Ein heute geführtes Gespräch:
V.: "Und, wie gefällt Dir Kapstadt?"
Ich: "Ich finde es soooo toll! Das Flair, die kulturellen Möglichkeiten, es gibt dermaßen viel zu entdecken und man kann sich in der Stadt problemlos von a nach b bewegen, auch zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln!"
V.: "Ja, ich war doch etwas enttäuscht, als ich hier ankam. Es kam mir gar nicht so afrikanisch vor."
Tja, zwei Deutsche, ein Eindruck von Kapstadt ... nur, dass wir ihn unterschiedlich bewertet haben. Es kommt eben immer auf die Erwartungshaltung an: V. (die ich in meiner Sprachschule kennengelernt habe) kam auf der Suche nach afrikanischer Exotik, während ich mir hier (neben meinem Englischkurs) Kultur, Stadtbummel-Möglichkeiten und eine neue Batterie für meine Armbanduhr erhofft habe. (Das mag jetzt so klingen, als hätte ich keine hohen Ansprüche - aber findet mal in Gaborone einen Laden, der Uhrenbatterien wechselt!)
Insgesamt drei Wochen werde ich hier sein, die erste ist bereits vorbei. Kapstadt fühlt sich tatsächlich ziemlich europäisch an - und das nicht nur wegen des deutschen Feinkostgeschäfts, in das ich an meinem zweiten Tag hier gestolpert bin und dessen Regale mit Grafschafter Goldsirup, Brandt-Zwieback und der aktuellen BUNTEN mich doch etwas verstört haben. Es gibt historische Bauten, alte Kirchen, Bäckereien (!) und ein tadellos funktionierendes Nahverkehrssystem. Als Fußgänger ist man nur einer von vielen und auch wenn vor Taschendieben gewarnt wird, kann man hier problemlos mit dezentem Schmuck und Armbanduhr durch die Gegend laufen, ohne groß aufzufallen. Mein Studentenwohnheim ist in der Parallelstraße zur Partymeile Long Street (es GIBT hier eine Partymeile!) und der Hafen an der Waterfront ist einfach hübsch hergerichtet, inkl. kleinem Leuchtturm. Na ja, und Tafelberg und Meerblick geben der ganzen Stadt natürlich eine besondere Atmosphäre. Das ist schon sehr schön hier!
Weil die südafrikanische Währung "Rand" gerade besonders schwach ist, sind mindestens Essen und Getränke auch noch günstiger als in Botswana - und das im direkten Vergleich: Sowohl Supermarkt- als auch Restaurantketten kenne ich zum Teil aus Gaborone, auch die Produkte sind zum Teil die gleichen - Botswana importiert ja viel von hier, was natürlich auch dazu beiträgt, dass das Angebot dort etwas teurer ist.
Negativ ist zu erwähnen, dass hier in Kapstadt wirklich viele Bettler rumlaufen. Einige von ihnen sehen so abgerissen aus, dass sie sogar im Frankfurter Bahnhofsviertel auffallen würden. In Gaborone wird man sehr selten nach Geld oder Essen gefragt. Dort gibt es sicher auch Armut, aber keine Siedlungen, die ich als Township-ähnlich bezeichnen würde. Die Kontraste in Kapstadt sind schon extrem.
Das nur einen zweistündigen Direktflug entfernte Gaborone bietet ein ganz anderes Bild. Die Gründe sind vielfältig und in der Geschichte und Entwicklung zu suchen; nicht vergessen sollte man allerdings, dass die Metropolgemeinde Kapstadt über eine Million mehr Einwohner hat als ganz Botswana. Vergleiche hinken somit eh irgendwie.
Kapstadt ist in jedem Fall eine Reise wert! Botswana natürlich auch. Abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass irgendeine südafrikanische Region an das Okavango Delta herankommt, kann man in Gaborone schließlich Philip und mich besuchen ...
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