagshitze so gut wie möglich zu vermeiden, aber um 5 Uhr seine Wanderschuhe anzuziehen, macht trotzdem keinen Spaß. Immerhin ist der Straßenverkehr um diese Zeit überschaubar und so kamen wir kurz nach 6 Uhr in Molepolole an. Dort trugen wir uns auf eine Liste ein, bezahlten 30 Pula Anmeldegebühr pro Person (ca. 2,60 €) für einen guten Zweck, machten ein kurzes Aufwärmprogramm und wanderten schließlich um 6:40 Uhr los. Es wurde gerade erst hell.
Bei der Begrüßung war angekündigt worden, dass uns ein Polizeiauto begleiten würde, bis wir den Ort verlassen hätten. Und tatsächlich fuhr ein mit vier Polizisten besetzer Wagen mit einem kleinen Blaulicht vor unserer ungefähr 40 Leute umfassenden Gruppe, im Schritttempo. Mir erschien das etwas übertrieben, denn wir befanden uns bereits am Rande von Molepolole auf breiten Staubstraßen; selbst wenn da mal ein Auto kam, fuhr es nicht schnell und kam locker an uns vorbei. Aber gut.
Molepolole zieht sich, aber schließlich erreichten wir den Ortsausgang, blieben dann jedoch weiterhin auf der Straße - insgesamt siebeneinhalb Kilometer. Dann gab es eine erste Pause, es wurden Wasserflaschen an die Teilnehmer verteilt und Ankündigungen gemacht. Zuerst wurde darauf hingewiesen, die eben ausgeteilten Plastikwasserflaschen bitte nicht in die Gegend zu schmeißen - in einer Intensität, die annehmen ließ, dass das sonst tatsächlich ein Problem war.
Die zweite Ankündigung war, dass wir nun einen "Summit" besteigen würde. Für den Hügel zu unserer Rechten war das ein großes Wort. Es wurde eindrücklich gewarnt, vorsichtig zu klettern und auf lose Steine aufzupassen. Tatsächlich mussten wir über größere und kleine Felsen kraxeln, ein Weg war nicht erkennbar. Es war gut machbar, aber nicht jeder Teilnehmer der Wanderung trug geeignetes Schuhwerk, daher taten sich einige doch etwas schwerer. Den Aufstieg machten wir im Gänsemarsch und so langsam, dass ich ganz gegen meine Gewohnheit überhaupt nicht außer Atem kam.
Oben erzählte uns einer der Guides dann etwas über die Geschichte der Gegend und zeigte uns später noch die Überbleibsel von alten Mauern. Für Ausländer wie uns war es nicht einfach, ihm zu folgen, da er mehr Wissen zu Orts- und Stammesnamen voraussetzte, als wir besaßen. Aber der Großteil unserer Gruppe bestand aus Batwswana und an diese richten sich die Wanderungen auch, wie später erläutert wurde: Ihnen soll mehr Wissen über ihr Land und seine Geschichte vermittelt werden, damit sie historische Stätten schützen und ihre Bedeutung an nachfolgende Generationen weitergeben können. Die Wanderung sollte außerdem dazu dienen, dass sie sich ihr Land wandernd zueigen machten - ein schöner Gedanke.
Am Fuße des Hügels besuchten wir noch den Gedenkstein der German Hermannsburg Mission. Die Lutherische Kirche siedelte diese im Jahr 1857 dort an, sie war die zweite christliche Institution im ganzen Land.
Danach machten wir uns auf den Rückweg, wobei ein Teil unserer Gruppe
der Meinung war, dass sie sich jetzt erst einmal genug von ihrem Land
zueigen gemacht hätten. Sie stiegen ins Polizeiauto, das am Fuße des
Hügels gewartet hatte - die Polizisten hatten uns tatsächlich den ganzen
Weg begleitet und waren sogar mit uns auf den Hügel geklettert. Nun
ließen sie so viele Leute wie möglich auf der Ladefläche Platz nehmen
und fuhren dann wieder im Schritttempo vor uns her. Wir bissen die Zähne
zusammen und wanderten, waren dann aber doch ganz froh, dass die
Strecke statt der angekündigten 24 km nur knappe 18 km betrug. Am Ende
versammelten sich alle noch einmal, dehnten ihre Muskeln und es wurden
noch einmal kürzere Reden gehalten. Schließlich bekam der Bürgermeister,
der uns begleitet und ebenfalls über die geschichtlichen Ereignisse
referiert hatte, unser "Startgeld" als Spende für ein am nächsten
Wochenende stattfindendes kulturelles Festival überreicht. Er machte
noch einen fröhlichen Witz, dass er es als Taschengeld nehmen würde,
nachdem er keine Quittung unterschrieben hätte. Nach einem letzten
Gruppenfoto machten wir uns müde, aber zufrieden auf den Heimweg nach
Gaborone. Auch wir hatten uns wieder ein neues Stückchen Botswana
laufend zueigen gemacht.
Weiß übrigens jemand, von wem das Eingangszitat ist? "Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen." An die oder den erste/n, der mir die richtige Lösung schreibt, schicke ich eine Postkarte aus Botswana. (Erst wollte ich versprechen, dass derjenige eine Postkarte aus Botswana erhält, aber das liegt nicht in meiner Hand ... wobei bislang alle Postkarten angekommen sind. Irgendwann.) Raten gilt, googeln nicht :-) Noch ein Tipp: Der Autor hätte am Tag der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags (28.08.) Geburtstag gehabt ...
Letzte Woche erreichte uns eine E-Mail, in der der "YCARE HISTORICAL WALKATHON" beworben wurde. Eine Kollegin von Philip hatte sie uns weitergeleitet und auch schon einmal von den YCARE-Wanderungen berichtet. Der Verein organisiert einmal im Jahr eine dreitägige geführte Wanderung durch die Magkadigkadi Pans. Einmal im Monat findet zur Vorbereitung auf dieses Event ein "Pre-Walk" in der weiteren Umgebung von Gaborone statt, so auch diesen Samstag. Die Kollegin wollte teilnehmen und fragte, ob wir auch Lust hätten. Wie gesagt gilt es hier, Gelegenheiten zu nutzen, und so ließen wir uns nicht von der angegebenen Streckenlänge von 24 km abschrecken, sondern sagten einfach zu.
Schon da war mir klar, dass ich diese Zusage zumindest kurz bereuen würde, und dem war dann auch so, am Samstagmorgen um 4:30 Uhr. Da klingelte nämlich der Wecker. Um 5:20 Uhr waren wir mit Philips Kollegin verabredet, um 6 Uhr sollten wir am Ausgangspunkt der Wanderung in Molepolole sein und um 6:30 Uhr würde die Gruppe dort starten. Auch im Winter gilt es hier, die Mittagshitze so gut wie möglich zu vermeiden, aber um 5 Uhr seine Wanderschuhe anzuziehen, macht trotzdem keinen Spaß. Immerhin ist der Straßenverkehr um diese Zeit überschaubar und so kamen wir kurz nach 6 Uhr in Molepolole an. Dort trugen wir uns auf eine Liste ein, bezahlten 30 Pula Anmeldegebühr pro Person (ca. 2,60 €) für einen guten Zweck, machten ein kurzes Aufwärmprogramm und wanderten schließlich um 6:40 Uhr los. Es wurde gerade erst hell.
Bei der Begrüßung war angekündigt worden, dass uns ein Polizeiauto begleiten würde, bis wir den Ort verlassen hätten. Und tatsächlich fuhr ein mit vier Polizisten besetzer Wagen mit einem kleinen Blaulicht vor unserer ungefähr 40 Leute umfassenden Gruppe, im Schritttempo. Mir erschien das etwas übertrieben, denn wir befanden uns bereits am Rande von Molepolole auf breiten Staubstraßen; selbst wenn da mal ein Auto kam, fuhr es nicht schnell und kam locker an uns vorbei. Aber gut.
Molepolole zieht sich, aber schließlich erreichten wir den Ortsausgang, blieben dann jedoch weiterhin auf der Straße - insgesamt siebeneinhalb Kilometer. Dann gab es eine erste Pause, es wurden Wasserflaschen an die Teilnehmer verteilt und Ankündigungen gemacht. Zuerst wurde darauf hingewiesen, die eben ausgeteilten Plastikwasserflaschen bitte nicht in die Gegend zu schmeißen - in einer Intensität, die annehmen ließ, dass das sonst tatsächlich ein Problem war.
Die zweite Ankündigung war, dass wir nun einen "Summit" besteigen würde. Für den Hügel zu unserer Rechten war das ein großes Wort. Es wurde eindrücklich gewarnt, vorsichtig zu klettern und auf lose Steine aufzupassen. Tatsächlich mussten wir über größere und kleine Felsen kraxeln, ein Weg war nicht erkennbar. Es war gut machbar, aber nicht jeder Teilnehmer der Wanderung trug geeignetes Schuhwerk, daher taten sich einige doch etwas schwerer. Den Aufstieg machten wir im Gänsemarsch und so langsam, dass ich ganz gegen meine Gewohnheit überhaupt nicht außer Atem kam.
Oben erzählte uns einer der Guides dann etwas über die Geschichte der Gegend und zeigte uns später noch die Überbleibsel von alten Mauern. Für Ausländer wie uns war es nicht einfach, ihm zu folgen, da er mehr Wissen zu Orts- und Stammesnamen voraussetzte, als wir besaßen. Aber der Großteil unserer Gruppe bestand aus Batwswana und an diese richten sich die Wanderungen auch, wie später erläutert wurde: Ihnen soll mehr Wissen über ihr Land und seine Geschichte vermittelt werden, damit sie historische Stätten schützen und ihre Bedeutung an nachfolgende Generationen weitergeben können. Die Wanderung sollte außerdem dazu dienen, dass sie sich ihr Land wandernd zueigen machten - ein schöner Gedanke.
Am Fuße des Hügels besuchten wir noch den Gedenkstein der German Hermannsburg Mission. Die Lutherische Kirche siedelte diese im Jahr 1857 dort an, sie war die zweite christliche Institution im ganzen Land.
Weiß übrigens jemand, von wem das Eingangszitat ist? "Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen." An die oder den erste/n, der mir die richtige Lösung schreibt, schicke ich eine Postkarte aus Botswana. (Erst wollte ich versprechen, dass derjenige eine Postkarte aus Botswana erhält, aber das liegt nicht in meiner Hand ... wobei bislang alle Postkarten angekommen sind. Irgendwann.) Raten gilt, googeln nicht :-) Noch ein Tipp: Der Autor hätte am Tag der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags (28.08.) Geburtstag gehabt ...
Samstag, 26. August 2017
Fast wie am Meer
Wir hatten ja bereits berichtet, dass während der letzten Regenzeit der Gaborone Dam (also der Stausee, der den Großteil der Wasserversorgung in Gaborone sicherstellt) das erste Mal seit 16 Jahren vollgelaufen ist.
Danach war der schön auf einer Insel gelegene Gaborone Yacht Club erst einmal nicht mehr zugänglich. Blöd, wenn man segeln will und sich am Ufer befindet, die Segelboote aber auf der Insel liegen. In den letzten Jahren hatte eine Straße auf einer Art Damm die Fahrt mit dem Auto zur Insel möglich gemacht (wobei die Insel auch schon lange keine Insel mehr war, da das Wasser nur auf der einen Seite noch an den Damm rankam und auch das mit einem ordentlichen Abstand). Doch nun war die Straße auf dem Damm überschwemmt. Ungefähr zweieinhalb Monate nach dem Volllaufen des Stausees hat der Yacht Club deswegen einen Fährverkehr eingerichtet. Bereits im Juni planten wir, die Fähre zusammen mit unserem Besuch zu nutzen, denn das würde ja auch für uns ein völlig neues Erlebnis sein: Bootsfahrt in Gaborone!
Leider klappte es damals nicht, da wir zwar wussten, dass die Fähre nur an Wochenenden fuhr, die eingeschränkten Zeiten jedoch nicht kannten. Am vergangenen Sonntag haben wir die Bootsfahrt dann aber nachgeholt. Das erste Stück konnten wir noch auf der Straße fahren, mussten dann parken und noch ein paar Schritte zu Fuß gehen. Kurz bevor die Straße im See versank (schon ein ganzes Stück weiter hinten als im Juni, das Wasserlevel ist seitdem sichtbar gesunken), wartete die Fähre auf uns.
Man könnte den Verdacht äußern, dass die Fähre doch etwas "Marke Eigenbau" ist, aber sie erfüllte ihren Zweck. Und so wurden wir dann zum Yacht Club gefahren.
Dort gibt es eine Bar, wo wir Getränke bestellten und eine frische Brise und die Aussicht aufs Wasser genossen. Letzteres stand (erwartungsgemäß) viel höher als bei unserem letzten Besuch, was auch ganz natürlich wirkte - und doch wussten wir ja, was sich alles unter dem Wasser befand, weil wir die Steine, die Bootsanlegestelle etc. schon in ausgetrocknetem Zustand gesehen hatten. Nun jedoch fühlte es sich aufgrund der Wassermengen fast ein wenig an, als ob wir am Meer wären. Am Meer Gaborones. Es war wieder ein schöner Sonntagsausflug!
Danach war der schön auf einer Insel gelegene Gaborone Yacht Club erst einmal nicht mehr zugänglich. Blöd, wenn man segeln will und sich am Ufer befindet, die Segelboote aber auf der Insel liegen. In den letzten Jahren hatte eine Straße auf einer Art Damm die Fahrt mit dem Auto zur Insel möglich gemacht (wobei die Insel auch schon lange keine Insel mehr war, da das Wasser nur auf der einen Seite noch an den Damm rankam und auch das mit einem ordentlichen Abstand). Doch nun war die Straße auf dem Damm überschwemmt. Ungefähr zweieinhalb Monate nach dem Volllaufen des Stausees hat der Yacht Club deswegen einen Fährverkehr eingerichtet. Bereits im Juni planten wir, die Fähre zusammen mit unserem Besuch zu nutzen, denn das würde ja auch für uns ein völlig neues Erlebnis sein: Bootsfahrt in Gaborone!
Leider klappte es damals nicht, da wir zwar wussten, dass die Fähre nur an Wochenenden fuhr, die eingeschränkten Zeiten jedoch nicht kannten. Am vergangenen Sonntag haben wir die Bootsfahrt dann aber nachgeholt. Das erste Stück konnten wir noch auf der Straße fahren, mussten dann parken und noch ein paar Schritte zu Fuß gehen. Kurz bevor die Straße im See versank (schon ein ganzes Stück weiter hinten als im Juni, das Wasserlevel ist seitdem sichtbar gesunken), wartete die Fähre auf uns.
Man könnte den Verdacht äußern, dass die Fähre doch etwas "Marke Eigenbau" ist, aber sie erfüllte ihren Zweck. Und so wurden wir dann zum Yacht Club gefahren.
Mittwoch, 23. August 2017
Verbuscht oder nicht verbuscht, das ist hier die Frage ...
Neulich traf ich eine Freundin zum Mittagessen. Wie ihr Mann arbeitet auch sie bei der GIZ, beide haben schon mehrere Auslandseinsätze hinter sich. Ich weiß nicht mehr, wie sie darauf kam, aber plötzlich fiel der Begriff "verbuscht". Ich kannte ihn nicht, sie ging allerdings offensichtlich davon aus und teilte mir mit, wer ihrer Meinung nach ganz schön verbuscht sei, wer nur ein wenig (ihre Familie) und wer ja noch kaum (Philip und ich zum Beispiel). Während ich ihren Erläuterungen folgte, versuchte ich mir einen Reim darauf zu machen. Hatte Verbuschung vielleicht etwas mit Naturverbundenheit zu tun? Uns als kaum verbuscht zu bezeichnen, erschien mir da unfair (unser Treffen fand kurz vor unserem sehr naturverbundenen Campingausflug in den Kgalagadi Transforntier Park statt). Bevor ich aber richtig nachfragen konnte, war sie schon beim nächsten Thema.
Abends befragte ich Philip, der den Begriff der "Verbuschung" natürlich kannte. Ein paar Tage später erkundigte ich mich auch noch probeweise bei dem MAP, der mich mal zum Golfspielen hatte animieren wollen. Auch ihm war das Ganze geläufig. Ich hatte da offensichtlich etwas verpasst!
Der Duden sieht den Begriff auch eher naturverbunden und definiert ihn als "mehr und mehr von Sträuchern überwuchert werden". Wikipedia ist da schon aufschlussreicher und hat eine soziologische Definition von "Verbuschung" parat:
Philip versuchte mir das Ganze mit Beispielen näherzubringen und erzählte z.B. von Kollegen, die in Eschborn auffielen, weil sie nicht aus einem Glas, sondern gleich aus der Wasserflasche tranken. Ich blieb relativ unbeeindruckt, hatte ich doch an meinem Frankfurter Arbeitsplatz ebenfalls meist eine Wasserflasche auf dem Schreibtisch stehen, aus der ich direkt trank. (Wem je ein Glas Wasser auf dem vollen Scheibtisch umgekippt ist, wird die Vorteile erkennen.) Es stellte sich dann raus, dass Philip eher aus der Flache trinken auf Konferenzen meinte. Wie dem auch sei: So ganz habe ich mir den Begriff der Verbuschung noch nicht zueigen gemacht, achte jetzt aber vermehrt auf Zeichen. Vor ein paar Wochen musterten zum Beispiel innerhalb weniger Tage zwei Freundinnen mein ziemlich verstaubtes Auto und stellten dann beide die gleiche Frage: "Habt Ihr keinen Gärtner?" Beim ersten Mal erkannte ich den Zusammenhang noch nicht: Viele Expats lassen von ihrem Gärtner ihre Autos waschen. Wenn also die Verbindung zwischen einem schmutzigen Auto und einem angestellten Gärtner nicht gleich klar ist, lässt das hoffen, dass die Verbuschung noch nicht wirklich eingesetzt hat ...
Philip hat sogar einen Witz zu dem Thema beizutragen: Wie erkennt man einen Entwicklungshelfer im Ruhestand? Steht mit dem Auto vor dem Tor, hupt, und niemand macht auf.
Abends befragte ich Philip, der den Begriff der "Verbuschung" natürlich kannte. Ein paar Tage später erkundigte ich mich auch noch probeweise bei dem MAP, der mich mal zum Golfspielen hatte animieren wollen. Auch ihm war das Ganze geläufig. Ich hatte da offensichtlich etwas verpasst!
Der Duden sieht den Begriff auch eher naturverbunden und definiert ihn als "mehr und mehr von Sträuchern überwuchert werden". Wikipedia ist da schon aufschlussreicher und hat eine soziologische Definition von "Verbuschung" parat:
Verbuschung im übertragenen Sinne ist Jargon und bezeichnet eine bestimmte Art der kulturellen Assimilation von entsandtem Personal im Ausland, besonders in Entwicklungsländern. Der Begriff ist dabei abwertend belegt und beschreibt die Tendenz von Personal, das lange Zeit in Entwicklungsländern bzw. lange Zeit am gleichen Ort entsandt ist, sich unbewusst von den Verhaltensnormen im eigenen Land zu entfernen.
Philip versuchte mir das Ganze mit Beispielen näherzubringen und erzählte z.B. von Kollegen, die in Eschborn auffielen, weil sie nicht aus einem Glas, sondern gleich aus der Wasserflasche tranken. Ich blieb relativ unbeeindruckt, hatte ich doch an meinem Frankfurter Arbeitsplatz ebenfalls meist eine Wasserflasche auf dem Schreibtisch stehen, aus der ich direkt trank. (Wem je ein Glas Wasser auf dem vollen Scheibtisch umgekippt ist, wird die Vorteile erkennen.) Es stellte sich dann raus, dass Philip eher aus der Flache trinken auf Konferenzen meinte. Wie dem auch sei: So ganz habe ich mir den Begriff der Verbuschung noch nicht zueigen gemacht, achte jetzt aber vermehrt auf Zeichen. Vor ein paar Wochen musterten zum Beispiel innerhalb weniger Tage zwei Freundinnen mein ziemlich verstaubtes Auto und stellten dann beide die gleiche Frage: "Habt Ihr keinen Gärtner?" Beim ersten Mal erkannte ich den Zusammenhang noch nicht: Viele Expats lassen von ihrem Gärtner ihre Autos waschen. Wenn also die Verbindung zwischen einem schmutzigen Auto und einem angestellten Gärtner nicht gleich klar ist, lässt das hoffen, dass die Verbuschung noch nicht wirklich eingesetzt hat ...
Philip hat sogar einen Witz zu dem Thema beizutragen: Wie erkennt man einen Entwicklungshelfer im Ruhestand? Steht mit dem Auto vor dem Tor, hupt, und niemand macht auf.
Montag, 21. August 2017
Die Rettungsflugwacht
Es gibt so Themen, mit denen will man sich eigentlich gar nicht beschäftigen. Dazu gehört z.B., was passiert, wenn man krank wird und schnell ärztliche Hilfe benötigt. In Deutschland wählt man dann die 112. In Botswana ... nun ja. In Gaborone ließe sich sicherlich irgendwie ein Krankenwagen auftreiben. Aber was passiert eigentlich, wenn man mal wieder irgendwo in der Pampa ist? Womöglich in einer Gegend ohne Mobilfunknetz? (Ich tippe einfach mal, dass der weitaus größte Teil Botswanas keine Netzabdeckung hat, weil zu dünn bis gar nicht besiedelt). Erfahrene "Traveller" sind in solchen Fällen mit Satellitentelefon unterwegs (die man wohl hier sogar für solche Ausflüge leihen kann, wie ich gehört habe); außerdem sollte man in abgelegenen Gebieten eigentlich immer gleich in einem Konvoi mit mindestens zwei Fahrzeugen unterwegs sein.
Als wir kürzlich im Kalagadi Transfrontier Park waren, sind wir also bewusst mit drei Autos gefahren (obwohl für vier Reisende sonst natürlich zwei Autos gereicht hätten). Wir stellten auf unserer Reise fest, dass wir wohl mindestens 150 km Luftlinie vom nächsten Ort mit mehr als 500 Einwohnern entfernt waren. Es sind ganz andere Dimensionen und ganz andere Überlegungen, in denen man hier denken bzw. die man hier anstellen muss ...
Ein Mobilfunknetz hilft einem natürlich auch nur, wenn es dann irgendjemanden am anderen Ende der Leitung gibt, der Hilfe organisieren kann. Am Rande des Okavango Deltas wurde vor ein paar Jahren von einer Deutschen und einem Schweizer eine Rettungsflugwacht, die "Okavango Air Rescue" gegründet, die mit einem Hubschrauber erkrankte Personen aus einem größeren Umkreis ausfliegen können. Erst im Juni haben sie deutsche Touristen gerettet, die mit einem Leihfahrzeug zeltend im Delta über eine Woche unentdeckt steckengeblieben waren und deren Verschwinden zum Glück dann doch noch von ihrem Reiseveranstalter bemerkt wurde, als sie ihren Rückflug in Johannesburg nicht antraten. Sie hatten sich richtig verhalten, d.h. sind in Fahrzeugnähe geblieben und hatten glücklicherweise genügend Wasser und Lebensmittel dabei. Das hätte sonst ganz anders ausgehen können.
Weil sich eine solche Rettungsflugwacht nicht nur durch ihre regulären Einsätze finanzieren kann, hat sie ein "Patronage"-System: Für einen Betrag von ca. 15,- € pro Jahr kann man sich registrieren und hat im Fall des Falles dann Anspruch auf Evakuierung. Das hilft auch den für die Okavango Air Rescue lokal tätigen Batswana. Um die Rettungsflugwacht zu erreichen, wählt man hier übrigens die 995 - wenn man gerade ein Mobilfunknetz hat und sich in Reichweite ihres Helikopters befindet. Bei unserem letzten Wochenendausflug wäre beides schwierig gewesen.
Im März dieses Jahres hat die ZDF-Sendung "Hallo Deutschland!" über die Okavango Air Rescue berichtet (Video ab Minute 20:23), kurz davor auch der NDR in einem Artikel.
Wir haben uns also registriert - und hoffen doch, dass wir sie nie in Anspruch nehmen müssen; auf weiteres sicheres Reisen in Botswana!
Als wir kürzlich im Kalagadi Transfrontier Park waren, sind wir also bewusst mit drei Autos gefahren (obwohl für vier Reisende sonst natürlich zwei Autos gereicht hätten). Wir stellten auf unserer Reise fest, dass wir wohl mindestens 150 km Luftlinie vom nächsten Ort mit mehr als 500 Einwohnern entfernt waren. Es sind ganz andere Dimensionen und ganz andere Überlegungen, in denen man hier denken bzw. die man hier anstellen muss ...
Ein Mobilfunknetz hilft einem natürlich auch nur, wenn es dann irgendjemanden am anderen Ende der Leitung gibt, der Hilfe organisieren kann. Am Rande des Okavango Deltas wurde vor ein paar Jahren von einer Deutschen und einem Schweizer eine Rettungsflugwacht, die "Okavango Air Rescue" gegründet, die mit einem Hubschrauber erkrankte Personen aus einem größeren Umkreis ausfliegen können. Erst im Juni haben sie deutsche Touristen gerettet, die mit einem Leihfahrzeug zeltend im Delta über eine Woche unentdeckt steckengeblieben waren und deren Verschwinden zum Glück dann doch noch von ihrem Reiseveranstalter bemerkt wurde, als sie ihren Rückflug in Johannesburg nicht antraten. Sie hatten sich richtig verhalten, d.h. sind in Fahrzeugnähe geblieben und hatten glücklicherweise genügend Wasser und Lebensmittel dabei. Das hätte sonst ganz anders ausgehen können.
Weil sich eine solche Rettungsflugwacht nicht nur durch ihre regulären Einsätze finanzieren kann, hat sie ein "Patronage"-System: Für einen Betrag von ca. 15,- € pro Jahr kann man sich registrieren und hat im Fall des Falles dann Anspruch auf Evakuierung. Das hilft auch den für die Okavango Air Rescue lokal tätigen Batswana. Um die Rettungsflugwacht zu erreichen, wählt man hier übrigens die 995 - wenn man gerade ein Mobilfunknetz hat und sich in Reichweite ihres Helikopters befindet. Bei unserem letzten Wochenendausflug wäre beides schwierig gewesen.
Im März dieses Jahres hat die ZDF-Sendung "Hallo Deutschland!" über die Okavango Air Rescue berichtet (Video ab Minute 20:23), kurz davor auch der NDR in einem Artikel.
Wir haben uns also registriert - und hoffen doch, dass wir sie nie in Anspruch nehmen müssen; auf weiteres sicheres Reisen in Botswana!
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