Dienstag, 9. August 2016

Wie am Meer und auf dem Mond

Philip und ich wollten in unserem Urlaub gerne das Okavango Delta bereisen - eines DER Touristenziele des Landes. Wie eigentlich alle Touristenziele ist es ziemlich weit weg von der Hauptstadt Gaborone, die ja im Südosten des Landes liegt, während das Delta im Nordwesten ist... erschwerend hinzu kommt, dass es keine einigermaßen gerade Verbindung von a nach b gibt, weil die Kalahari in der Mitte des Landes liegt und man salopp gesagt entweder einen großen Bogen links oder rechts darum fahren muss. (Es sei denn, man fliegt.) Wir fuhren schließlich rechts rum, weil wir auf der zehn- bis elfstündigen Fahrt nach Maun, dem Ausgangspunkt ins Delta, eh Zwischenstopps machen und uns die Gegend anschauen wollten. Und so verbrachten wir die ersten vier Tage damit, die Makgadikgadi-Salzpfannen zu erkunden.
Makgadikgadi spricht sich ungefähr "Makchradikchradi" aus, wobei der freundliche Botswaner auch bei diesem Versuch nur milde lächeln wird - der europäische Gaumen/Rachen lässt meiner Einschätzung nach aber keine korrektere Aussprache dieses Wortes mit Klicklauten zu. Die Makgadikgadi-Salzpfannen sind eine Ansammlung von Salzpfannen, die insgesamt die Größe Portugals haben und damit die zweit- oder drittgrößten der Welt sind.


An unserem ersten Urlaubstag fuhren wir im Rahmen eines geführten "Sunset Game Drives" in den Teil, in dem das Nata Bird Sanctuary liegt - ein 250 km² großes Vogelschutzgebiet. Hier gibt es steppenähnliches Gras, große weiße Salzpfannen und Wasser, das im März/April Teile der Pfanne füllt. Der Großteil des Wassers verdunstet dann im Laufe des Jahres, bis Regenfälle an anderer Stelle den Fluss wieder füllen, der Wasser in die Pfanne bringt. Ein See war so groß, dass wir das andere Ufer kaum sehen konnten. Wie ein Meer! In Botswana! Gut, kein Meer, in dem man schwimmen sollte. Zwar wurde dort lange keins gesichtet, aber eine der goldenen Regeln in Afrika lautet: "Wo Wasser ist, können auch Krokodile sein."


Im Frühjahr (bzw. im botswanischen Herbst), sind hier Tausende von Flamingos zu sehen. Nun entdeckten wir drei. Aber dafür noch andere Vögel: Reiher, Adler, Geier; an Land außerdem Gnus. Die Landschaft faszinierte uns so, dass wir am nächsten Morgen noch einmal ohne den Führer und mit eigenem Auto ins Nata Bird Sanctuary fuhren. Diese flache Weite, diese Ruhe, diese Wassermengen - das hatten wir so alles in Botswana noch nicht erlebt.

Zwei Tage später fuhren wir, inzwischen von Gweta aus, in einen anderen Teil der Salzpfannen. Diesmal sollte es sogar ein Übernachtungstrip werden, den wir bei unserer Lodge und mit anderen Touristen gebucht hatten. Wir fuhren ein ganzes Stück in die Ntwetwe Pan, erst noch lange Zeit immer wieder an Hütten vorbei, Bäumen, Buschland, Rindern ... Philip und ich sattelten schließlich auf ein Quad-Bike um, das hatte unser Reisebüro für uns so gebucht. (Als ich drei Tage vor dem Urlaub erstmals persönlich im Reisebüro vorbeischaute, rief die Mitarbeiterin fröhlich so etwas wie: "Ach, Sie sind jung! Dann wird Ihnen das Spaß machen!") Damit bretterten wir dann dem mit einer Staubfahne vorausfahrenden Safarifahrzeug hinterher durch die eigentliche Salzpfanne. Alle Vegetation hinter sich lassend kam man sich vor wie auf dem Mond. Irgendwann sah man nämlich in keine Richtung mehr etwas anderes als den hellen, staubigen und salzigen Sandboden.


Aber dann tauchte unser Camp für diese Nacht auf, in Form eines Lagerfeuers mit mehreren Klappstühlen drumherum und einem improvisierten Waschbecken, um sich den Staub vom Gesicht zu waschen.


100m davon entfernt war ein Toilettenzelt aufgebaut, in einer anderen Richtung wurden Schlafsäcke für uns entrollt. Dann sahen wir erst einmal der Sonne beim Untergehen zu und tranken kühle Getränke, während die Guides das Abendessen überm Feuer zubereiteten: Steaks, Folienkartoffeln, gebackenen Kürbis und eine große Schüssel mit Salat gab es auch noch. Es schmeckte großartig.

Während wir aßen, wurde es dunkel und die Sterne erschienen - in Massen, wie man sie nur an einem Ort ohne Lichtverschmutzung sehen kann. Wir zogen uns alle recht bald in unsere Schlafsäcke zurück - zum einen wurde es doch ganz schön kühl, zum anderen ließen sich die Sterne so auf dem Rücken liegend doch am besten betrachten. Über uns leicht rötlich der Mars, die Milchstraße klar zu erkennen, das Kreuz des Südens hell leuchtend - es war wunderschön.


Am nächsten Morgen wurden wir irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr wach, als es wieder heller wurde. Es war ordentlich kalt, aber am Feuer gab es Kaffee und Tee und Muffins und bald darauf brausten wir zurück Richtung Lodge.

Sonntag, 7. August 2016

Sonntagsbeschäftigungen

Gestern Abend sind wir aus unserem ersten größeren Urlaub in der neuen Heimat nach Gaborone zurückgekehrt. Wir waren 10 Tage im Norden Botswanas. Berichte werden hier folgen!
Womit verbringen wir also den heutigen Sonntag? Klar, Fotos sichten und sortieren (das wird uns wohl noch ein paar Tage in Beschlag nehmen, der Paparazzi-Modus hat öfters zugeschlagen). Und Auto waschen (lassen) - eine Wochenendbeschäftigung nicht nur in Deutschland! Nach 2242 km Fahrt (der Großteil davon jeweils Hin- und Rückfahrt) und ein paar dieser Kilometer auf unbefestigter Straße beschloss ich, dass ich mich mit dem dreckigen Auto besser nicht morgen auf der Arbeit blicken lassen sollte. Dort bin ich den Sicherheitsleuten schon öfters wegen des schmutzigen Wagens aufgefallen...
Also fuhr ich heute Mittag in die Waschanlage. Ja, richtig, so etwas gibt es hier. Autowäsche auf dem eigenen Hof ist nur mit Eimer und Lappen erlaubt (Wasser sparen!), aber an der Autowaschanlage neben dem Shoppingcenter Game City haben sie noch eine andere Technik. Es ist keine automatisierte Waschanlage wie in Deutschland - Arbeitskraft ist hier offenbar noch günstiger als Kapital.
In einem Gebäude, das von außen an eine Autowaschanlage in Deutschland erinnert, wird das Auto erst einmal mit dem Hochdruckreiniger abgeduscht. Das Brauchwasser wird aufgefangen und recycelt. Mit Lappen und Eimer wird das Auto dann manuell eingeseift - bis die andere Seite fertig eingeseift ist, ist die Seife auf der ersten Seite schon wieder getrocknet. Anschließend wird das Auto noch einmal mit dem Hochdruckreiniger abgeduscht. Dann fährt man hinaus, unter eine Überdachung, und das Auto wird mit einem Lappen abgewischt, inkl. der offenen Türen. Innen bekam das Auto auch noch einen feuchten Lappen zu spüren, sowie einen Staubsauger. Ich bekam vor der ersten Wäsche eine Zeitung zu lesen, ging zwischendurch einkaufen, kam wieder, las noch etwas - so eine Autowäsche dauert doch etwas länger, eben eine Sonntagsbeschäftigung. Immerhin: Walli hatte noch keine Vermisstenanzeige aufgegeben, bis ich zurückkam. Dafür fragte sie mich tatsächlich, ob ich am Ende das richtige Auto mitgenommen hätte - so sauber hatten wir es länger nicht gesehen...

Dienstag, 26. Juli 2016

Inspektor Nilpferd ermittelt - demnächst bei der Post?

Literarisch wird mit Botswana meist Mma Ramotswe verbunden, die die erste Frauen-Detektei in Botswana eröffnet. Wir hatten die Internet-Kataloge selbst schon nach weiterer lesenswerter Belletristik aus bzw. über Botswana abgesucht, leider ohne nennenswerte Erfolge. Umso überraschter waren wir, als ich von meinen Eschborner Kollegen zum Abschied den ersten Band einer weiteren Krimi-Serie geschenkt bekam, die in Botswana spielt: Michael Stanley (hinter dem sich das Autorenteam Michael Sears und Stanley Trollip verbergen) geben mit ihrem Buch "A Carrion Death" einen ganz anderen Einblick in Botswana:
Inspektor Kubu (sein Spitzname bedeutet Nilpferd auf Setswana und beschreibt neben seinem Äußeren auch seinen Charakter: ausdauernd, tödlich) arbeitet bei der Kriminalpolizei in Gaborone in einem Büro direkt am Kgale Hill - und der Fall, den er zu lösen hat, ist ein verstümmelter und nicht identifizierbarer Leichnam, der in der Wüste gefunden wird, als bereits Tiere daran knabbern. Schnell stellt sich heraus, dass der Leichnam umgebracht wurde - und es bleibt nicht bei dieser einen Leiche: Es ergeben sich Verstrickungen bis in höchste politische Kreise Botswanas, Botswanas mächtigste Firma ist beteiligt (die fiktive Botswana Cattle and Mining Company) und damit auch die hohe Politik.
Anders als in den Büchern über Mma Ramotswe geht es hier um "härtere" Themen - Mord, Erpressung, Korruption, Diamanten, viel Geld. Die Stimmung ist dunkler, das "schöne Botswana" kommt noch am ehesten über die freundliche Beschreibung und Vorgehensweise des Helden, Inspektor Kubu, heraus.
Für Botswana-Besucher eine klare Leseempfehlung - als schöne Ergänzung zu den Büchern über Mma Ramotswe! Ich habe jedenfalls festgestellt, dass es bereits mehrere Bücher über Inspektor Kubu gibt, das nächste ist bereits bestellt.

Der Blog-Eintrag war soweit schon geschrieben, da erhielt ich bei der Arbeit eine Benachrichtigung, dass ein Päckchen für uns eingegangen sei: abholbar bei einer Poststation am anderen Ende der Stadt, nach Zahlung von knapp 10 Euro Mehrwertsteuer (dankenswerter Weise keine Zollgebühren). Wir rechneten mit einem angekündigten Päckchen, das im Mai losgeschickt wurde. Als wir am Samstag dann zur Post fuhren und ein anderes kleines Päckchen abholten, war die Überraschung groß: Innenliegend war das Buch "Kubu und der Tote in der Wüste" von Michael Stanley, auf Deutsch veröffentlicht im Eichborn Verlag (!). Das Buch stand wohl jahrelang in Wallis altem Büro, zufällig hatten ihren lieben Kolleginnen es jetzt wiederentdeckt und ihr dann prompt geschickt. An das Cover konnte Walli sich sogar erinnern. Welch freudige Überraschung!

P.S.: Aus unserer derzeitigen Post-Erfahrung lernend: Wir freuen uns weiterhin über jeden Brief und jede Postkarte! Mit Päckchen haben wir leider bisher keine guten Erfahrungen gemacht: Entweder kamen sie noch nicht an oder wir mussten ordentlich nachzahlen... Vielleicht sollte Inspektor Kubu dort mal ermitteln!

Sonntag, 24. Juli 2016

Fast alpine Kraxeleien

Philip wollte schon länger einmal auf den Kgale Hill steigen, den 1.300 m hohen Hausberg von Gaborone, der sich am Rande unseres Viertels Kgale View erhebt. Ausgebremst wurde er durch mich, nachdem er mir bereits an meinem Ankunftswochenende erzählte, dass man dann aber keinerlei Wertsachen mitnehmen dürfte und laut der giz-Sicherheitsbeauftragten auch nur hochlaufen sollte, wenn auf dem Parkplatz schon andere Autos stehen würden. Es würde wohl ab und zu zu Überfällen kommen. Meine Wanderlust hatte das deutlich gemindert, aber nachdem wir an diesem Wochenende keine größeren Pläne hatten und nun während der Wintermonate eigentlich die ideale Jahreszeit ist, den Kgale Hill zu erklimmen, haben wir uns heute doch mal auf den Weg gemacht. Philip steckte noch 200 Pula (ca. 17,- €) ein, damit eventuelle Räuber nicht zu frustriert wären, ansonsten ließen wir - außer einem kleinen Fotoapparat - alle Wertsachen zu Hause und hatten so noch nicht mal eine Armbanduhr dabei.


Auf dem Parkplatz standen viele Autos, wir konnten es also wagen. Schon auf den ersten Metern kam uns eine Familie entgegen, die uns bestätigte, auf dem richtigen Weg zu sein. Erst einmal ging es an einem Zaun entlang, rechts von uns im Gebüsch fraßen ein paar Kühe an Dornensträuchern und mindestens eine hatte eine Glocke um den Hals - das Gebimmel gab dem Ganzen etwas Alpenflair. Zu sehen gabe es allerdings Felsen und Dornenbüsche statt Almen und Bäume. Der Weg wurde schnell etwas steiler und vor allem sehr steinig - das wirkte nun wieder fast alpin auf uns.


Bald waren wir auf einem ersten Hügel, auf dem wir der Tatsache ins Auge sehen mussten, dass es nun erstmal abwärts gehen würde, bevor wir den eigentlichen Kgale Hill besteigen würden. Also stiegen wir wieder etwas hinab. Entgegenkommende Frauen bestätigten uns aber, dass unser Abstieg eigentlich der Aufstieg sei, wir trafen noch weitere Wanderer, begannen wieder, aufwärts zu kraxeln und kamen schließlich sogar an eine teilweise geteerte Straße, die uns schließlich auf ein großes Plateau führte. Wir waren fast oben!
Auf dem Kgale Hill sind verschiedenste Antennen befestigt; dieser Bereich ist umzäunt. Philip wollte trotzdem die Stelle mit dem schönsten Blick auf Gaborone finden und so kletterten wir einmal um die Umzäunung herum. Ich beschloss schließlich, einem Graffiti zu glauben, dass "Stop here! It's overrated" verkündete. Philip dagegen kraxelte noch ein paar Meter weiter, bis zu einem Wegweiser, der quasi das Gipfelkreuz ersetzte und verkündete, dass Peking 12.758 km entfernt sei. Wer hätte diese Erkenntnis da oben erwartet!


Ein schöner Ausblick über Gaborone bot sich von dort: im linken Bildteil unser - recht grünes - Viertel Kgale View (sogar das grüne Dach unseres Hauses konnten wir identifizieren); in der Bildmitte das Shoppingcenter Game City mit seinem großen Parkplatz, weiter entfernt die etwas höheren Häuser des "Central Business District". In der rechten Bildhälfte ein Gewerbepark und dann natürlich noch der Stausee Gaborone Dam, an dem wir neulich den Gaborone Yacht Club angesehen hatten.

Wieder zurück auf dem Plateau sahen wir, dass alle anderen Wanderer inzwischen den Abstieg begonnen hatten und machten uns auch auf den Weg - die Sonne war schon tiefer gesunken. Wir hatten kein richtiges Zeitgefühl, wollten aber gerne vor Einbruch der Dämmerung unten sein und schafften das auch gut. Tatsächlich kamen uns auf dem Rückweg noch einige Leute entgegen, die vermutlich den Sonnenuntergang von oben anschauen wollten. Überfallen wollte uns aber niemand. Somit war unsere kleine Bergtour sehr schön und wird wiederholt werden!

Freitag, 22. Juli 2016

Durch Flussbetten und auf Hügel (Tuli Block Teil 2)

Die Tierwelt in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, ist eine tolle Erfahrung. Die übliche Variante solcher Beobachtungen ist mit dem eigenen Fahrzeug oder im Rahmen eines "Game Drives". In den öffentlichen Nationalparks ist dies eigentlich auch die einzige Variante - nur in privaten Nationalparks sind auch geführte "Bush Walks" erlaubt. Im Khama Rhino Sanctuary hatten wir schon einmal die Chance, mit einem Ranger ein "Nashorntracking" zu Fuß zu machen und anhand der Spuren und Ausscheidungen Rückschlüsse darauf zu ziehen, wo sich die Viecher gerade aufhielten. Als wir nun letztes Wochenende im Tuli Block waren (Teil 1 des Berichts), hatten wir wieder einmal die Chance zu einem solchen Spaziergang - und haben sie gleich zweimal genutzt.
Durch einschlägige Lektüre hatten wir die Verhaltensregeln für solche Spaziergänge ja bereits verinnerlicht: Don't run, whatever you do. Frühmorgens ging es also los, direkt von unserem Camp aus. Mit einem Gewehr bewaffnet schritt unser Führer voraus, im Gänsemarsch trippelten wir hinterher. Unser Spaziergang führte uns durch das trockene Flussbett des Limpopo River, der auch Grenzfluss zwischen Südafrika und Botswana ist.


Der Boden war sandig, ständig kamen wir an Tierspuren vorbei. Beeindruckend auch die Löcher, die Elefanten im Boden graben, um an wasserführende Schichten zu gelangen. Gelegentlich führte unser Spaziergang auch am Flussufer entlang, mal gingen wir die Böschung hoch und schlugen uns etwas abseits des Flussbetts durch den Busch oder liefen über ein Stück Savanne. Einmal fanden wir recht frische Löwenspuren, denen wir ein ganzes Stück weit folgten - ich fragte mich schon, ob unser Führer es tatsächlich darauf anlegen wollte, dem Löwen zu begegnen, aber dann gingen wir doch wieder unseres Weges.
Beeindruckend sind übrigens auch die Spuren von Elefantenherden, wenn sie auf Sand oder Erde in eine Richtung marschieren:


Wir begegneten nur wenigen Säugetieren: Ein paar Impalas sahen wir kurz, bevor sie dann doch wegrannten. Dafür beobachteten wir viele Vögel.
Zwischenziel des Spaziergangs war ein Hügel, den wir erklommen und von dem aus wir eine wunderbare Aussicht hatten.


Von dort sahen wir nicht nur das Flussbett, das wir entlanggekommen waren, sondern auch Paviane und Impalas, die dieses gerade kreuzten.


Anschließend ging es im und entlang des Flussbetts zurück zu unserem Camp. Wie schön, den afrikanischen Busch mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen!
Eine weitere Wanderung hatten wir noch gebucht und machten sie am Nachmittag des gleichen Tages - es ging zum "Eagle Rock". Wenig verwunderlich hat dieser Hügel seinen Namen aufgrund von Adlern, die dort regelmäßig brüten. Dieses Jahr haben allerdings Paviane das Nest geräubert und das Adlerküken mitgenommen - daher bekamen wir keine Adler zu sehen.
Nach einer ca. einstündigen Fahrt mit dem Safariauto (die wir gleich als weitere Safari nutzten), stellten wir es an einem markanten Baum ab und liefen los: Wieder ging unser Führer voraus und wir im Gänsemarsch hinterher. Zunächst ging es durch Savanne. Tiere sahen wir auch bei diesem Spaziergang keine aus der Nähe, dafür kamen wir an Stellen vorbei, wo vor vielen Jahren die San lebten (ein Buschvolk aus der Region). Nach einem kleinen felsigen Aufstieg hatten wir vom Gipfel des Eagle Rock eine fantastische Aussicht auf die Gegend:


Gleich am Fuße des Hügels befand sich die Biegung des ausgetrockneten Flussbetts des Motloutse River. Es war - wie auch schon beim Limpopo River - schwer vorstellbar, dass dieser Fluss nach Beginn der Regenzeit auf seiner ganzen Breite Wasser führen soll.


Wir genossen die Aussicht von dort oben eine Weile und stiegen dann kurz vor Sonnenuntergang auf leicht verändertem Weg wieder ab. Allein durch die fantastische Aussicht von oben war dieser Bush Walk ein absoluter Höhepunkt unseres Tuli-Wochenendes!
Zurück am Safarifahrzeug drehten wir noch eine Runde, grüßten einen Elefanten, der nicht weit vom Weg entfernt stand, und wurden schließlich zu unserem Camp zurückgefahren. 

Mittwoch, 20. Juli 2016

Im wilden Osten (Tuli-Block Teil 1)

Nachdem an das letzte Wochenende zwei Feiertage anschlossen (es waren die "Sir Seretse Khama holidays" zu Ehren des Staatsgründers / ersten Präsidenten), wollten wir es nicht in Gaborone verbringen, sondern für einen Kurzurlaub nutzen. Wir entschieden uns, ins Molema Bush Camp im Tuli-Block zu reisen. Der Tuli-Block liegt im Dreiländereck Botswana/Südafrika/Simbabwe, also im östlichsten Zipfel Botswanas. Wir fuhren sechs Stunden hin, die ersten 300 km auf der uns schon durch den Ausflug ins Khama Rhino Sanctuary bekannten Haupstraße Richtung Norden und dann weiter auf deutlich weniger befahrenen, aber größtenteils sehr gut geteerten Nebenstraßen. Die Fahrt verlief problemlos - es gab einige Tiere auf der Fahrbahn (Kühe, Ziegen), einige Polizeikontrollen, aber nichts, was uns länger aufhielt. Die letzten 10 km ging es dann auf ungeteerten Straßen bis zu unserem Camp.
Diesmal hatten wir keine Luxus-Safari gebucht, sondern uns für ein Selbstversorgercamp entschieden, in dem wir eine der vier Blockhütten reserviert hatten.


Es gab keinen elektrischen Strom (selbst der Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche war gasbetrieben), aber warmes Wasser - unsere Dusche war solarbetrieben (in unserer Blockhütte hatten wir ein eigenes Badezimmer). Abends und morgens machten die Angestellten ein Feuer an der Gemeinschafts-Feuerstelle, in der Dämmerung hingen sie vor jeder Hütte eine Petroleumlampe auf und verteilten außerdem tagsüber aufgeladene Solarlampen, die uns Hütte, Wege und Küche erhellten (apropos: Nach unserer Rückkehr bemerkten wir, dass genau diese Solarlampen im aktuellen ZEITmagazin beschrieben wurden!). Die Küche war gut ausgestattet und wir erhitzten uns abends die eingefrorenen und inzwischen wieder aufgetauten Reste unserer letzten Party auf dem Gasofen. Ein Luxus war auf jeden Fall, dass wir nicht selbst abspülen mussten - die Angestellten des Camps übernahmen das.

Abgesehen von den diversen Tierlauten war es sehr ruhig. Die Löwen brüllten gerade nicht in der Gegend und auch Elefanten kamen während unseres Aufenthalts nicht im nichtumzäunten Camp vorbei (wie sie das wohl manchmal machen). Der nächste Ort war weit weg. Nach unserer Ankunft saßen wir erstmal lange auf der Veranda, lasen und beobachteten die Paviane, die auf einem riesigen Baum rumturnten und ab und an einen Kopf aus dem Dickicht steckten. Dann erkundeten wir das Camp, das direkt am Limpopo River liegt, der gleichzeitig der Grenzfluss zu Südafrika ist. Zumindest während der Regenzeit, jetzt kann man von einem Grenzfluss nicht sprechen - das Flussbett ist komplett ausgetrocknet, von einem kleinen Wasserloch abgesehen, in dem ein Krokodil bis zur nächsten Regenzeit ein ziemlich einsames Dasein fristet. Bei Ankunft im Camp wurden wir gewarnt, uns dem Wasserloch nicht mehr als zwei bis drei Meter zu nähern ... unser Wohlfühl-Abstand zum Krokodil war dann aber doch ein ganzes Stück größer.


Im Camp gab es kein feststehendes Programm. Wir hatten im Vorfeld alle Exkursionen, an denen wir teilnehmen wollten, extra gebucht. Da man im Tuli-Block nicht mit dem eigenen Auto auf Safari fahren darf, war das eine ganze Menge, denn wir wollten ja was erleben: Game Drives, Bush Walks und ein Bush Dinner. Wir waren bei diesen Exkursionen zu dritt mit einem Engländer, der eine der anderen Blockhütten bewohnte. Unser Guide nahm sich viel Zeit. Auf dem ersten Game Drive hörte er über Funk, dass ein Löwe gesichtet worden war, dem wir dann eine Weile folgten, bis er sich niederließ.


Ansonsten sahen wir Impalas, Zebras, Schakale und verschiedenste Vögel. Außerdem bewunderten wir die vielseitige Landschaft: Büsche und Bäume, letztere oft grün oder vermeintlich herbstlich gefärbt, Hügel, Steine, rote Erde ...
Im Tuli-Block gibt es nur wenige Camps und Lodges, daher sind auch kaum andere Safarifahrzeuge unterwegs. Das hat zur Folge, dass die Tiere nicht so sehr an diese gewohnt sind und viele von ihnen schreckhaft reagieren, wenn mal eins vorbeikommt. Es gibt aber auch Tiere, die die Guides zielgerichtet an sich gewöhnt haben. Beim nachmittäglichen Game Drive besuchten wir eine Hyänenfamilie. Der Bau war den Guides schon lange bekannt und die Hyänenmutter ließ zu, dass wir uns zu Fuß näherten. Die Hyänenjungen waren sogar recht neugierig und kamen ihrerseits bis auf wenige Meter an uns heran. Wer hätte gedacht, dass kleine Hyänen so niedlich aussehen!


Ein anderes Mal sahen wir eine größere Gruppe Impalas durch die Savanne rennen und springen. So ganz war uns nicht klar, wovor sie wegrannten, aber sie rannten, und das ziemlich flink. Impalas sind die gängigste Antilopen-Art, man sieht sie auf Safaris ständig - und mittlerweile halten wir für sie schon gar nicht mehr an. Fun Fact: Impalas heißen bei den Safariführern "McDonald's" - nicht nur, weil sie so zahlreich vertreten und quasi "Fast Food" für Löwen etc. sind, sondern weil die schwarze Markierung auf ihren Hinterläufen und -teilen an das McDonald's "M" erinnert.


Wir waren bis in die Dunkelheit unterwegs und sahen noch Elefanten, Giraffen und Kudus. Sobald es dunkel war, kramte unser Guide einen Scheinwerfer raus, den der englische Tourist dankenswerterweise vom Beifahrersitz aus händisch nach links und rechts schwenkte. Wir hielten nach reflektierenden Tieraugen Ausschau und sahen so unter anderem noch einige Südafrikanischen Springhasen, die wie kleine Känguruhs aufgeregt auf ihren Hinterbeinen durch die Gegend hüpften. Schön war's!
Schön waren dann auch noch die Bush Walks am nächsten Tag - mehr davon demnächst.

Samstag, 16. Juli 2016

Verwöhnaroma - weltweit!

Es ist ja bekannt, dass es in der englischen Sprache einige Wörter gibt, die eins zu eins aus dem Deutschen übernommen wurden. Zum Beispiel "kindergarten", "wanderlust" und "blitzkrieg". Ein weiteres, uns beiden im Englischen bislang unbekanntes Wort ist Philip und mir begegegnet, als wir im Khama Rhino Sanctuary beim Frühstück saßen und mir Instant-Kaffepulver hingestellt wurde.


Zugegegeben, es war Jacobs Krönung und in Deutschland hergestellt - aber für eine südafrikanische Firma, die sich im südlichen Afrika um den Vertrieb des Kaffees kümmert. Die Produktbeschreibung war deswegen auch auf englisch, weswegen neben "Jacobs Krönung" das schöne Wort "Verwöhnaroma" doch sehr hervorstach. Ob sich Jacobs das hat patentieren lassen? Und ob sie glauben, dass sich das Wort "Verwöhnaroma" (auch noch mit einem Umlaut!) international durchsetzt? Sie scheinen zumindest daran zu arbeiten ... Ich fand's lustig!