Samstag, 19. August 2017

Fleisch!

Brot für die Welt hat eine Website, auf der man im Selbsttest seinen ökologischen Fußabdruck ermitteln kann. Je größer dieser ist, um so mehr nimmt man Umweltressourcen in Anspruch und lebt auf Kosten kommender Generationen. Ich kannte diesen Test schon, habe ihn aber letzte Woche noch einmal gemacht - vermutlich aus masochistischen Gründen, denn dass das Ergebnis nicht so besonders gut ausfallen würde, hätte ich mir schon denken können. Immerhin nutzen wir hier keinerlei öffentlichen Nahverkehr, haben zwei Autos, fliegen über 40.000 km im Jahr und bewohnen ein ziemlich großes Haus  - das kam in dem Test alles gar nicht gut an. Der einzige Pluspunkt waren unsere Heizgewohnheiten - der fehlenden Heizung und den meist sommerlichen Temperaturen sei Dank. Und was die Essgewohnheiten angeht ... puh! Schon dadurch, dass wir Müsli essen, nehmen Philip und ich jeden Tag tierische Produkte in Form von Milch zu uns. (Und nein, selbst wenn wir wollten, könnten wir die nicht gegen Soja-, Mandel- oder sonstige Milchersatzprodukte ersetzen - die gibt es hier nicht.) Und was Fleisch angeht ... wir kaufen hier zwar keine Wurstwaren, aber Fleisch essen wir häufig (ich noch häufiger als Philip). Wenn es anders wäre, hätte es meinen ökologischen Fußabdruck allerdings auch nicht mehr gerettet - ein schwacher Trost.

Als Fleischesserin bin ich in Botswana allerdings in guter Gesellschaft. Rindfleisch ist ein wichtiges Exportgut und die Botswaner sind zu Recht stolz auf seine exzellente Qualität. Aber auch sonst gehört Fleischkonsum hier einfach zum Alltag. Diese Woche habe ich bei Baylor eine Unterrichtseinheit zum Thema "Mindmapping" gegeben. Nachdem ich Bedeutung, Sinn und Zweck eines Mindmappings erläutert hatte, teilte ich die Schüler in Gruppen ein und gab ihnen dann eine Auswahl von Themen, zu denen sie brainstormen und dann ein Mindmapping erstellen sollten. Eine Gruppe konnte sich nicht auf ein Thema einigen und bat mich, ihnen eines zuzuweisen. Ich ließ sie schließlich losen und so kamen sie zielsicher zu einem Thema, dass sich kein einziges Gruppenmitglied selbst ausgesucht hätte: "Becoming a vegetarian."

Aufgabe war, die Pros und Kontras eines Themas herauszuarbeiten. Nach erfolgtem Mindmapping präsentierte jede Gruppe ihre Ergebnisse und unter anderem die "Being a vegetarian"-Gruppe führte mir mal wieder vor Augen, dass so eine Diskussion hier doch ganz anders aussieht als in Deutschland. Gegenargumente waren viele gefunden worden: Viele Vegetarier wären dünn, weil mangelernährt. Sie hätten Probleme, überhaupt etwas Essbares zu finden. Ich meldete mich dann doch mal zu Wort, weil die Supermärkte hier in der Regel schon ein solides Gemüseangebot haben. Darauf entgegenete man mir, das Angebot wäre saisonal, was stimmt - aber irgendwelche Gemüsearten gibt's doch immer, erwiderte ich. Man erinnerte mich an die Gemüsekrise zu Anfang des Jahres, was mich innerlich doch schmunzeln ließ - während man in Deutschland wegen Geflügelpest und Rinderseuche eher auf Fleisch verzichtet, wird hier Gemüse als anfällig angesehen. (Wobei es während der Gemüsekrise zwar keine Tomaten, Kartoffeln und Auberginen gab, Salat, Pilze, Weißkohl und Zucchini zum Beispiel aber durchaus vorhanden waren - kein Vegetarier hätte verhungern müssen!)
Weiterhin wurde thematisiert, dass Vegetariern wichtige Proteine fehlen würde. Ein Mädchen sagte, man könnte als Ersatz  Erdnüsse essen, woraufhin ihr ein Junge erklärte, dass Erdnüsse aber nicht in Botswana wüchsen ("eat local" scheint immerhin hoch im Kurs zu stehen). Ich erkundigte mich schließlich, ob denn jemand in der Klasse Vegetarier wäre - erwartungsgemäß war dem nicht so - oder einen Vegetarier kennen würde. Eine Schülerin meldete sich und erzählte von einem aus Jamaika stammenden Bekannten, der aus religiösen Gründen kein Fleisch äße. Ich fragte, ob sie wisse, wie er damit klar käme und sie sagte: "It's a hard life, very hard." Ich gab auf. Wer hätte gedacht, dass gerade Vegetarismus ein Thema ist, über das sich hier alle einig sind ...

Donnerstag, 17. August 2017

SADC-Erfolgsgeschichten

Derzeit findet in Südafrika der jährliche SADC-Gipfel der Staats- und Regierungschefs statt. Unsere Partnerorganisation, das SADC-Sekretariat, ist dadurch schon in den letzten Wochen etwas "lahmgelegt" worden, denn zuvor galt es, unzählige Besprechungen von Arbeits- bis hin zu Ministerebene für fast jeden Fachbereich zu organisieren. (Hier hatte ich mal geschrieben, was SADC eigentlich ist und macht.)
Und weil es manchmal gar nicht so leicht ist, zu erklären, warum regionale Integration wichtig ist und wie der "normale Bürger" davon profitieren kann, haben die Projekte der GIZ, die mit SADC zusammenarbeiten (also auch meines), SADC dieses Jahr dabei unterstützt, eine zweite Auflage einer Broschüre zu "SADC Success Stories" zu erstellen, begleitet von einer Social Media-Kampagne (auf Facebook, Twitter, Youtube). Diese Broschüre wurde nun am Rande des Gipfels der Öffentlichkeit vorgestellt.
Vielleicht hat ja der ein oder andere von Euch auch Interesse daran, etwas mehr über SADC zu erfahren und was eine solche Organisation eigentlich macht.
Wer Interesse an den "Stories" der Broschüre hat, findet sie hier (mein Projekt hat z.B. zu dieser Geschichte zugearbeitet). Ein einführendes Video zur Broschüre gibt es hier:

Dienstag, 15. August 2017

Kommt ein Leopard an die Rezeption ...

Unser Ausflug in den Kgalagadi Transfrontier Park war weitgehend raubtierfrei - angesichts der Tatsache, dass wir uns auf nicht eingezäunten Campingplätzen bewegten und in einem Zelt schliefen, war ich nicht böse drum. Man kann in dieser Gegend aber auch völlig andere Erfahrungen machen. Die Ranger und anderen Mitarbeiter des Nationalparks haben da einiges zu erzählen. So hatten sie in ihrem Büro am Eingangstor des Parks einen Zettel aufgehängt, der eines ihrer Erlebnisse illustrierte:


Ich tippe den Text hier einmal ab:

WE WELCOME ALL VISITORS
Well! Some of our visitors have a tendency to stay in the reception room more time than is expected while making it inaccessible the whole day. This fellow seemed to had encountered a fight during the night and probably suffered defeat and needed some form of consolation. He found refuge in our compound without our knowledge and permission for that matter. Both gates and offices were opened in the morning, officers moving up and down but he was there unnoticed, because the guy is good at disguising. He then decided to show up in the reception room just like all the visitors probably for two reason, he needed consolation and most importantly some pain killers after sustaining injuries in the last fight. Unfortunately when he showed up, everybody straggled for a way out. He the decided to wait patiently the whole day assuming that one might come to offer help but to no avail!! not you brother! When the evening come, he went out the way he came in. He became the most unwelcomed and undesired visitor we ever got. We wish he will never come back.

Deutliche Worte! Also lieber ein Schakal am Lagerfeuer als ein Leopard an der Rezeption ...

Donnerstag, 10. August 2017

Feuer, Vollmond, Fuchsmangusten

Hurra, wir leben noch! Und sind nach unserem Campingausflug in den Kgalagadi Transfrontier Park planmäßig am Montagabend wieder in Gaborone angekommen. Es waren schöne Tage, gefühlt am Ende der Welt.


Nachdem wir am Freitagmorgen um 5 Uhr aufgebrochen waren, war ca. dreieinhalb Stunden (250 km) später die letzte Tankstelle bis zur Rückfahrt erreicht und nach weiteren 80 km verließen wir schließlich die Teerstraße. Die noch fehlenden ungefähr 140 km bis zum Parkeingang legten wir auf einer ziemlich unebenen Piste zurück, mit einer Maximalgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern und zwei Stopps wegen vermeintlicher Reifenpannen, die sich zum Glück beide als Fehlalarme herausstellten. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt und waren glücklich, als wir am frühen Nachmittag das Eingangstor zum Nationalpark erreichten. Im Park waren die Straßen sandiger, aber nicht ganz so hubbelig. Nach insgesamt zehn Stunden Fahrt erreichten wir schließlich unseren Campingplatz für die erste Nacht. Unser Stellplatz war riesig, aber Platzmangel ist ja generell kein Problem in Botswana. Ausgestattet war er mit einem "A-Frame", einem auf einer Betonplatte stehenden Holzdach, unter dem man im Schatten sitzen konnte, einer Feuerstelle, einem Plumpsklo und sogar einer Duschvorrichtung, die ohne den zugehörigen Eimer und ohne fließendes Wasser allerdings überflüssig war. Wir bauten unsere Zelte auf - unsere beiden Mitreisenden waren jeweils mit Dachzelt unterwegs, während wir uns im Bodenzeltaufbau übten. Über Feuer und Gaskocher wurden Nudeln mit Tomatensoße gekocht und an diesem Tag waren wir dann ziemlich schnell in unseren Schlafsäcken - ohne größere Tiersichtungen; von ein paar Vögeln abgesehen. Philips Kollegin Doris hatte sogar eine Plastikschüssel als Vogeltränke aufgestellt, die die Vögel jedoch links liegen ließen. Mich wunderte das nicht, denn die Schüssel war leuchtend orange und hatte einen schwarzen Boden, weswegen das Wasser darin wie kalter Kaffee aussah. Nach der ersten Nacht waren wir dann allerdings sehr verblüfft: Die Schüssel war weg; auch im Umkreis des Stellplatzes fanden wir sie nicht mehr. Mitten in der Einsamkeit kann sie nur ein Tier mitgenommen haben. Welches es war, werden wir aber nie herausfinden ...


Von unserem Campingplatz aus hatten wir einen schönen Blick auf eine Salzpfanne, durch die ab und an vereinzelte Oryxantilopen zogen.
Gegen Mittag machten auch wir uns wieder auf den Weg und fuhren zum nächsten Campingplatz - die drei Nächte verbrachten wir jeweils an anderen Orten und hatten so immer wieder neue Ausblicke. Der Grund für die täglichen Ortswechsel war ursprünglich gewesen, dass der mittlere Campingplatz nur noch für diese eine Nacht verfügbar war. Wir wollten ihn jedoch nicht verpassen, weil er der am Schönsten gelegene sein UND außerdem über fließend Wasser verfügen sollte - letzteres war leider nicht der Fall, womit klar war, dass es vor unserer Rückkehr nach Gaborone nichts mehr mit einer Dusche werden würde. Immerhin konnten wir so mal meinen für das namibische Elefantenschutzprojekt angeschafften Feuchttücher-Vorrat aufbrauchen.

Auf unserem zweiten Stellplatz bekamen wir schnell Gesellschaft. Nach ein paar neugierigen Frankolinen-Hühnchen erschienen mehrere Fuchsmangusten aus ihren Bauten, gefolgt von Erdhörnchen. Einige yellow-billed hornbills (südliche Gelbschnabeltokos) suchten ebenfalls unsere Nähe. Sie alle erhofften sich offensichtlich Futter, was wir ihnen allerdings verwehrten. Gegen Abend, als ich gerade ein paar Teller abgewaschen hatte, klaute dann eine Fuchsmanguste meinen Spülschwamm - ich sah sie noch mit dem Ding im Maul und machte ein paar schnelle Schritte auf sie zu, damit sie flüchten und den Schwamm fallen lassen würde. Sie flüchtete auch, nahm ihn allerdings mit und entwischte schließlich in ein Erdloch. Am nächsten Tag fanden wir den Schwamm vor dem Baueingang wieder; er war inzwischen mehr braun als gelb und wies einige Bissspuren auf.


Wir brieten abends Steaks über dem Feuer und hatten in einer Kühlbox außerdem einen Nudelsalat dabei. Es war ein sehr schöner Abend, wir saßen lange zusammen und der Vollmond erhellte die Salzpfanne.


Nachts hörten wir die Löwen brüllen, aber aus weiter Ferne. Und am nächsten Vormittag ging es dann wieder weiter.

Auf unserem dritten Campingstellplatz standen schon drei Autos als wir ankamen; vier südafrikanische Touristen waren gerade beim Mittagessen. Es stellte sich raus, dass der Platz für die folgende Nacht doppelt vergeben worden war. Nachdem wir ankündigten, auf jeden Fall bleiben zu wollen, den Platz aber gerne mit ihnen zu teilen, beschlossen die Südafrikaner, weiterzuziehen - die hatten auf Teilen noch weniger Lust als wir. Dabei gab es auf diesem Stellplatz sogar zwei Feuerstellen. Auf der einen kochte Philips Chef abends einen legendären Eintopf, der unter anderem Suppengemüse, Chakalaka, Kartoffeln, Corned Beef und Hähnchenfleisch enthielt und wider Erwarten grandios schmeckte. Beim Abendessen bekamen wir dann sogar Gesellschaft: Plötzlich saß ein Schakal unweit hinter uns. Er hätte sich da wohl gerne gemütlich eingerichtet, aber wir verscheuchten ihn durch Geschirrklappern. Vor dem Schlafengehen verstauten wir unser Hab und Gut in Kisten und Kofferräumen, aber eine halbe Plastikflasche, die ich als neue Vogeltränke aufgeschnitten hatte, wurde nachts geräuschvoll von einem Tier auseinandergenommen. Ob es der Schakal war? Wir wissen es nicht.

Am nächsten Morgen - wir hatten gerade die Eintopfreste als Frühstück über dem Feuer erhitzt und aufgegessen, das war schön warm nach einer sehr kalten Nacht um den Gefrierpunkt - sahen wir den Schakal noch mal wieder, als wir beim Zusammenpacken waren. Er war durchaus neugierig auf alles, was noch rumlag, hielt aber doch einen gewissen Abstand zu uns und ließ sich schließlich verscheuchen.


Ein letztes Wiedersehen gab es, als wir auf dem Rückweg am Wasserloch unweit des Camps hielten, um eine Gruppe Steinböcke zu beobachten. Der Schakal stieß zu ihnen und sie störten sich nicht an ihm, nach einem Scheinangriff Richtung Wasser stoben die Antilopen dann aber doch weit auseinander.


Und damit ging unser Campingwochenende auch schon zuende. Die Löwen haben uns also nicht gefressen und auch nicht an unserem Zelt geleckt. Nachdem wir auf dem Weg zum Parkausgang noch richtig schön im Sand steckenblieben, machten wir uns auf den Rückweg - Hubbelpiste, Teerstraße, Tankstelle und abends waren wir schließlich in Gaborone und freuten uns sehr auf Dusche und Bett. Abgesehen von der Fahrerei war das ein sehr entspannter Ausflug und trotz fehlendem Wasser und nächtlicher Kälte haben wir ihn rundum genossen.

Donnerstag, 3. August 2017

Pechsträhne

Ein wenig Pech hatten wir schon seit unserer Rückkehr nach Botswana. Am Morgen nach unserer Ankunft erfuhren wir, dass das Dachzelt, das wir mündlich vereinbart bereits gekauft hatten, nun doch an jemand anderen weitergegeben worden war (was uns besonders ärgerte: wir erfuhren davon, als wir einen Übergabetermin vereinbaren wollten). Also fuhren wir am darauf folgenden Samstag nach Rustenburg in Südafrika, inkl. Grenzübergang eine Fahrtzeit von vier Stunden (je Richtung). Dort hatten wir die Adressen von zwei Safari-Ausrüstern und hofften, bei ihnen Dachgepäckträger und Dachzelt zu erhalten. Den einen, von einer Kollegin empfohlenen Ausrüster fanden wir gar nicht erst. Den anderen entdeckten wir zwar im zweiten Anlauf nach längerem Suchen, doch dort hatte man leider keine Zeit, einen Dachgepäckträger bei uns zu montieren - das sei auch eine Sache von mindestens drei bis vier Stunden (weil für unseren Autotyp wohl nicht ganz gängig). Oh well, da ging unsere Pechsträhne wohl einfach weiter. Kleinere Einkäufe machten wir trotzdem, wie z.B. einen 20 Liter Benzinkanister (nicht nur aufgrund des besseren Wechselkurses, sondern vermutlich auch aufgrund der Transportkosten ist in Südafrika fast alles deutlich günstiger). Am Abend trafen wir uns in Gaborone mit der Reisecrew unseres nächsten geplanten Ausflugs und erfuhren dabei, dass wir wohl mind. 600 km ohne Tankstelle und in sandigem Gelände (Mehrverbrauch) auskommen müssen. Mit unserem Schluckspecht könnte das etwas knapp werden, selbst mit dem neu gekauften Benzinkanister. So kaufte Walli diese Woche also noch zwei weitere Benzinkanister in Gaborone. Unser Auto wird somit ein rollendes Benzinlager. Wie gut, dass ich in meinem Job bei Shell vor vielen Jahren gelernt habe, dass Schmierstoffe in aller Regel nicht leicht entzündlich sind - ach Moment, wir reden hier ja von Benzin ...

Bei unserem geplanten Campingausflug am kommenden Wochenende werden wir also wohl leider nicht in einem Dachzelt übernachten können, sondern in einem geliehenen Bodenzelt. Ganz konventionell also. Die Campingplätze, auf denen wir sein werden, sind dafür bekannt, dass Löwen und Hyänen nachts gerne vorbei kommen. Sie sind an Menschen in geschlossenen Zelten aber wohl meist nicht interessiert. Erinnert sich noch jemand an das Video von den Löwen, die morgens den Tau von der Zeltplane leckten, über das wir letztes Jahr mal berichtet haben? Genau, auf dem Campingplatz werden wir nächstes Wochenende sein. Mal schauen, ob wir das Video nachstellen können ... Wir reden uns jedenfalls gerade ein, dass mein Chef, der bei dem Ausflug dabei sein wird (im Gegensatz zu uns mit Dachzelt), eigentlich kein Interesse daran haben kann, dass ich zu Löwenfutter werde, daher wird schon alles gut gehen - und irgendwann wird unsere Pechsträhne doch hoffentlich enden. Ansonsten wird das hier wohl unser letzter Blogeintrag. Ihr seid also quasi fast live dabei. Bis (hoffentlich) bald!

Dienstag, 1. August 2017

Heimaturlaub

Vor eineinhalb Wochen, bevor wir nach Botswana zurückflogen, fragte mich meine Mutter am Telefon, was denn die Bilanz unseres Heimturlaubs sei. Seitdem denke ich auf dieser Frage herum, etwas Griffigeres als "neun Schlafcouchen, drei Hotelbetten und ein Gästezimmerbett" ist mir aber noch nicht eingefallen. Philip und ich sind viel rumgereist und hatten wunderschöne Wiedersehen - daraus eine Bilanz zu ziehen, ist eigentlich unmöglich. Erwähnenswert ist vielleicht, dass es kleine Situationen gab, in denen ich doch merkte, in Deutschland etwas verpasst zu haben: Als ich die bei Kaufhof gekauften T-Shirts und Blusen in einen Stoffbeutel knüllte, weil es keine kostenlosen Plastiktüten mehr gibt. Als der REWE-Kassierer vor sich hinkicherte und ich ihn irritiert anschaute und schließlich bemerkte, dass er - wie alle seine Kollegen - ein kleines Headset trug und sich offensichtlich mit den anderen unterhielt, während er kassierte. Als ich bei ALDI eine neue Kühltheke mit fertigen Sandwiches, Salaten und SUSHI entdeckte. (Sushi bei ALDI? Seltsame Welt ...) Sehr irritiert hat mich auch der Einhorn-Tisch in einer Buchhandlung: Ganz viele verschiedene Produkte mit Einhörnern drauf, vom Ausmalbuch für Erwachsene über Sinnsprüche bis zum Stofftier - und davon war kaum was für Kinder, das richtete sich schon an ältere Zielgruppen ... was ein seltsamer Hype! Erfreulicherweise fand ich kurz darauf eine Postkarte, die meine Gefühle wiederspiegelte.


Neben all den wunderschönen Wiedersehen gab es übrigens auch die ein oder andere kuriose Begegnung. So traf ich unmittelbar nach meiner Ankunft in Odendorf Frau A. im Supermarkt, die ich seit meiner Kindheit kenne. Frau A. erkundigte sich nach meinem Leben in Botswana um mir dann übergangslos von ihrem Sohn zu erzählen, der nach jahrelanger Promotion nun doch "nur" als Lehrer arbeiten würde. "Das hätte er auch schon vor zehn Jahren haben können, und nun ist er schon Mitte 30! Er ist auch erst sehr spät ins Berufsleben eingestiegen!" Irritiert über das "auch" erwähnte ich sicherheitshalber mal, dass ich vor meinem Abflug nach Botswana durchaus neuneinhalb Jahre gearbeitet hatte. Das verwunderte Frau A. kurz, doch dann rief sie im Hinblick auf meinen Auslandsaufenthalt nochmal energisch: "Verlorene Zeit!", was ich bei aller Sympathie doch etwas unangebracht fand.

Mein Augenarzt reagierte weitaus wohlwollender auf Botswana und erzählte mir, dass er in den 90er Jahren Schusswunden in Johannesburg operiert hätte. Fast im selben Atemzug ließ er mich wissen, dass sich durch Entwicklungshilfe und Kurzzeit-Einsätze der Bundeswehr das Taliban-Problem in Afghanistan nicht lösen lasse. Ich war etwas erleichtert, als er mir endlich in die Augen guckte.

Eine Woche Urlaub zu zweit haben Philip und ich übrigens auch noch gehabt, in Interlaken, von wo aus wir die Schweizer Alpen erkundeten. Das war kurz vor Ende unseres Heimaturlaubs und schon eine gute Wiedereinstimmung auf Botswana, dort spricht nämlich auch kaum jemand deutsch. Die Einheimischen natürlich schon, aber selbst die redeten mit uns auf Englisch - wohl aus Gewohnheit, die Masse der Urlauber scheint nämlich aus Asien und aus arabischen Ländern zu kommen.
In den Bergen war es großartig. An einem Tag fuhren wir auf das Jungfraujoch und fanden uns im Gletscherschnee wieder. Alles weiß, wie passend - das war ja schließlich unser Winterurlaub! Übrigens ein Thema, mit dem sich unsere botswanischen Mitbürger hier prima verwirren lassen. "So it's summer in Germany?" "Yes, but most of the time it isn't warmer than here in winter ..."


Und dann ging es auch schon wieder nach Gaborone. Mir bleibt an dieser Stelle nur noch, den Titel eines Kinderbuchs zu zitieren, den ich so toll fand, dass ich es kaufen musste:


In diesem Sinne: Vergesst uns nicht - der nächste Heimaturlaub kommt bestimmt ...

Montag, 3. Juli 2017

Mein Lieblingsflughafen

Ich glaube, mein Lieblingsflughafen ist der Sir Seretse Khama International Airport von Gaborone. Philip sagt immer, dass das auch mal sein Lieblingsflughafen war - bevor der Parkplatz vor ungefähr einem Dreivierteljahr gebührenpflichtig wurde, seitdem mag er ihn nicht mehr. Zugegebenermaßen waren immer Parkplätze frei und sie werden auch nach wie vor nicht außergewöhnlich bewacht - die Erhebung von Gebühren dient also nur der Geldmacherei. Ich mag unseren Flughafen hier aber trotzdem sehr gerne.


Flughäfen sind ja meist hektisch, wuselig und unübersichtlich - das alles kann man vom Sir Seretse Khama International Airport nicht behaupten. Es gibt einen großen Parkplatz, eine Drop off-Zone und genau zwei Ein- und Ausgänge ins Gebäude, die keine 50 Meter auseinanderliegen. Man kann sich also nicht verpassen. Ungefähr in der Mitte der Flughafenhalle steht eine Elefantenskulptur, das einzige Kunstwerk dort. Es ist nicht zu übersehen und dadurch wunderbar als Treffpunkt geeignet - andererseits: Wer verabredet in so einem kleinen Flughafen schon einen Treffpunkt?


Neben einem Souvenirladen und einem Bibelshop gibt es genau ein Café, das aber immerhin auch schon um 5:30 Uhr aufmacht, wenn da bereits Fluggäste zu erwarten sind.


Das Café ist dann auch schon am Ende des Gebäudes, durch die große Glasfassade hat man den besten Blick aufs Rollfeld und kann schon einmal schauen, ob die eigene Maschine bereits da ist. (Und ja, das erkennt man ziemlich schnell. Es ist hier schon sehr ungewöhnlich, mal zwei oder drei Flugzeuge gleichzeitig auf dem Rollfeld stehen zu sehen.)


Ich bin oft am Flughafen. Manchmal fliege ich selbst, manchmal bringe ich Philip hin oder hole ihn ab und gelegentlich shuttle ich unseren Besuch oder hiesige Freundinnen (wenn Philip umgekehrt mal mich vom Flughafen abholt, gibt's natürlich gleich ein Erdbeben ...). Tatsächlich vergeht eigentlich kein Monat, an dem ich nicht mehrmals am Flughafen bin. Außerhalb der Rush Hour ist er von unserem Haus aus in einer guten halben Stunde zu erreichen und so eine Flughafenfahrt lässt sich - so lange man nicht selbst fliegt - auch immer sehr gut mit einem Besuch unseres Fitnessstudios verbinden, das bereits an der "Airport Junction Mall" liegt.

Vor drei Wochen ist meine Freundin Ruth nach Deutschland geflogen. Wir haben schon die Tradition, uns gegenseitig zum Flieger zu bringen und davor noch gemeinsam im Café Mugg & Bean im Flughafen eine Kleinigkeit zu essen. Diesmal trafen wir wie erwartet auch noch eine Botschaftsmitarbeiterin mit ihrer Familie, die Botswana mit dem gleichen Flieger verlassen sollte und von anderen Kollegen zum Flughafen gebracht worden war. Auch als ich vor zwei Wochen nach Deutschland geflogen bin, habe ich eine Bekannte getroffen - sie flog ebenfalls nach Frankfurt, allerdings via Addis Abeba, während ich in Johannesburg umgestiegen bin. Wir sahen mein Flugzeug anrollen und eine halbe Stunde vor dem Abflug habe ich mich dann auf den Weg zur Sicherheitskontrolle gemacht - der ist nämlich recht kurz und auch an der Passkontrolle kann man von Schlangen kaum sprechen. So einen entspannten Flughafen muss man erstmal finden! Als Philip letzte Woche im Café auf seinen Flieger wartete, hat er zwar niemanden getroffen, konnte dafür aber beobachten, wie der simbabwische Präsident Robert Mugabe in seine Maschine stieg (er hatte davor die Beerdigung des früheren botswanischen Präsidenten Sir Ketumile Masire besucht). Staatsgäste beim Abflug zu beobachten, während man selbst noch im Flughafencafé sitzt - zum Beispiel am Frankfurter Flughafen ist das schwer vorstellbar ...

Auch eine hektische Suche nach dem richtigen Gate ist in Gaborone nicht zu befürchten, es gibt genau zwei Wartesäle: Einen für Inlands- und einen für Auslandsflüge. Es ist quasi unmöglich, sich zu verlaufen. Die Duty Free-Möglichkeiten sind allerdings ziemlich überschaubar und seine Reiselektüre sollte man auch besser woanders besorgen (sonst bleibt nur besagter Bibelshop). Andererseits kann man so knapp zum Flieger kommen, dass eh keine Zeit mehr fürs Shoppen bleibt ... ich mag unseren kleinen Flughafen!