Donnerstag, 20. April 2017

Im Südwesten Joburgs

Bei einem Kurzurlaub in Johannesburg darf ein Besuch in Soweto nicht fehlen, dem South-Western-Township, das so eng mit der Apartheitsgeschichte verbunden ist. Wir entschieden uns für eine vierstündige Tour, die dann doch etwas kürzer als geplant ausfiel; denn was uns vor unserem Osterwochenende in Joburg nicht klar war: Es gibt hier offenbar zwei Tage im Jahr, an dem alle Museen geschlossen haben: der erste Weihnachtstag - und Karfreitag; so ließen sich die normalerweise angesteuerten Museen nicht besichtigen.
Soweto hat angeblich 4,5 Mio Einwohner - das ist gerade mal doppelt so viel wie ganz Botswana; doch etwas andere Dimensionen. Und Soweto als ehemaliges Township von Johannesburg ist durchaus nicht nur eine Wellblechhütte an der anderen - es gibt dort genauso Villenviertel wie Viertel mit Häusern ohne Wasseranschluss; ein Ort der Gegensätze. Unser Führer meinte, dass Soweto viel sicherer sei als Johannesburg, weil jeder jeden kenne (bei 4,5 Mio Einwohnern?) - und wenn einer Mist baue, dann werde er eben gelyncht; wir waren uns nicht so ganz sicher, ob Selbstjustiz wirklich so praktisch ist, auch wenn es die Kriminalitätsrate drücken mag.
Wir wurden mit einem Minibus durch Soweto gefahren, konnten an ein paar Stellen aussteigen und uns umsehen. Das Kohlekraftwerk wurde vor wenigen Jahren stillgelegt, um die Luftqualität zu verbessern; die Kühltürme wurden von einem Sponsor bunt angemalt - und heute kann man dort Bungeespringen. Wir haben das nicht ausprobiert.


Dafür sind wir an Mandelas Haus vorbeigefahren (bis vor kurzem ein Museum, heute leer), an Denkmälern zur Apartheitsgeschichte;


an einer Kirche, die während der Apartheid eine wichtige Rolle als Versammlungsort spielte (und bis zu 3500 Menschen Platz bieten soll), etc.


Es war eine bunte Mischung, die wir an diesem Vormittag gesehen haben, eine beeindruckende Mischung, die Lust auf mehr machte. Vielleicht trauen wir uns dann beim nächsten Mal auf eine geführte Stadtrundfahrt per Fahrrad durch Soweto, das dürfte noch einmal ganz andere Perspektiven geben (auch wenn die Hügel, die es durchaus gibt, uns ins Schwitzen bringen werden).

Am nächsten Tag besuchten wir dann das Apartheitsmuseum, das quasi zwischen Johannesburg und Soweto liegt. Ein imposantes Gebäude, das auch museumspädagogisch modern und interessant aufgemacht ist.


Die Eintrittskarte, die man an der Kasse erhält, sortiert einen erst einmal nach "weiß" und "schwarz" und dementsprechend muss man dann auch durch den entsprechenden Eingang ins Museum gehen.


Wir erhielten einen kurzen Abriss über die Historie Johannesburgs (Goldgräberstadt!), die eigentliche Ausstellung ging dann mit einer Geschichte Sowetos los, dessen erste Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.
Ich fand die Ausstellung gut gemacht, auch mit vielen Bildern - sie führte mir allerdings auch vor Augen, was ich alles nicht wusste über die Apartheid. Denn ich hatte das Gefühl, dass viele Themen nur angerissen wurden oder Vorwissen vorausgesetzt wurde, manchmal meinte ich Zeitsprünge zu entdecken - und so tat ich mich doch mit der Einordnung in einen Gesamtkontext gelegentlich etwas schwer. Mit jetzt etwas mehr Vorwissen würde es sich sicher lohnen, das Museum noch ein zweites Mal zu besuchen, denn bei unserem Besuch haben wir uns längst nicht alle Exponate und Filme detailliert angesehen, verbrachten aber dennoch eindrückliche zweieinhalb Stunden in der Ausstellung -  irgendwann ist man eben auch einfach nicht mehr so aufnahmefähig.

Dienstag, 18. April 2017

Joburg, Braamfontein: mal hip, mal scary

Die Ostertage haben Philip und ich in Johannesburg verbracht. Dort gibt es einiges, was man in Gaborone (bzw. generell in Botswana) nicht findet: Eine Skyline, Großstadtflair, (geöffnete) Museen ... Johannesburg hat allerdings selbst ohne das riesige Township Soweto immer noch mehr Einwohner als ganz Botswana. Und es ist nicht nur größer, sondern auch gefährlicher. Ich habe eben mal nach "gefährlichste Städte der Welt" gegoogelt und festgestellt, dass Johannesburg in den verschiedenen Statistiken im Gegensatz zu Kapstadt nicht mehr unter den Top Ten aufgeführt wird. Es kann sich allerdings gefährlicher anfühlen als die "Mother City" Cape Town ... Doch auch Johannesburg hat mehrere Seiten. Das wurde uns vor Augen geführt, als wir am Karfreitag an einer "Free Walking Tour" durch das hippe Studentenviertel Braamfontein teilnahmen.


Es war bewölkt und wir waren insgesamt nur vier Teilnehmer. Wegen des langen Wochenendes und auch wegen eines kurz vorher runtergegangenen Regenschauers waren die Straßen nicht besonders belebt, die Geschäfte hatten zwar geöffnet, aber es war kaum etwas los. Was mir vor allem auffiel und was ich aus Kapstadt so nicht kannte: Es waren so gut wie keine Weißen unterwegs. Wir fielen auf und wurden immer wieder angebettelt. Als ich unsere Guide Setwo vorsichtig darauf ansprach, erzählte sie mir, dass in den Innenstadtvierteln generell nicht viele Weiße unterwegs wären, aber in Braamfontein immer noch mehr als im Stadtzentrum. Da würden gar keine Weißen rumlaufen, es sei einfach zu gefährlich, und bei den "Free Walking Tours" dort müssten alle Teilnehmer Hand- und Kamerataschen sowie Rucksäcke im Büro des Touranbieters lassen, alles andere wäre fahrlässig. Hmmm. Ich habe in Kapstadt  - wo man tagsüber auch prima alleine durch das Stadtzentrum streifen kann - schon an mehreren "Free Walking Tours" des gleichen Anbieters teilgenommen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.


Setwo führte uns durch die Straßen und ab und an auch in einen Club oder eine Bar, die besonders angesagt waren. Irgendwann bat sie uns dann stehenzubleiben und machte uns auf zwei Typen aufmerksam, die uns folgen würden. Tatsächlich hatte ich den einen davon auch schon an einer Ampel wahrgenommen - einer inzwischen ziemlich weit entfernten Ampel. Unsere Guide hatte dagegen beobachtet, dass die beiden schon einige Zeit hinter uns her liefen - sie waren uns wohl auch in ein Café gefolgt, das sie ebenfalls wieder verließen, nachdem wir wieder draußen waren.

Setwo war pragmatisch. Sie nahm an, dass die beiden darauf warteten, dass wir zu einer nicht einsehbaren Stelle kommen würden. Also änderte sie kurzerhand ihre übliche Route ab, wir kehrten um und blieben auf den Hauptstraßen Braamfonteins. Als die Typen an uns vorbeiliefen, musterten sie uns zwar nochmal, zogen dann aber ihrer Wege. Alles ging schnell und war gut gelöst. Aber wäre Setwo nicht so wachsam gewesen, wären wir wohl überfallen worden. Kein schönes Gefühl.

Dennoch kamen Philip und ich am nächsten Tag tatsächlich noch einmal nach Braamfontein. Wir hatten uns Tickets für die Citysightseeingbusse gekauft und stiegen im Studentenviertel aus, weil da jeden Samstag ein "Neighbourgoods Market" stattfindet, der uns nicht zuletzt von Setwo und unserer Vermieterin empfohlen worden war. An dem Tag war ein super Wetter, Sonnenschein, und die Straßen waren bevölkert - aber nicht so sehr wie der Markt. Dort war eine tolle Atmosphäre, es gab richtig coole Stände und Livemusik auf einer Dachterrasse. Die Leute drängten sich, niemand bettelte, die Stimmung war super - auch so konnte Braamfontein sein. Es war ein Riesenunterschied zum Vortag. Man sollte in Johannesburg nicht zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Aber ruhig zur richtigen Zeit am richtigen Ort!



Donnerstag, 13. April 2017

Gaborone von oben: Skylounge

Wir waren nun schon mehrfach auf dem Kgale Hill, dem Hausberg Gaborones (zuletzt haben wir hier davon berichtet). Von dort hat man einen netten Blick auf die Stadt und den Stausee. Allerdings liegt der Kgale Hill recht am Rand der Stadt (quasi bei uns vor der Haustür), und da Gaborone eine weitläufige Stadt ist, bekommt man eben nur einen teilweisen Überblick.
Mit unseren letzten Besuchern haben wir uns daher noch eine andere Stelle gesucht, um Gaborone von oben zu sehen: Im 19. Stock eines Hochhauses gibt es die "Skylounge", eine Bar, von der aus man einen einen guten Blick auf die Stadt hat. Ich war beruflich schon zwei Mal dort; beim ersten Mal, während meines ersten Aufenthalts in Gaborone im Januar 2016, war dies noch eine richtige "rooftop bar", d.h. ohne Dach und ganz unmittelbar den Elementen ausgesetzt. Das war fast schon ein Flair wie in manchen "Rooftop Restaurants", die ich in Asien erleben durfte.
Mittlerweile wurde jedoch ein Dach über die Skylounge gebaut und für mich hat die Bar damit einen Großteil ihrer Atmosphäre verloren. Dennoch hat man von dort einen schönen Ausblick auf den Central Business District (CBD) und weitere Teile der Stadt. Und da wir um den Sonnenuntergang herum dort waren, gönnten wir uns gleich noch einen "sundowner". Prost.




Montag, 10. April 2017

Run Philip, run!

Als ich meiner Chefin vor anderthalb Jahren erzählte, dass wir nach Gaborone ziehen würden, fragte sie mich, was ich denn da beruflich machen könnte. Meine eher vage Antwort kommentierte sie mit dem schönen Begriff „Spielerfrau“, was mich noch heute zum Schmunzeln bringt. So auch an diesem Sonntagmorgen, denn dieses inzwischen lange zurückliegende Gespräch fiel mir ein, als ich gegen 5:20 Uhr eine Trikotnummer mit Sicherheitsnadeln an Philips GIZ-T-Shirt feststeckte. Das fühlte sich nämlich wirklich mal nach Spielerfrau an.

Was war los? Philip hatte sich wie so viele seiner Kollegen zum „Lady Khama Charity Run“ angemeldet, weswegen er um 6 Uhr am Gaboroner Stadion sein sollte. Da wir weder Parkmöglichkeiten noch Menschenmassen einschätzen konnten, war der Plan, dass ich ihn hinfuhr, eventuell irgendwo fernab parken und ihn dann wieder abholen würde. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass es ab und an auch Vorteile hatte, als ich noch nicht Auto gefahren bin … also, Vorteile für mich. Das mag egoistisch klingen, aber solche Gedanken können einem schon mal kommen, wenn am Sonntagmorgen um 4:55 Uhr der Wecker klingelt.)

Es stellte sich dann aber raus, dass Parken kein Problem war. In Gaborone gibt es einige ungeteerte Freiflächen, auch mitten in der Innenstadt. Eine davon ist direkt neben dem Stadion und war mindestens für den Lauf wohl auch zum offiziellen Parkplatz deklariert worden. Wir stellten das Auto ab und waren pünktlich vor Ort. Es standen schon einige Pavillons in der Stadionmitte, auch einer von der GIZ, wo wir dann Philips Kollegen trafen.



Auf einer Bühne begann ein Fitnesstrainer mit einem öffentlichen Aufwärmprogramm. Es wurde langsam hell und das Stadion füllte sich zusehends. Dann starteten die 21 km-Läufer, ein paar Minuten später die 10 km-Läufer und zuletzt die, die sich für die 5 km angemeldet hatten.


An der Spitze positionierten sich jeweils die durchtrainierten Profis. Hinter ihnen kamen sowohl Kollegengruppen mit gleichfarbigen T-Shirts als auch Leute, die sich privat angemeldet hatten, sogar die ein oder andere Familie mit Kindern. Ein Paar lief die 5 km-Strecke mit Kinderwagen, vereinzelt sah man auch mal muslimische Frauen mit Kopftuch joggen. Zwei ältere Damen mit Wanderrucksäcken hatten sich für die 21 km angemeldet und stiefelten ziemlich gemütlich los, als der Startschuss fiel – sie sahen nicht so aus, als hätten sie vor, noch eine schnellere Gangart einzulegen. Es war eine bunte Mischung, für den Großteil der Läufer schien der Spaß im Vordergrund zu stehen und die Stimmung war so gut, dass ich mir sogar vorstellen könnte, beim nächsten Mal selbst mitzulaufen (die 5 km – ich muss ja nicht gleich übertreiben …).
Die ankommenden Läufer wurden mit Medaillen und gelben Beuteln mit Getränken und Snacks begrüßt. Der Warm-Upper begann ein Warm Down-Programm zu moderieren, Philip kam schließlich durchs Ziel gesprintet und wurde von mir natürlich spielerfrauen-mäßig bejubelt und empfangen.


Auch seine Kollegen fanden sich nach und nach ein. Inzwischen schien die Sonne ins Stadion, es wurde langsam richtig warm und die Leute machten sich nach und nach auf den Heimweg. So auch wir. Und gegen 9 Uhr saßen wir auf unserer Terrasse beim Frühstück, als wäre nichts gewesen …

Samstag, 8. April 2017

Kunst!

Kulturveranstaltungen stehen in Gaborone nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Es gibt kein Theater, kein Opernhaus oder ähnliches, was man in einer Hauptstadt vermuten würde - gelegentliche Aufführungen finden in Schulaulen oder im Kongresszentrum statt. Auch was Museen angeht, hat Gabs nicht viel zu bieten. Das Nationalmuseum ist seit fast einem Jahr wegen Renovierung geschlossen und die anwesenden Mitarbeiter, die trotzdem täglich an der Rezeption sitzen, können keinerlei Auskunft geben, wann es wieder öffnen wird. Ansonsten ist mir nur noch ein Philateliemuseum bekannt, und auch das nur von außen. Denn obwohl es an dem Gebäude dransteht, kann ich nicht so recht glauben, dass sich hinter den Mauern wirklich eine Briefmarkenausstellung verbirgt – in einem Land, in dem auf ein funktionierendes Postsystem nicht wirklich Wert gelegt wird … aber eines Tages werde ich herausfinden, ob es dort wirklich etwas anzuschauen gibt. Hier geht man halt auch nicht unbedingt nach Interesse, sondern nimmt mit, was angeboten wird.

Über den GIZ-Verteiler erreichte uns dann vor zwei Wochen eine Einladung zu einer Vernissage, die uns spontan interessierte. In der zum Nationalmuseum gehörenden (und eigentlich ebenfalls geschlossenen) Nationalgalerie wurde eine dreiwöchige Ausstellung eines botswanischen Künstlers namens Botho David angekündigt: "BOKA - Batswana Of Known Appearances". Die Vernissage war ein öffentliches Event, das an einem Dienstagabend stattfand. Also machten wir uns mit unseren Gästen auf den Weg. Das „Opening Event Programme“ fand open air vor dem Museum statt. Es wurden noch Plastikstühle gerückt und verteilt, als wir kamen und man begrüßte uns sogar persönlich, was eventuell daran lag, dass Philip direkt von der Arbeit gekommen war und mit Anzug doch relativ offiziell aussah. Die Veranstaltung begann mit einem Eröffnungsgebet, für das ein Pastor eingeladen worden war. Anschließend gab es verschiedene Reden, in mittelmäßigem bis sehr gutem Englisch. So war zum Beispiel der Managing Director der Botswana Development Corporation Limited  (BDC) zu Gast. Das BDC fördert im Auftrag der Regierung unter anderem Start-Ups und der Direktor rief in seiner Rede zu mehr Engagement und Eigeninitiative von Künstlern auf – sie hätten zum Beispiel gerade erst ein neues Geschäftshaus errichtet und er hätte es großartig gefunden, wenn Künstler auf ihn oder seine Mitarbeiter zugekommen wären und ihnen angeboten hätten, ihre Kunst dort an die Wände zu hängen. Das war offensichtlich nicht geschehen und hätte mich auch eher gewundert, denn diese Denke passt für mich nicht zum eher gemächlichen Gang, den die Dinge in Botswana zu gehen. Aber der Managing Director des BDC forderte auf, auch mal anders und quer zu denken, und das fand ich gut und inspirierend. So etwas hatte ich hier noch nicht gehört.
Anschließend trug die Schwester des Künstlers, eine Dichterin, zwei kurze Texte vor, die in Richtung Poetry Slam gingen – auch so etwas war uns hier noch nicht begegnet. Botho David selbst meldete sich nur sehr kurz zu Wort, aber insgesamt dauerten die Reden ungefähr eine Stunde. Dann wurden wir in den Ausstellungsraum gebeten und begutachteten die zwanzig bis dreißig Portraits. Der Künstler hatte verschiedenste prominente Batswana portraitiert: Sportler, Fernsehmoderatoren, Schönheitsköniginnen … uns waren sie sämtlich unbekannt, aber die Bilder haben uns gefallen.



Dennoch wurden wir nach kurzer Zeit schon wieder herauskomplimentiert, da inzwischen ein kostenloses Buffet aufgebaut worden war. Wir aßen, tranken und unterhielten uns mit anderen Gästen und ich hatte das Gefühl, unter lauter kulturinteressierten, weltoffenen Menschen gelandet zu sein – ebenfalls eine in Gaborone so noch nicht gemachte Erfahrung. Was für eine schöne Überraschung!

Mittwoch, 5. April 2017

Stampede

Stell Dir vor, Du kommst gerade am Flughafen an, parkst Dein Auto, gehst zum Flughafengebäude - und als Du in das Gebäude hineingehst, kommen Dir plötzlich ganz viele Leute entgegengerannt, weit über hundert. Sie scheinen teilweise um ihr Leben zu rennen.
Wie reagierst Du?

So ist es mir am Montagabend dieser Woche in Gaborone gegangen. Ich wollte Walli abholen, die aus Kapstadt zurückkam. Und da kamen mir all die Leute entgegen, das hatte schon Züge einer Stampede. (Der Duden definiert Stampede übrigens als "Substantiv, feminin - wilde Flucht einer in Panik geratenen [Rinder]herde". Das passt doch in einer Rinderzüchternation wie Botswana.) Ich überlegte kurz, dann folgte ich den Leuten, eher in einem gemächlichen Schritt, zugegeben.
Außerhalb des Gebäudes und des Vordaches sammelten sich die Menschen, einzelne kippten auch um. Ich fing an, einzelne Leute zu fragen, was denn los sei. Die erste Antwort, die ich bekam, lautete sinngemäß: "Ich bin auch erst vor fünf Minuten gekommen, da sind alle Leute losgerannt, also bin ich mal hinterher." Die zweite Antwort ging in eine ähnliche Richtung. Die dritte Person, die ich fragte, sagte mir dann, dass das ganze Gebäude gewackelt habe, und deshalb alle rausgerannt seien. Das Gebäude gewackelt? Die Flugzeuge, die hier landen, sind eigentlich nicht groß genug, um ein Gebäude zum wackeln zu bringen, sollten sie unbeabsichtigt mal mit dem Gebäude kollidieren. Und Botswana galt bisher nicht als eine Erdbebenregion.
Die Situation normalisierte sich nach ein paar Minuten, nach und nach gingen die Geflüchteten wieder ins Gebäude, so auch ich. Während ich auf Walli wartete, telefonierte ich mit meinen Eltern - die mich schließlich doch wieder aus dem Gebäude schickten; ich solle doch lieber wieder nach draußen gehen. Na gut.

Etwas später an dem Abend erfuhren wir dann, dass es sich tatsächlich um ein Erdbeben gehandelt hatte. Und ich hatte nichts mitbekommen - vermutlich trat es auf, als ich gerade noch mit dem Auto zum Flughafen fuhr; Walli war ohnehin noch in der Luft und verpasste es so auch.
6,5 auf der Richterskala, mit dem Epizentrum 229 km nordwestlich von Gaborone. Dafür, dass Botswana nicht als Erdbebenregion bekannt ist, war das doch recht heftig. 1952 hat es wohl mal ein Erdbeben mit 6,7 auf der Richterskala gegeben, ansonsten bebte die Erde hier in den letzten Jahrzehnten nie. Es gab glücklicherweise wohl nur wenige Leichtverletzte und wenig Schäden an Gebäuden; da kann man wohl in diesem Fall von Glück sprechen, dass dieses Land so dünn besiedelt ist.
Natürlich war das Erdbeben am Dienstag das Gesprächsthema Nummer eins, sowohl bei mir auf der Arbeit - als auch bei Facebook. Recht nett fanden wir dieses Bild, das die Situation hier zu treffen scheint:

Montag, 3. April 2017

Gastbeitrag: Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs

Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum zweiten Drittel geht es hier):

Drittes Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs
Wir sind sehr dankbar für die Fantasie, die Walli und Philip entwickeln, um jeden Tag noch einen besonderen Programmpunkt hervorzuzaubern. Sie schöpfen ja gewissermaßen aus dem Leeren. Das schließt noch den kleinen Ecological Park (Leergutsammelstelle plus Restaurant plus Kinderspielplatz: ein Stern), ein gepflegtes Gartencenter (ohne Stern, aber mit Gartenrestaurant!) und mit dem Glück der Tüchtigen auch die erste Vernissage ein, von der sie in Gabs überhaupt hören, mit kleinen Einblicken in die hiesige Kunstszene. Museen sind selten, aber geschlossen, die sehenswerten Malls arbeiten wir exemplarisch ab, aber die Main Mall ist ein Must: 500 m bummeln unter freiem Himmel zwischen Nationalversammlung und Nationalmuseum vorbei an Ständen mit Geflochtenem, Gewebtem, Geschnitztem vor mehrstöckigen Häuserzeilen. Typisch auch der nationale Botanische Garten: unbesucht und liebenswert bescheiden. Die drei Chiefs in sozialistisch uninspirierter Umgebung zwischen Busch und Business brüsten sich ein bisschen sehr, aber nicht grundlos: Politisch weitsichtige und mutige Könige, für die nationale Identität von höchster Bedeutung. Zwei Höhepunkte buchstäblich: Der Kgale Hill, 300 m felsiger Aufstieg, bei schönem, also bedecktem Wetter, zuletzt auf allen Vieren zum sehr lohnenden Rundblick; Sundowner in der Sky Lounge, 19. Stock, Business District, absoluter Geheimtipp.

Und drumherum: das Mokolodi Nature-Reserve, keine halbe Stunde entfernt. Der Tierbestand scheint absichtlich soweit ausgedünnt, dass man im Norden über diesen Appetizer nicht das Staunen verlernt. Positiv denken: Schöne Landschaft, beste Pizza in Town.

Die stattliche Missionskirche von 1907 in Molepolole hat mit den Museen gemeinsam, dass sie geschlossen ist. Der Glockenturm gleicht dem Flughafen: Maßstabsgetreu verkleinert. Er ist mit seinem Glöckchen in 4 m Höhe leicht zu übersehen. Dafür ist die Ein-Sterne-Töpferei in Thamaga findbar und offen. Und auch die Weberei in Oodi ist gerade in ihrer ländlichen Schlichtheit beeindruckend.

Ende einer harmonischen Mehrgenerationen-WG, Philip zu einer Tagung, Walli, A & F zu einem Kapstadt-Trip.

„Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind.“ Wie weit Goethes dichterische Intention trägt, das warten wir ab, die Besucher und erst recht unsere lieben Gastgeber, die Residents.