Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana,
sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt.
Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier das
zweite Drittel (zur Einleitung und dem ersten Drittel geht es hier, zum dritten Drittel geht es hier):
Zweites Drittel: Heia, Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Um es gleich objektiv und mit der Autorität von WDR 5 klarzustellen: „Es gibt keine bessere Safari-Destination als das Okavango Delta.“
Massentierhaltung im Chobe Nationalpark. Zur Freude der Touristen zehnfach überbucht von Elefanten-Immigranten, denen es hier nicht an die Stoßzähne geht. Im Privatboot auf dem Chobe-Fluss, mit einer Rilke-Variation, dem Metrum zuliebe im Singular: „Und dann und wann ein grauer Elefant“. Panther gab’s keine und das Zitat zu Krokodil ist des Reimes wegen nur in Ägypten brauchbar. Fauna reichlich. Und Weite, Wasser, Wild, zum Alliterieren schön. Die meistgebrauchten Wörter auf Safaris: rechts, links, Impala.
Kurze Reise ins Nachbarland Simbabwe. Victoriafälle, am Ende der Regenzeit schleierhaft grandios. Schleierhaft? Wolkenloser Himmel, und von den Fällen her bis auf die Haut eingesprüht. Philips Unterwasserkamera schießt Tröpfchenfotos. Lunch im berühmten Hotel mit Blick auf „die“ Brücke, das Symbol für den Kap-Kairo-Traum der Engländer. Jeder Raum, alle Flure, der Park: von kolonialem Flair.
Afrikanische Sonnenuntergänge? Die Bar am Chobe ist zum Sundowner erste Wahl. Jeden Abend anders-gleich. Und immer zum Sitzenbleiben und Schwer-Losreißen.
In der Chitabe Lodge zwei Flughopser weiter südwestlich fällt man für drei Tage aus der Welt, bei strengem Zeitregime: 5 Uhr wecken, Frühstück, Game Drive, Brunch, Mittagsruhe, Teatime, Game Drive, Sundowner, Dinner. Quer durch den Busch und fröhlich amphibisch durch den See, immer den Predators hinterher (unser englischer Wortschatz wächst), alle Antilopenvariationen und was sonst alles sich von Grün ernährt als Beifang. Wenn wir steckenbleiben: Kollege kommt gleich. Und auf einmal liegt er neben Dir, der Löwe, in neunfacher Ausfertigung. Unser Guide ist im Spurenlesen lebensgefährlich gut. Dass ein Löwe aus dem hohen Gras aufspringt, nachdem der Guide gerade erst ausgestiegen war, um dessen Fährte zu lesen, geht ihm doch zu nahe.
Face-to-face im offenen Landrover. Die schöne deutsche Metapher von den Berührungsängsten (unbedingt im Plural) gewinnt neue Bedeutung. Wenn die Hyäne den Weg versperrt und wenn man bei der Umfahrung mit gebrochener Lenkstange im Busch festsitzt und wenn rechts die Löwen grollen und wenn es dämmert und dunkelt: dann ist man nicht unglücklich, wenn die Mechaniker in zwei Wagen ankommen und man behutsam umsteigen kann.
Vögel nach Bestimmungsbuch, Nummern 1 bis 173, die Nummern 31, 68, 105 … (Ihr wollt das so genau gar nicht wissen). Bei Nummer 108 stimme ich verhalten das Deutschlandlied an (schwarz, rot, gold).
Zur Lodge nur so viel: Wenn die Zahl der Gäste (außer uns noch zwei oder drei) zu der des Personals (80, allerdings rollierend), in so günstigem Verhältnis steht, ist man gut bedient. Zu unseren Wohnbereichen gelangen wir auf Stegen (im Dunkeln bitte nur in Begleitung!). Sie „Zelte“ zu nennen (es gibt acht davon), ist das perfekteste Understatement ever. Dass auf all unseren Hotelzimmern bisher Yogamatten und Hanteln und Erwachsenenmalbücher gefehlt haben, ist mir seither schmerzlich bewusst. Schwere Entscheidungen dann doch immer wieder: Rotwein oder Weißwein, Außendusche oder Innendusche, Terrasse/Sessel/Sternenhimmel oder Kingsize-Bett (hatten wir „losreißen“ schon?). Zum Geld nur so viel: Alles hat seinen Preis, und auch die Richterskala ist nach oben offen.
Zurück in die Welt. Am Airstrip. Die Giraffen sind von der Landebahn verscheucht. In der Abfertigungshalle (dreimal drei Meter, wandlos, aber überdacht) halten wir den Daumen raus für die kleinste Cessna, die gerade Platz für uns vier hat. Philip ersetzt den Co-Piloten gern, und Walli auf dem Notsitz sucht einen Ersatz-Beruhigungsarm. Ankunft in Gaborone (vergleiche erstes Drittel): verwirrend viele Menschen, alles stählern, gläsern, groß.
Samstag, 1. April 2017
Donnerstag, 30. März 2017
Gastbeitrag: Ausgerechnet Botswana!, Erstes Drittel: Warm Up
Wir hatten Besuch! Friedemann und Angelika waren 2,5 Wochen in Botswana, sind mit uns gereist und haben unseren Alltag in Gaborone erlebt. Gästeblog statt Gästebuch ist nun angesagt! Hier die Einleitung und das erste Drittel:
Ausgerechnet Botswana! Nicht zu viert besuchen wir Walli und Philip, den Sohn unserer engsten Freunde, wie seit Monaten mit größter Vorfreude geplant. Philips Vater ist plötzlich erkrankt, und so landen an diesem Montagmittag nur A und F in Gaborone, ein Paar nicht mehr in den besten, sondern in den allerbesten Jahren. Dass in dieser Hauptstadt einiges anders werden dürfte, als es den erfahrenen Travellern bekannt ist, wird ihnen schon klar, als sie aus der Maschine aus Johannesburg steigen, über das Rollfeld schlendern und noch ein Foto schießen: ich und der Flieger. Ansonsten alles wie auf einem richtigen Flughafen: Arrival, Gepäckband, Zoll, ein Parkplatz, der sogar seit Kurzem gebührenpflichtig ist, alles maßstabsgetreu verkleinert und verwirrend übersichtlich.
Dann im Auto: Vier Spuren, Mittelstreifen, breite, rotsandige Seitenstreifen, Buschland mit locker stehenden Bäumen, dazwischen hier und da kleine Steinhäuser, einzelne höhere Geschäftsgebäude, eine gated community. Anfängerfrage: Ist das hier schon die Stadt? Das automatische Rolltor zum Grundstück öffnet sich, Botswana bleibt hinter elektrozaun-bekränzter Mauer, wie sie der Arbeitgeber vorschreibt, zurück.
Bei den beiden in Gabs, wie wir Kenner sagen, dann gemeinsam auf einer Reise in den Norden, schließlich noch ein paar Tage bei ihnen zu Hause. Das Eishockeyspiel drängt sich bei diesen Temperaturen zur metaphorischen Strukturierung geradezu auf, drei Drittel also.
Erstes Drittel: Warm Up Von fünf Grad in Köln auf 31 Grad in Gaborone in 21 Stunden. Durchs Haus geführt werden und Thomas Mann zitieren ist für die Germanisten eins: „ein paar artige Zimmerchen“. Durch den Flur in den Wohnraum, der zählt nach Länge, Breite, Höhe (!) dreifach, in einen zweiten langen Flur mit Türen rechts und links (merken: Toilette erste rechts!), der in je einen Stutzflügel rechts und links mit weiteren Zimmern mündet; zurück in die doppelte Küche, mit ihren 17 Oberschränken ein Memory (wo habe ich zuletzt die Obstschälchen gesehen?), die Wirtschafts- und Personalräume bleiben außen vor. Zimmer zählen ist uncool, also nur so viel: rundherum 11 Außentüren und 25 Fenster; Palme, Pool, Kunstrasen.
Vorsichtiges Herantasten an das Draußen. Vergiss alles, was Du mit Stadtbild verbindest: Gaborone zu lieben ist nicht einfach, wenn man hier nicht geboren ist. Aber man sollte auch nicht in der Mittagshitze auf staubigen Seitenstreifen zur nahegelegenen Mall laufen, die aussieht wie in Köln, Seoul oder Boston, und bei SPAR oder Woolworth einkaufen. Aber wo sonst? Ich vermute, KFC ist um die Ecke. Heimweg, Halsgymnastik: Die Autos fahren auf der verkehrten Seite. Das so relativ wenige Menschen so lange Staus produzieren können! Rückzug auf die Basis.
Hier geht's zum zweiten Drittel: Heia Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Und hier geht's zum dritten Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs
Ausgerechnet Botswana! Nicht zu viert besuchen wir Walli und Philip, den Sohn unserer engsten Freunde, wie seit Monaten mit größter Vorfreude geplant. Philips Vater ist plötzlich erkrankt, und so landen an diesem Montagmittag nur A und F in Gaborone, ein Paar nicht mehr in den besten, sondern in den allerbesten Jahren. Dass in dieser Hauptstadt einiges anders werden dürfte, als es den erfahrenen Travellern bekannt ist, wird ihnen schon klar, als sie aus der Maschine aus Johannesburg steigen, über das Rollfeld schlendern und noch ein Foto schießen: ich und der Flieger. Ansonsten alles wie auf einem richtigen Flughafen: Arrival, Gepäckband, Zoll, ein Parkplatz, der sogar seit Kurzem gebührenpflichtig ist, alles maßstabsgetreu verkleinert und verwirrend übersichtlich.
Dann im Auto: Vier Spuren, Mittelstreifen, breite, rotsandige Seitenstreifen, Buschland mit locker stehenden Bäumen, dazwischen hier und da kleine Steinhäuser, einzelne höhere Geschäftsgebäude, eine gated community. Anfängerfrage: Ist das hier schon die Stadt? Das automatische Rolltor zum Grundstück öffnet sich, Botswana bleibt hinter elektrozaun-bekränzter Mauer, wie sie der Arbeitgeber vorschreibt, zurück.
Bei den beiden in Gabs, wie wir Kenner sagen, dann gemeinsam auf einer Reise in den Norden, schließlich noch ein paar Tage bei ihnen zu Hause. Das Eishockeyspiel drängt sich bei diesen Temperaturen zur metaphorischen Strukturierung geradezu auf, drei Drittel also.
Erstes Drittel: Warm Up Von fünf Grad in Köln auf 31 Grad in Gaborone in 21 Stunden. Durchs Haus geführt werden und Thomas Mann zitieren ist für die Germanisten eins: „ein paar artige Zimmerchen“. Durch den Flur in den Wohnraum, der zählt nach Länge, Breite, Höhe (!) dreifach, in einen zweiten langen Flur mit Türen rechts und links (merken: Toilette erste rechts!), der in je einen Stutzflügel rechts und links mit weiteren Zimmern mündet; zurück in die doppelte Küche, mit ihren 17 Oberschränken ein Memory (wo habe ich zuletzt die Obstschälchen gesehen?), die Wirtschafts- und Personalräume bleiben außen vor. Zimmer zählen ist uncool, also nur so viel: rundherum 11 Außentüren und 25 Fenster; Palme, Pool, Kunstrasen.
Vorsichtiges Herantasten an das Draußen. Vergiss alles, was Du mit Stadtbild verbindest: Gaborone zu lieben ist nicht einfach, wenn man hier nicht geboren ist. Aber man sollte auch nicht in der Mittagshitze auf staubigen Seitenstreifen zur nahegelegenen Mall laufen, die aussieht wie in Köln, Seoul oder Boston, und bei SPAR oder Woolworth einkaufen. Aber wo sonst? Ich vermute, KFC ist um die Ecke. Heimweg, Halsgymnastik: Die Autos fahren auf der verkehrten Seite. Das so relativ wenige Menschen so lange Staus produzieren können! Rückzug auf die Basis.
Hier geht's zum zweiten Drittel: Heia Safari! Oder: Elefanten, Löwen und Co.
Und hier geht's zum dritten Drittel: Home sweet home – oder: All you can see in Gabs
Dienstag, 28. März 2017
Kinostart: "A United Kingdom" jetzt auch in Deutschland
Vor fast einem halben Jahr habe ich über die Ankündigung eines Films berichtet, der die Liebesgeschichte zwischen Botswanas späterem ersten Präsidenten Sir Seretse Khama und seiner englischen, weißen Frau Ruth Williams erzählt: A United Kingdom.
In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.
Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:
In Botswana kam der Film im Dezember in die Kinos, am 30.03. läuft er nun auch in Deutschland an. Zwar habe ich nicht "die halbe Zeit geheult", wie eine deutsche Bekannte es mir von ihrem Kinobesuch erzählte, dennoch können Philip und ich den Film nur empfehlen: Er bringt ein bewegendes Stück botswanischer Geschichte weltweit in die Kinos. Denn die Liebe zwischen dem botswanischen Thronfolger Khama und der Sekretärin Williams war keine Privatsache, sondern ein Politikum. 1947 lernten sie sich in London kennen, wo beide zu diesem Zeitpunkt lebten; Khama studierte dort, um besser auf seine zukünftigen Herrscherpflichten (und insbesondere die Verhandlungen mit Weißen) vorbereitet zu sein. 1948 wurden die Hochzeitspläne der beiden bekannt, und spätestens da wandte sich fast ihr gesamtes Umfeld gegen sie: Khamas Onkel, dessen Nachfolger er werden sollte, versuchte die Heirat ebenso zu verbieten wie die südafrikanische Regierung, die gerade ihre Apartheitsgesetze verschärfte. Sie übte Druck auf die Regierung in London aus, die es sich vor allem wirtschaftlich nicht mit Südafrika verscherzen wollte und deswegen ebenso gegen die Eheschließung intervenierte. Eine sogenannte Mischehe zwischen einem zukünftigen botswanischen Regenten und einer weißen Engländerin in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südafrika - das dürfte einfach nicht sein. Der Film erzählt, wie die Khamas sich gegen alle Widerstände auflehnten und sämtlichem ihnen begegnenden Rassismus trotzten - und das ist sehenswert! An dieser Stelle seien die Schauspieler erwähnt, die ihre Rollen super verkörpern: David Oyelowo (z.B. "The Help" und "Der Butler") spielt Seretse Khama und Rosamund Pike (z.B. "Gone Girl") Ruth Williams Khama.
Kleinigkeiten haben mich etwas gestört: Wie so oft in Filmen wurde auch hier die wahre Geschichte leicht verändert - im Großen und Ganzen stimmt alles, aber die historischen Fakten was wann wo geschah werden nicht immer korrekt wiedergegeben. Einige tolle geschichtlich überlieferte Anekdoten fehlen, obwohl sie gezeigt hätten, dass Ruth Williams Khama nicht nur eine starke, sondern auch extrem starrköpfige Frau war - dabei dürfte der Ausgang der Geschichte zu großen Teilen auch ihrem Sturkopf zu verdanken sein. Ich hätte es außerdem spannend gefunden, wenn die Rolle der internationalen Presse im Film noch weiter thematisiert worden hätte - die Journalisten hatten die Khamas, vor allem Ruth, zu Beginn ihrer Ehe in einer Art und Weise verfolgt, die heutigen Paparazzis in nichts nachsteht. Ruth war es dann auch, die - natürlich ohne jeden PR-Agenten, Manager oder andere Hilfe - schließlich lernte, diese Aufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Das alles hätte den Film aber wohl gesprengt und vermutlich hätte ich nichts von dem Genannten vermisst, wenn ich nicht bereits ein (Sach-)Buch über die Khamas gelesen hätte. Also, liebe Blogleser, macht Euch doch einfach selbst einen Eindruck. Wann läuft in deutschen Kinos schon mal ein Film, der zu großen Teilen in Botswana spielt? Hier nochmal der Trailer, diesmal auf deutsch:
Sonntag, 26. März 2017
Der Brexit und das Modell Botswana
In der kommenden Woche will das Vereinigte Königreich (VK) seinen Antrag auf Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) stellen (zuletzt hatte ich über die Brexit-Diskussion in meinem Team hier geschrieben). Durch einen Zeitungsartikel bin ich letzte Woche zufällig auf ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags von Juni 2016 zu den Verhandlungen und möglichen Verhandlungsoptionen aufmerksam geworden. Darin werden verschiedene Ländertypen als Beispiele genommen, so auch Botswana. Da ich die verschiedenen Optionen recht interessant fand, will ich sie hier einmal zitieren:
Wäre ja auch noch schöner, wenn man Botswana als Drohszenario einsetzen könnte ...
- "Modell Norwegen: VK tritt dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bei, der den EU Binnenmarkt auf Norwegen, Island und Liechtenstein erstreckt. Das VK müsste hierbei die Binnenmarktregeln (insbesondere das Freizügigkeitsprinzip) beachten, ohne bei deren Verabschiedung Mitspracherechte in Rat und EP zu haben. Auch müsste das VK einen Beitrag zum EU-Haushalt leisten. Daher kommt diese Option wohl nicht ernsthaft in Betracht, wie BM Schäuble bereits mit seinem vielzitierten Kommentar „Out is out“ zusammengefasst hat.
- Modell Schweiz: VK nimmt durch zahlreiche für einzelne Wirtschaftssektoren abgeschlossene bilaterale Abkommen am Binnenmarkt teil. VK müsste jedoch auch hier in den EU-Haushalt einzahlen und die Freizügigkeitsregeln beachten.
- Modell Botswana: Im Verhältnis VK-EU gelten nur noch die allgemeinen WTO-Regeln und es kommt zur Wiedereinführung von Zöllen. Diese Option dient insbesondere als Drohszenario, das eintritt, falls es zu keiner Einigung mit der EU kommt.
- Modell Türkei: Von Seiten des VK sowie des BMF scheint eine Assoziierungsvereinbarung favorisiert zu werden, die sich neben traditionellen Handelsregelungen auch auf Finanz- und Versicherungsdienstleistungen erstreckt. Das Abkommen würde mit dem VK als Drittstaat geschlossen werden, wobei Art. 8 EUV spezielle Übereinkünfte mit privilegierten Nachbarländern ausdrücklich vorsieht."
Wäre ja auch noch schöner, wenn man Botswana als Drohszenario einsetzen könnte ...
Donnerstag, 23. März 2017
Kgale Hill revisited und Entfernungen in alle Welt
Ein paar Mal waren wir ja schon oben auf dem Kgale Hill, unserem Hausberg. Eigentlich, war uns gesagt worden, steige man da im Sommer nicht hoch, weil es einfach zu heiß sei. Nun hat es in diesem Sommer so viel geregnet, dass wir derzeit gar nicht die ganz heißen Temperaturen haben - und wir uns so kürzlich sogar am späteren Vormittag trauen konnten, dort hochzukraxeln. Der Hauptgrund, weshalb wir das machen wollten, war tatsächlich, die Auswirkungen der intensiven Regenzeit zu bewundern. Und das ging schon auf dem Weg nach oben los: Die Büsche am Wegrand waren ganz grün, die Vegetation viel dichter - einmal fanden wir aufgrund all der Pflanzen und Gräser auf einem kleinen Stück den Weg nicht mehr, verstiegen uns an einer steilen Stelle, fanden dann aber doch recht schnell zurück auf unsere Route. Und: Wir hatten viel mehr Schatten als auf unseren früheren Touren auf den Kgale Hill, dank der Blätter an den Bäumen.
Der Blick von oben auf das grüne Gaborone hat sich gelohnt - vor allem auf den nun komplett gefüllten Stausee Gaborone Dam. Und der war in der Tat beeindruckend anzusehen:
Der Blick von oben auf das grüne Gaborone hat sich gelohnt - vor allem auf den nun komplett gefüllten Stausee Gaborone Dam. Und der war in der Tat beeindruckend anzusehen:
Auf der etwas größeren Insel in der Mitte ist übrigens der Gaborone Yacht Club, derzeit nicht erreichbar, da das Wasser die Straße dorthin, die auf einem Damm liegt, überspült hat.
Zum Vergleich hier ein Bild von unserem ersten Ausflug auf den Kgale Hill im Juli 2016 aus halbwegs ähnlicher Perspektive - damals war der Wasserstand bei ca. 15% seiner Kapazität:
Außerdem habe ich auf dem Kgale Hill noch eine Lektion in Sachen Geographie erhalten. Zusätzlich zu dem Entfernungsschild nach Peking ist dort neuerdings auch ein Schild nach Dakar (aufgrund eines botswanischen Teilnehmers an der Rallye Dakar):
Für mich war auffällig, dass der Entfernungsunterschied zwischen der Distanz nach Peking (China, immerhin am anderen Ende Asiens, 11800 km) und der Distanz nach Dakar (Senegal, ganz im Westen immerhin des gleichen Kontinents, 9200 km) gerade einmal 2500 km beträgt. Das zeigt doch wieder einmal, wie groß der afrikanische Kontinent ist (und wie verzerrt klein er offenbar auf den gängigen Karten dargestellt wird).
Zurück zu Hause habe ich mal noch ein paar weitere Entfernungen nachgeschaut, um mal einen Eindruck zu bekommen:
Gaborone - Frankfurt: 8500 km
Frankfurt - Peking: 7800 km
Frankfurt - Dakar: 4600 km.
Wir sind hier doch ganz schön weit weg von Deutschland. Und Afrika ist sehr sehr groß.
Dienstag, 21. März 2017
Trörö statt Miau
Kürzlich ging hier die Meldung durch die Medien, dass LKW-Fahrer entlang der Straße nach Nata auf einen ca. drei Wochen alten Baby-Elefanten gestoßen waren, der kurz vor dem Verdursten stand und offenbar seine Mutter verloren hatte. Die LKW-Fahrer gaben dem Elefanten zunächst Wasser aus ihren Trinkflaschen, luden ihn dann auf und brachten ihn zu einer Elefantenschutz-Organisation, wo er sich wohl erholt.
Das Video von dem Baby-Elefanten mit Trinkflasche wurde wohl bereits über einhunderttausendmal angeklickt - ist er nicht süß?
Man stelle sich einmal vor, wir hätten kürzlich nicht ein ca. drei Wochen altes Kätzchen gefunden, sondern einen Baby-Elefanten. (Wobei sich dann wirklich die Frage gestellt hätte, wie der unter unserem Tor hindurch aufs Grundstück gelangen konnte ... und die alte Auflaufform von Le Creuset hätten wir dann auch nicht als Körbchen nutzen können. Auch die Fahrt zum Tierarzt in unserem VW Golf kann ich mir dann nicht mehr so wirklich vorstellen.) Wie es dann wohl heute in unserem Garten aussehen würde? Und ob sich unsere Freunde hier wohl auch bereit erklärt hätten, den Elefanten während unserer Abwesenheit bei sich unterzubringen, so wie das Kätzchen?
Das Video von dem Baby-Elefanten mit Trinkflasche wurde wohl bereits über einhunderttausendmal angeklickt - ist er nicht süß?
Man stelle sich einmal vor, wir hätten kürzlich nicht ein ca. drei Wochen altes Kätzchen gefunden, sondern einen Baby-Elefanten. (Wobei sich dann wirklich die Frage gestellt hätte, wie der unter unserem Tor hindurch aufs Grundstück gelangen konnte ... und die alte Auflaufform von Le Creuset hätten wir dann auch nicht als Körbchen nutzen können. Auch die Fahrt zum Tierarzt in unserem VW Golf kann ich mir dann nicht mehr so wirklich vorstellen.) Wie es dann wohl heute in unserem Garten aussehen würde? Und ob sich unsere Freunde hier wohl auch bereit erklärt hätten, den Elefanten während unserer Abwesenheit bei sich unterzubringen, so wie das Kätzchen?
Sonntag, 19. März 2017
Frühstück mit Elefanten
Während unseres Heimaturlaubs in Deutschland habe ich mir einen aktuellen Bestseller gekauft: Gesa Neitzels "Frühstück mit Elefanten". Er ist im September bei Ullstein erschienen und stand bis jetzt 12 Wochen auf der SPIEGEL Paperback Sachbuch-Bestsellerliste - ein schöner Erfolg für die Autorin, die mit ihrem Buch offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Gesa Neitzel beschreibt in ihrem Erfahrungsbericht, wie sie ihrem Berliner Leben den Rücken kehrt und ins südliche Afrika reist, um sich dort innerhalb eines Jahres zur Rangerin ausbilden zu lassen. Als Leser ist man gefühlt hautnah dabei - wenn sie versucht, sich Vogelstimmen einzuprägen, einem Elefanten in die Augen schaut oder schießen lernt (letzeres nur als zur Ausbildung gehörende Sicherheitsmaßnahme). Dabei wird man sehr schnell in den Sog dieses Buches gezogen. Die Autorin beschreibt Landschaften, Gerüche und Geräusche so toll, dass man zum Teil nur die Augen schließen muss und selbst das ausgetrocknete Limpopo-Flußbett vor sich sieht. Aber auch ihre Freunde und Lehrer wachsen einem ans Herz, denn sie lässt den Leser nicht nur an ihrer Ausbildung, sondern auch an ihren Gefühlen teilhaben.
Gesa Neitzels Ausbildungsstationen waren in Botswana, Südafrika und Namibia - wir haben das Buch daher mit besonderem Interesse gelesen. Und als ich im Januar Freiwilligendienste googelte, während Philip als erster von uns beiden "Frühstück mit Elefanten" las, stieß ich tatsächlich auf das Projekt, bei dem die Autorin ein dreimonatiges Praktikum absolviert hatte - EHRA, woran ich dann tatsächlich auch zwei Wochen teilnahm. Es war natürlich toll, ihre Erlebnisse da im Vorfeld zu lesen, um noch einen besseren Eindruck zu bekommen - und hinterher gleich nochmal, denn inzwischen hatte ich einige der Leute kennengelernt, von denen im Buch die Rede war.
Philip und mich hat es dennoch erstaunt, dass das Buch so einen großen Erfolg hat - Sehnsuchtsort Afrika? Träumen wirklich viele Deutsche vom afrikanischen Busch und seinen Tieren bzw. interessieren sich so sehr dafür? Sicher hilft es dem Buch, dass die Autorin in der letzten Zeit öfters in Talkshows eingeladen war. Ich kann "Frühstück mit Elefanten" auf jeden Fall empfehlen: Es liest sich auch wegen der vielen persönlichen Anekdoten gut und man bekommt noch einmal einen anderen Eindruck vom südlichen Afrika und seiner Tierwelt. Darüber hinaus ist es zum Teil schon fast philosophisch und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die jeden mal umtreiben: Was mache ich mit meinem Leben? Wo will ich hin? Was macht mich glücklich? Gesa Neitzel hat für sich einige Antworten gefunden und sie als Leser auf ihrem Weg zu begleiten, ist auf alle Fälle bereichernd.
Gesa Neitzels Ausbildungsstationen waren in Botswana, Südafrika und Namibia - wir haben das Buch daher mit besonderem Interesse gelesen. Und als ich im Januar Freiwilligendienste googelte, während Philip als erster von uns beiden "Frühstück mit Elefanten" las, stieß ich tatsächlich auf das Projekt, bei dem die Autorin ein dreimonatiges Praktikum absolviert hatte - EHRA, woran ich dann tatsächlich auch zwei Wochen teilnahm. Es war natürlich toll, ihre Erlebnisse da im Vorfeld zu lesen, um noch einen besseren Eindruck zu bekommen - und hinterher gleich nochmal, denn inzwischen hatte ich einige der Leute kennengelernt, von denen im Buch die Rede war.
Philip und mich hat es dennoch erstaunt, dass das Buch so einen großen Erfolg hat - Sehnsuchtsort Afrika? Träumen wirklich viele Deutsche vom afrikanischen Busch und seinen Tieren bzw. interessieren sich so sehr dafür? Sicher hilft es dem Buch, dass die Autorin in der letzten Zeit öfters in Talkshows eingeladen war. Ich kann "Frühstück mit Elefanten" auf jeden Fall empfehlen: Es liest sich auch wegen der vielen persönlichen Anekdoten gut und man bekommt noch einmal einen anderen Eindruck vom südlichen Afrika und seiner Tierwelt. Darüber hinaus ist es zum Teil schon fast philosophisch und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die jeden mal umtreiben: Was mache ich mit meinem Leben? Wo will ich hin? Was macht mich glücklich? Gesa Neitzel hat für sich einige Antworten gefunden und sie als Leser auf ihrem Weg zu begleiten, ist auf alle Fälle bereichernd.
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