In der letzten Woche ist ein großer Staatsmann gestorben. Er regierte sein Land von 1980 bis 1998 - viele Einwohner seines Landes sind also aufgewachsen, ohne jemand anderen an der Regierungsspitze zu kennen. Nun berichten alle Medien ausführlich über ihn und sein Werk. Er führte sein Land in Zeiten diffiziler Politik, im Nachbarland herrschte durch die 1980er Jahre hindurch ein Unrechtsregime, von dem es sich zu distanzieren galt.
Sir Ketumile Masire war der zweite Präsident Botswanas, also direkt nach Sir Seretse Khama, dessen Geschichte kürzlich verfilmt wurde. Als Kind war er ein Viehhirte, ging erst mit 13 Jahren in eine Grundschule und kam über seine Tätigkeit bei einer Zeitung zur Politik - was für eine Karriere. In seiner Amtszeit als Präsident war ihm wohl wichtig, die demokratischen Institutionen des noch jungen Botswanas zu stärken. Er trat international als Vermittler auf und brachte sich in die Aufarbeitung des Genozids in Ruanda ein. Bis zuletzt war er in der Bevölkerung hoch angesehen.
Auch in Deutschland ist in der vorletzten Woche ein Staatsmann gestorben, der zu einer ähnlichen Zeit regierte. Wie häufig mögen sie sich wohl getroffen haben?
Montag, 26. Juni 2017
Donnerstag, 22. Juni 2017
Schluchtenwanderung
Kürzlich entdeckten wir zusammen mit Besuch eine uns bisher unbekannte Sehenswürdigkeit im Umkreis von Gaborone: Wir machten eine geführte Wanderung in der Mmamotshwane-Schlucht bei Mogonye. Nach dem Zahlen der Eintrittsgebühr und Registrierung stieg unsere Führerin zu uns ins Auto - wir mussten noch 5 km fahren bis zum Einstieg in die Schlucht. Diese 5 km hatten es stellenweise in sich - ich sag mal so: Wie gut, dass das Auto a) Vierradantrieb besitzt und b) dass es zusätzlich ein paar PS hat, denn beides war gelegentlich nötig. Wir überholten immerhin eine botswanische Wandergruppe, die die Strecke lief (laufen war uns gar nicht als Option angeboten worden, das wäre wohl zu ungewöhnlich gewesen). Vermutlich kannten sie sie schon, denn Ortsunkundige kann man da eigentlich nicht alleine rumlaufen lassen: Es gab immer wieder Abzweigungen und so gut wie keine Ausschilderungen. Schon während der Hinfahrt wurden wir dankbar, dass die Führerin uns gleich ungefragt begleitet hatte.
Am Eingang der Schlucht stellten wir das Auto ab, dann liefen wir los, zunächst durch bewaldetes Gebiet, dann waren wir plötzlich in der Schlucht und sahen die steilen und hohen Wände. Anders als angekündigt führte die Schlucht offenbar doch nicht ganzjährig Wasser (vor der Dürre, d.h. vor einigen Jahren, war das wohl noch anders). Einmal mussten wir eine eher wackelige Holztreppe hochsteigen ...
... dann ging es mit etwas Kraxelei über Felsen, zwischendurch überquerten wir eine nicht mehr ganz frische Brücke über ein Wasserloch ...
... und schließlich kamen wir an eine Stelle, an der die Schlucht enger wurde und wo an einer Seite ein Seil befestigt war. Zunächst war das Seil angenehm zum Festhalten, dann kamen wir plötzlich an eine steile Felsstufe.
Mit Hilfe des Seils zogen/kletterten wir die Stufe hoch, dann liefen wir noch ein Stück und kamen schließlich ans Ende der Schlucht. Dort ging es nur noch steil nach oben, von wo aus uns ein Schimpanse interessiert beobachtete.
Weitere Schimpansen konnten wir nur hören, sie brüllten. Unsere Führerin behauptete, sie würden uns begrüßen, aber richtig glücklich klangen sie nicht. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg.
Für uns ein gelungener Ausflug und ein nettes neues Ziel nicht weit von Gaborone: Etwas Bewegung, etwas Natur, wir waren zufrieden!
Am Eingang der Schlucht stellten wir das Auto ab, dann liefen wir los, zunächst durch bewaldetes Gebiet, dann waren wir plötzlich in der Schlucht und sahen die steilen und hohen Wände. Anders als angekündigt führte die Schlucht offenbar doch nicht ganzjährig Wasser (vor der Dürre, d.h. vor einigen Jahren, war das wohl noch anders). Einmal mussten wir eine eher wackelige Holztreppe hochsteigen ...
... und schließlich kamen wir an eine Stelle, an der die Schlucht enger wurde und wo an einer Seite ein Seil befestigt war. Zunächst war das Seil angenehm zum Festhalten, dann kamen wir plötzlich an eine steile Felsstufe.
Mit Hilfe des Seils zogen/kletterten wir die Stufe hoch, dann liefen wir noch ein Stück und kamen schließlich ans Ende der Schlucht. Dort ging es nur noch steil nach oben, von wo aus uns ein Schimpanse interessiert beobachtete.
Weitere Schimpansen konnten wir nur hören, sie brüllten. Unsere Führerin behauptete, sie würden uns begrüßen, aber richtig glücklich klangen sie nicht. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg.
Für uns ein gelungener Ausflug und ein nettes neues Ziel nicht weit von Gaborone: Etwas Bewegung, etwas Natur, wir waren zufrieden!
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Montag, 19. Juni 2017
Montagmorgen in Gaborone
Manchmal werde ich gefragt, was ich in Gaborone denn eigentlich den ganzen Tag so mache. Und manchmal frage ich mich das sogar auch. Dieser Montagmorgen zum Beispiel wird mir nicht länger im Gedächtnis bleiben und ich habe auch nicht das Gefühl, dass er so wahnsinnig erfolgreich war. Dennoch fühlte ich mich durchaus beschäftigt ... hier eine Schilderung der (Nicht-)Ereignisse:
Heute klingelt der Wecker bereits um 6:15 Uhr, da für 8 Uhr ein Meeting in der NGO angesetzt ist, in der ich mithelfe. Ich fahre extra früh los, da insbesondere zwischen 6 und 8 Uhr mit starkem Berufsverkehr zu rechnen ist. Auf halber (oder eher: dreiviertel) Strecke ruft mich dann meine Kollegin Christina an, kein gutes Zeichen, wie mein Rückruf bestätigt: Das Meeting ist in letzter Minute gecancelt worden. Zum Trost lädt sie mich zu einer Tasse Kaffee ein (sie wohnt unweit der NGO) und eröffnet mir dabei, dass sie versucht ist, die Arbeit hinzuschmeißen - wobei sie in fünf Wochen eh wegzieht, aber bisher waren wir beide davon ausgegangen, dass sie den Unterricht noch bis zu meiner Rückkehr aus Deutschland übernehmen wird. Nun ist sie allerdings gerade so gefrustet, dass ich es durchaus verstehen könnte, wenn sie ab morgen nicht mehr kommt.
Während wir zusammensitzen, ruft mich unsere Haushaltshilfe Patricia an: Sie hat Probleme mit ihrem Schlüssel und kann unsere Haustür nicht öffnen. Ich rufe Philip an, der vom Büro aus wesentlich schneller zu Hause sein kann als ich von der Innenstadt aus. Zum Glück kann er es gerade einrichten, schnell heimzufahren.
Ich dagegen fahre wie geplant zum Wertstoffhof weiter, wo ich ab und an unser Altglas hinbringe und der im Dumont-Reiseführer tatsächlich als Sehenswürdigkeit genannt ist. Wir könnten zwar alles in den normalen Mülleimer schmeißen, aber zumindest Glas kann man zum Recyclen bringen und das wollen wir gerne unterstützen. Früher dürfte man auch Papier abgeben, aber das hat seit ein paar Monaten ein Ende, weil der Recyclinghof es nicht mehr zum Recyclen weitergeben kann - warum auch immer. Mit einem Blick auf die überquellenden Glastonnen fürchte ich, dass auch das Glas-Recycling bald ein Ende haben könnte und schnappe mir einen der herumstehenden Pappkartons, in den ich unser Altglas staple. Anschließend mache ich mir eine Notiz, unsere leeren Batterien nach Deutschland mitzunehmen.
Als nächstes fahre ich zur Sicherheitsfirma, um unsere Mai-Rechnung zu bezahlen und auch gleich nach der für Juni zu fragen, die längst ankommen hätte sollen. Hier habe ich das erste wirkliche Erfolgserlebnis des Tages: Die Juni-Rechnung kann mir sofort ausgedruckt werden, so dass ich gleich beide Rechnungen begleichen kann und weder Philip noch ich vor unserem Heimaturlaub noch einmal zur Sicherheitsfirma fahren müssen. Dinge, die dazu führen, dass wir was bezahlen müssen, klappen hier allerdings zugegebenermaßen meistens recht gut.
Auf dem Rückweg zum Auto spricht mich ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an und teilt mir mit, dass ihm kalt sei. Ich stimme ihm zu, mir ist auch kalt - das scheint allerdings nicht die Antwort zu sein, die er sich erhofft hat. Als nächstes behauptet er, auf mein Auto aufgepasst zu haben. Da ich es maximal eine Viertelstunde alleine gelassen habe und er nirgends zu sehen war, als ich parkte, halte ich das für ein Gerücht. Abgesehen davon arbeitet er laut seines ihm um den Hals hängenden Ausweises ja bei der Sicherheitsfirma, bei der ich gerade viel Geld gelassen habe, und nicht als Parkwächter. Er fragt schließlich, ob ich nicht ein paar fatcakes für ihn hätte, aber abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, welche Art von Gebäck das überhaupt ist, habe ich gar nichts zu essen bei mir. Enttäuscht zieht er von dannen.
Ich dagegen fahre weiter zu meinem nächsten Anlaufpunkt, einem Einkaufszentrum. Beim Geldautomaten unserer Bank hebe ich die zweite Hälfte unserer Miete ab. Wir überweisen sie von unserem botswanischen Konto, müssen dafür aber immer Geld von unserem deutschen Konto abheben, das wir dann auf das botswanische einzahlen. Es ist kompliziert (vor allem, da das Geld für die Miete immer an zwei verschiedenen Tagen abgehoben werden muss - es ist zu viel, um es komplett an einem Tag abheben zu können ...), aber so kostet das Ganze immerhin keine Gebühren.
Ich kaufe gleich noch ein paar Lebensmittel ein und fahre dann nach Hause, wo ich gerade noch unseren Gärtner antreffe, bevor er geht. Sam macht mich darauf aufmerksam, dass der Gartenwasser-Tank ausgelaufen ist. Immerhin hat einer der Obstbäume davon profitiert, unter dem das Schlauchende zufälllig lag ... er hat so viel Wasser abbekommen, dass er laut Sam ungewohnt "happy" ausschaut und vermutlich zwei Jahre nicht mehr gegossen werden müsse. Ich versuche, diese positive Sichtweise zu teilen und verspreche, für Donnerstag neues Gartenwasser zu ordern.
Als ich dann das Haus betrete, sehe ich gerade noch, wie Patricia unser Kunstledersofa mit Möbelpolitur einsprüht. Sie sagt mir, dass diese auch da prima wirken würde, was ich bezweifle, aber jetzt ist es eh zu spät. Patricia führt mir außerdem vor, dass nur ihr Haustürschlüssel für das untere Schloss funktioniert - der für das obere Schloss lässt sich nicht drehen und sie meint, ich hätte das bei der Schlüsselübergabe vor einem halben Jahr auch gewusst und mich darum kümmern wollen. Das kann durchaus sein, ich habe allerdings keinerlei Erinnerung daran. Heute ist das Ganze erstmals aufgefallen, da niemand da war, als sie kam - meistens ist sie sonst so früh, dass wir noch beim Frühstück sitzen oder mindestens ich noch zu Hause bin. Dass sie beim Verlassen des Hauses das obere Schloss noch nie abgeschlossen hat, ist mir tatsächlich nicht aufgefallen, da man es auch "aufschließen" kann, wenn es gar nicht abgeschlossen ist ... Dennoch frage ich mich, warum ich ihr vor einem halben Jahr überhaupt einen nicht funktionierenden Schlüssel gegeben habe. Darauf haben wir beide keine Antwort. Mysterien des Alltags. Und damit geht dieser Montagvormittag in Gaborone auch schon zuende. Mal schauen, was der Montagnachmittag bringt ...
Heute klingelt der Wecker bereits um 6:15 Uhr, da für 8 Uhr ein Meeting in der NGO angesetzt ist, in der ich mithelfe. Ich fahre extra früh los, da insbesondere zwischen 6 und 8 Uhr mit starkem Berufsverkehr zu rechnen ist. Auf halber (oder eher: dreiviertel) Strecke ruft mich dann meine Kollegin Christina an, kein gutes Zeichen, wie mein Rückruf bestätigt: Das Meeting ist in letzter Minute gecancelt worden. Zum Trost lädt sie mich zu einer Tasse Kaffee ein (sie wohnt unweit der NGO) und eröffnet mir dabei, dass sie versucht ist, die Arbeit hinzuschmeißen - wobei sie in fünf Wochen eh wegzieht, aber bisher waren wir beide davon ausgegangen, dass sie den Unterricht noch bis zu meiner Rückkehr aus Deutschland übernehmen wird. Nun ist sie allerdings gerade so gefrustet, dass ich es durchaus verstehen könnte, wenn sie ab morgen nicht mehr kommt.
Während wir zusammensitzen, ruft mich unsere Haushaltshilfe Patricia an: Sie hat Probleme mit ihrem Schlüssel und kann unsere Haustür nicht öffnen. Ich rufe Philip an, der vom Büro aus wesentlich schneller zu Hause sein kann als ich von der Innenstadt aus. Zum Glück kann er es gerade einrichten, schnell heimzufahren.
Ich dagegen fahre wie geplant zum Wertstoffhof weiter, wo ich ab und an unser Altglas hinbringe und der im Dumont-Reiseführer tatsächlich als Sehenswürdigkeit genannt ist. Wir könnten zwar alles in den normalen Mülleimer schmeißen, aber zumindest Glas kann man zum Recyclen bringen und das wollen wir gerne unterstützen. Früher dürfte man auch Papier abgeben, aber das hat seit ein paar Monaten ein Ende, weil der Recyclinghof es nicht mehr zum Recyclen weitergeben kann - warum auch immer. Mit einem Blick auf die überquellenden Glastonnen fürchte ich, dass auch das Glas-Recycling bald ein Ende haben könnte und schnappe mir einen der herumstehenden Pappkartons, in den ich unser Altglas staple. Anschließend mache ich mir eine Notiz, unsere leeren Batterien nach Deutschland mitzunehmen.
Als nächstes fahre ich zur Sicherheitsfirma, um unsere Mai-Rechnung zu bezahlen und auch gleich nach der für Juni zu fragen, die längst ankommen hätte sollen. Hier habe ich das erste wirkliche Erfolgserlebnis des Tages: Die Juni-Rechnung kann mir sofort ausgedruckt werden, so dass ich gleich beide Rechnungen begleichen kann und weder Philip noch ich vor unserem Heimaturlaub noch einmal zur Sicherheitsfirma fahren müssen. Dinge, die dazu führen, dass wir was bezahlen müssen, klappen hier allerdings zugegebenermaßen meistens recht gut.
Auf dem Rückweg zum Auto spricht mich ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an und teilt mir mit, dass ihm kalt sei. Ich stimme ihm zu, mir ist auch kalt - das scheint allerdings nicht die Antwort zu sein, die er sich erhofft hat. Als nächstes behauptet er, auf mein Auto aufgepasst zu haben. Da ich es maximal eine Viertelstunde alleine gelassen habe und er nirgends zu sehen war, als ich parkte, halte ich das für ein Gerücht. Abgesehen davon arbeitet er laut seines ihm um den Hals hängenden Ausweises ja bei der Sicherheitsfirma, bei der ich gerade viel Geld gelassen habe, und nicht als Parkwächter. Er fragt schließlich, ob ich nicht ein paar fatcakes für ihn hätte, aber abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, welche Art von Gebäck das überhaupt ist, habe ich gar nichts zu essen bei mir. Enttäuscht zieht er von dannen.
Ich dagegen fahre weiter zu meinem nächsten Anlaufpunkt, einem Einkaufszentrum. Beim Geldautomaten unserer Bank hebe ich die zweite Hälfte unserer Miete ab. Wir überweisen sie von unserem botswanischen Konto, müssen dafür aber immer Geld von unserem deutschen Konto abheben, das wir dann auf das botswanische einzahlen. Es ist kompliziert (vor allem, da das Geld für die Miete immer an zwei verschiedenen Tagen abgehoben werden muss - es ist zu viel, um es komplett an einem Tag abheben zu können ...), aber so kostet das Ganze immerhin keine Gebühren.
Ich kaufe gleich noch ein paar Lebensmittel ein und fahre dann nach Hause, wo ich gerade noch unseren Gärtner antreffe, bevor er geht. Sam macht mich darauf aufmerksam, dass der Gartenwasser-Tank ausgelaufen ist. Immerhin hat einer der Obstbäume davon profitiert, unter dem das Schlauchende zufälllig lag ... er hat so viel Wasser abbekommen, dass er laut Sam ungewohnt "happy" ausschaut und vermutlich zwei Jahre nicht mehr gegossen werden müsse. Ich versuche, diese positive Sichtweise zu teilen und verspreche, für Donnerstag neues Gartenwasser zu ordern.
Als ich dann das Haus betrete, sehe ich gerade noch, wie Patricia unser Kunstledersofa mit Möbelpolitur einsprüht. Sie sagt mir, dass diese auch da prima wirken würde, was ich bezweifle, aber jetzt ist es eh zu spät. Patricia führt mir außerdem vor, dass nur ihr Haustürschlüssel für das untere Schloss funktioniert - der für das obere Schloss lässt sich nicht drehen und sie meint, ich hätte das bei der Schlüsselübergabe vor einem halben Jahr auch gewusst und mich darum kümmern wollen. Das kann durchaus sein, ich habe allerdings keinerlei Erinnerung daran. Heute ist das Ganze erstmals aufgefallen, da niemand da war, als sie kam - meistens ist sie sonst so früh, dass wir noch beim Frühstück sitzen oder mindestens ich noch zu Hause bin. Dass sie beim Verlassen des Hauses das obere Schloss noch nie abgeschlossen hat, ist mir tatsächlich nicht aufgefallen, da man es auch "aufschließen" kann, wenn es gar nicht abgeschlossen ist ... Dennoch frage ich mich, warum ich ihr vor einem halben Jahr überhaupt einen nicht funktionierenden Schlüssel gegeben habe. Darauf haben wir beide keine Antwort. Mysterien des Alltags. Und damit geht dieser Montagvormittag in Gaborone auch schon zuende. Mal schauen, was der Montagnachmittag bringt ...
Montag, 12. Juni 2017
Mandarinen
Aus der Reihe unserer Gartenfrüchte: Letztes Jahr hatten wir um diese Jahreszeit einige Grapefruits - dieses Jahr konnten wir leider keine einzige ernten. Dafür trägt dieses Jahr ein anderer Baum, der letztes Jahr keine Früchte hatte. Unser Gärtner Sam nennt diese Früchte "Natschis", wir finden diesen Namen jedoch online nicht. Es ist offenbar eine Zitrusfrucht (tragen Zitrusfrüchte nur jedes zweite Jahr?), allerdings fast ein wenig wie eine Birne geformt. Innen ist sie nach Aussehen und Geschmack eindeutig eine Mandarine. Lecker!
Dienstag, 6. Juni 2017
Verweichlicht
Der astronomische Winter beginnt auf der Südhalbkugel am 21. Juni. Bald geht's also los - und das merken wir! Ich plane diesen Blogbeitrag auch schon seit ein paar Tagen - seit ich letzte Woche gesehen habe, dass die botswanische Regierung auf ihrer Facebookseite einen Eintrag zu den Tiefsttemperaturen gepostet hat. Am 31.05. um 7:50h verkündete sie den "Forecast minimum temperatures for today" mit "Gaborone 6", was mich sehr beeindruckt hat. Das muss allerdings entweder die Prognose für einen anderen Teil der Stadt und/oder mitten in der Nacht gewesen sein, denn unser Außenthermometer hat bisher noch nicht weniger als 12 Grad angezeigt - zumindest, wenn wir gerade mal draufgeschaut haben ...
Für deutsche Verhältnisse erscheint es nicht so kalt, aber in unserem Wohnzimmer sind es morgens und abends gerade frische 16 Grad. Tendenz sinkend. Der in der Regel sehr strahlende Sonnenschein tagsüber macht das zwar immer wieder wett, aber morgens und abends frieren wir hier doch schon etwas vor uns hin. Unser neuerworbenes Heizöfchen haben wir trotzdem noch nicht in Betrieb genommen und auch unseren Kamin hatten wir - im Gegensatz zu den meisten unserer Freunde hier - noch nicht an. Man muss ja noch Steigerungsmöglichkeiten haben und wie gesagt, der Winter beginnt erst noch ...
So hätte dieser Blogbeitrag geendet, wenn ich ihn letzte Woche online gestellt hätte. Denn inzwischen sind Philip und mir Zweifel gekommen: Sind wir vielleicht nach über einem Jahr Gaborone einfach etwas verweichlicht? Gerade haben wir Besuch aus Deutschland, der sich vielleicht mal ein paar Socken oder etwas Langärmeliges anzieht, während wir uns abends auf der Terrasse in Decken hüllen. (Ohne den Besuch würden wir vermutlich auch gar nicht mehr abends auf der Terrasse sitzen, sondern in unserem kleinen Fernsehzimmer die Klimaanlage auf "warm" stellen.) Immerhin fanden wir es bei unserem letzten Deutschlandbesuch von Mitte Dezember bis Anfang Januar gar nicht so kalt, von daher hat die Verweichlichung vielleicht noch nicht so lange eingesetzt ... Der botswanische Winter ist auf jeden Fall nicht unbedingt unsere Lieblingsjahreszeit hier, obwohl es tagsüber sehr angenehm ist.
Für deutsche Verhältnisse erscheint es nicht so kalt, aber in unserem Wohnzimmer sind es morgens und abends gerade frische 16 Grad. Tendenz sinkend. Der in der Regel sehr strahlende Sonnenschein tagsüber macht das zwar immer wieder wett, aber morgens und abends frieren wir hier doch schon etwas vor uns hin. Unser neuerworbenes Heizöfchen haben wir trotzdem noch nicht in Betrieb genommen und auch unseren Kamin hatten wir - im Gegensatz zu den meisten unserer Freunde hier - noch nicht an. Man muss ja noch Steigerungsmöglichkeiten haben und wie gesagt, der Winter beginnt erst noch ...
So hätte dieser Blogbeitrag geendet, wenn ich ihn letzte Woche online gestellt hätte. Denn inzwischen sind Philip und mir Zweifel gekommen: Sind wir vielleicht nach über einem Jahr Gaborone einfach etwas verweichlicht? Gerade haben wir Besuch aus Deutschland, der sich vielleicht mal ein paar Socken oder etwas Langärmeliges anzieht, während wir uns abends auf der Terrasse in Decken hüllen. (Ohne den Besuch würden wir vermutlich auch gar nicht mehr abends auf der Terrasse sitzen, sondern in unserem kleinen Fernsehzimmer die Klimaanlage auf "warm" stellen.) Immerhin fanden wir es bei unserem letzten Deutschlandbesuch von Mitte Dezember bis Anfang Januar gar nicht so kalt, von daher hat die Verweichlichung vielleicht noch nicht so lange eingesetzt ... Der botswanische Winter ist auf jeden Fall nicht unbedingt unsere Lieblingsjahreszeit hier, obwohl es tagsüber sehr angenehm ist.
Montag, 29. Mai 2017
Fensterlos durch Swakopmund
Der Mann einer hiesigen Freundin stellt mir zuverlässig immer die gleiche Frage, wenn wir uns treffen: "Verreist Du schon wieder?" Und tatsächlich kann ich dann auch immer von einer anstehenden Reise berichten, so auch beim Grillen am vorletzten Freitag, als wir uns zum letzten Mal sahen. Da flog ich nämlich bereits ein paar Stunden später über Johannesburg ins namibische Swakopmund. Meine zweite Namibia-Reise - und schon wieder ohne Philip! Wenn wir nächstes Mal hoffentlich gemeinsam dorthin reisen, eigne ich mich dann immerhin als Städteguide ...
Diese Gelegenheit musste ich aber einfach wahrnehmen: Freunde reisen gerade durchs südliche Afrika und in einem ihrer zwei Dachzelte war sogar noch ein Platz für mich frei. Und so hatte ich mich mit Geno, Ali und Christiane an einem sonnigen Samstagnachmittag im idyllisch-altmodischen Swakopmunder Café Anton verabredet, wo ich bereits im Februar ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gegessen hatte. Wir freuten uns über das Wiedersehen und tranken da erst einmal Kaffee.
Der gemütliche Teil des Nachmittags fand jedoch ein jähes Ende. Christiane war schon einmal zum Auto zurückgegangen, um den Camping-Kühlschrank auszuschalten. Und musste entdecken, dass eines der beiden hinteren Seitenfenster eingeschlagen worden war. Bald darauf wurde uns auch klar, warum: Ali hatte seinen Rucksack auf der Rückbank gelassen. Und der war nun weg.
Swakopmund - die vermutlich deutscheste afrikanische Stadt der Welt - macht eigentlich einen sehr friedlichen Eindruck. Schnuckelige Häuser, breite Straßen, Fußgängerzonen ... und der Parkplatz war eigentlich in einer der Hauptstraßen. Allerdings ist Swakopmund auch etwas verschlafen, das Auto parkte an diesem Nachmittag ganz alleine auf diesem Parkplatz. Und weit und breit war kein Parkplatzwächter zu sehen, die sonst ja oft rumstehen und sich über ein Trinkgeld freuen. Wir hatten wohl einfach Pech.
Im Café Anton konnte man uns zwar nicht die Telefonnummer der örtlichen Polizei geben, dafür aber den Weg beschreiben: Die Station war keine zehn Minuten entfernt. Wir waren fast die einzigen, die sich an diesem Nachmittag dort einfanden und die Polizistin, die unseren Bericht aufnahm, hatte von dem Auto mit der eingeschlagenen Scheibe sogar bereits gehört; Kollegen von ihr waren schon auf der Suche nach uns gewesen. Geno und Christiane schrieben auf, was im Rucksack war, brauchten dann aber Ali, der allerdings beim Auto geblieben war, woraufhin Geno dorthin zurücklief ... die Polizistinnen und ihr männlicher Kollege, der die ganze Zeit im Unterhemd rumlief, hatten die Ruhe weg und warteten eh auf ihren Chef, der kommen sollte, um die Sache zu klären. Ich ging irgendwann zur Bank und leistete dann Geno Gesellschaft, die das Auto inzwischen vor der Polizeistation geparkt hatte und von den Glassplittern säuberte. Schließlich näherten sich uns zwei Männer, von denen der eine etwas abgerissen aussah. Sie erkundigten sich, was passiert war und der etwas Abgerissene stellte den anderen als den zuständigen Polizisten vor, der nochmal wissen wollte, was geklaut worden wäre etc. - alles Fragen, die wir auf der Polizeistation schon mehrmals beantwortet hatten. Schließlich wunderte er sich, dass wir immer noch auf den Bericht für die Versicherung warteteten und kündigte an, mal im Gebäude nach dem Rechten zu sehen. Wir sahen ihm nach und ich sagte zu Geno: "Ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob der Typ uns nicht doch verarscht." Daraufhin schaltete sich der andere ein: "No, no, he really is a police officer." Ja, das bin ich aus Botswana einfach nicht gewohnt: Gefühlt versteht jeder Zweite in Namibia deutsch ...
Der etwas abgerissene Typ entpuppte sich als Schlüsselanhängerverkäufer, der aber relativ schnell verstand, dass wir aktuell nicht in der Stimmung waren, ihm etwas abzukaufen. Sein Polizeifreund in Zivil verfasste derweil selbst handschriftlich den Bericht und wir konnten schließlich gehen. Festzuhalten bleibt, dass Swakopmund alles in allem doch ein ziemlich sicheres Pflaster sein muss - nicht nur war auf der Polizeistation so gut wie nichts los, wir wurden am nächsten Tag auch noch anderswo von einem Parkplatzwächter angesprochen, ob wir diejenigen gewesen wären, denen die Scheibe am Vortag eingeschlagen worden wäre ... wir waren Gesprächsthema!
Da es bereits auf den Samstagabend zuging, mussten wir am Wochenende erstmal ohne die Scheibe klarkommen und behalfen uns schließlich mit einer Mülltütenkonstruktion, die erstaunlich haltbar war. In Botswana sieht man manchmal mit Frischhaltefolie umwickelte Autotüren, in denen die Fenster fehlen. Unsere Konstruktion war eleganter, aber auch weniger durchsichtig.
Zum Glück ließ die Autovermietung die Scheibe am Montag ersetzen und wir konnten die Reise wie geplant fortsetzen. Nur schade um Rucksack und Inhalt, die bislang nicht wieder aufgetaucht sind.
Diese Gelegenheit musste ich aber einfach wahrnehmen: Freunde reisen gerade durchs südliche Afrika und in einem ihrer zwei Dachzelte war sogar noch ein Platz für mich frei. Und so hatte ich mich mit Geno, Ali und Christiane an einem sonnigen Samstagnachmittag im idyllisch-altmodischen Swakopmunder Café Anton verabredet, wo ich bereits im Februar ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gegessen hatte. Wir freuten uns über das Wiedersehen und tranken da erst einmal Kaffee.
Der gemütliche Teil des Nachmittags fand jedoch ein jähes Ende. Christiane war schon einmal zum Auto zurückgegangen, um den Camping-Kühlschrank auszuschalten. Und musste entdecken, dass eines der beiden hinteren Seitenfenster eingeschlagen worden war. Bald darauf wurde uns auch klar, warum: Ali hatte seinen Rucksack auf der Rückbank gelassen. Und der war nun weg.
Swakopmund - die vermutlich deutscheste afrikanische Stadt der Welt - macht eigentlich einen sehr friedlichen Eindruck. Schnuckelige Häuser, breite Straßen, Fußgängerzonen ... und der Parkplatz war eigentlich in einer der Hauptstraßen. Allerdings ist Swakopmund auch etwas verschlafen, das Auto parkte an diesem Nachmittag ganz alleine auf diesem Parkplatz. Und weit und breit war kein Parkplatzwächter zu sehen, die sonst ja oft rumstehen und sich über ein Trinkgeld freuen. Wir hatten wohl einfach Pech.
Im Café Anton konnte man uns zwar nicht die Telefonnummer der örtlichen Polizei geben, dafür aber den Weg beschreiben: Die Station war keine zehn Minuten entfernt. Wir waren fast die einzigen, die sich an diesem Nachmittag dort einfanden und die Polizistin, die unseren Bericht aufnahm, hatte von dem Auto mit der eingeschlagenen Scheibe sogar bereits gehört; Kollegen von ihr waren schon auf der Suche nach uns gewesen. Geno und Christiane schrieben auf, was im Rucksack war, brauchten dann aber Ali, der allerdings beim Auto geblieben war, woraufhin Geno dorthin zurücklief ... die Polizistinnen und ihr männlicher Kollege, der die ganze Zeit im Unterhemd rumlief, hatten die Ruhe weg und warteten eh auf ihren Chef, der kommen sollte, um die Sache zu klären. Ich ging irgendwann zur Bank und leistete dann Geno Gesellschaft, die das Auto inzwischen vor der Polizeistation geparkt hatte und von den Glassplittern säuberte. Schließlich näherten sich uns zwei Männer, von denen der eine etwas abgerissen aussah. Sie erkundigten sich, was passiert war und der etwas Abgerissene stellte den anderen als den zuständigen Polizisten vor, der nochmal wissen wollte, was geklaut worden wäre etc. - alles Fragen, die wir auf der Polizeistation schon mehrmals beantwortet hatten. Schließlich wunderte er sich, dass wir immer noch auf den Bericht für die Versicherung warteteten und kündigte an, mal im Gebäude nach dem Rechten zu sehen. Wir sahen ihm nach und ich sagte zu Geno: "Ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob der Typ uns nicht doch verarscht." Daraufhin schaltete sich der andere ein: "No, no, he really is a police officer." Ja, das bin ich aus Botswana einfach nicht gewohnt: Gefühlt versteht jeder Zweite in Namibia deutsch ...
Der etwas abgerissene Typ entpuppte sich als Schlüsselanhängerverkäufer, der aber relativ schnell verstand, dass wir aktuell nicht in der Stimmung waren, ihm etwas abzukaufen. Sein Polizeifreund in Zivil verfasste derweil selbst handschriftlich den Bericht und wir konnten schließlich gehen. Festzuhalten bleibt, dass Swakopmund alles in allem doch ein ziemlich sicheres Pflaster sein muss - nicht nur war auf der Polizeistation so gut wie nichts los, wir wurden am nächsten Tag auch noch anderswo von einem Parkplatzwächter angesprochen, ob wir diejenigen gewesen wären, denen die Scheibe am Vortag eingeschlagen worden wäre ... wir waren Gesprächsthema!
Da es bereits auf den Samstagabend zuging, mussten wir am Wochenende erstmal ohne die Scheibe klarkommen und behalfen uns schließlich mit einer Mülltütenkonstruktion, die erstaunlich haltbar war. In Botswana sieht man manchmal mit Frischhaltefolie umwickelte Autotüren, in denen die Fenster fehlen. Unsere Konstruktion war eleganter, aber auch weniger durchsichtig.
Zum Glück ließ die Autovermietung die Scheibe am Montag ersetzen und wir konnten die Reise wie geplant fortsetzen. Nur schade um Rucksack und Inhalt, die bislang nicht wieder aufgetaucht sind.
Donnerstag, 18. Mai 2017
Plötzlich Referendarin
Seit Anfang April helfe ich bei der NGO "Stepping Stones". Sie hat ihren Hauptsitz im ca. 40 km entfernten Mochudi, hier in Gaborone jedoch einen Ableger in den Räumen der amerikanischen Kinderklinik Baylor. Dort absolvieren mehrheitlich HIV-infizierte Jugendliche im Alter von 17 Jahren bis Anfang 20 ein ca. zehnmonatiges Programm, das sie auf ein erfolgreicheres Berufsleben vorbereiten soll. In erster Linie soll es ihnen wohl einen Vorsprung verschaffen, damit sie trotz der hohen Arbeitslosigkeit in Botswana einen Job finden.
Bei Baylor/Stepping Stones findet immer von dienstags bis freitags Unterricht statt, jeweils von 9 bis 12 Uhr. Ich helfe immer dienstags und mittwochs. Am Dienstag wird "Aflateen" unterrichtet, das ist ein speziell für Teenager entwickelter Wirtschaftsunterricht auf eher niedrigem Niveau. Ich weiß gar nicht genau, in welchem Land "Aflateen" entwickelt wurde, aber es wird inzwischen wohl in ca. 50 (Entwicklungs-?)Ländern gelehrt. Wir haben ein sehr ausgearbeitetes Programm vorliegen. Im Moment beschäftigen wir uns in Aflateen mit dem Umgang mit Geld, gucken uns an, wie ein Sparplan aussehen könnte, reden über Bankkonten (die hier auch viele Erwachsene nicht haben) und darüber, wie eine Kreditkarte funktioniert.
Der Unterricht am Mittwoch nennt sich "Leadership", wobei das inhaltlich nicht zu eng zu sehen ist. Es wird zwar immer so getan, als sollte der Unterricht bei Baylor/Stepping Stones die Jugendlichen auch auf eine Führungstätigkeit vorbereiten, aber bis dahin haben sie definitiv noch einen weiteren Weg vor sich als dieses zehnmonatige Programm mit ihnen gehen kann. Diese Woche haben wir in Leadership über Gender-Rollen und HIV gesprochen.
Ich bin über eine Bekannte zu Baylor/Stepping Stones gekommen. Sie ist eine deutsche Lehrerin und lehrt seit anderthalb Jahren diese beiden Fächer, wird Botswana im Juli jedoch verlassen. Im Moment unterstütze ich ihren Unterricht, ab Juli soll ich alleine übernehmen. Wobei wir meist nicht ganz alleine sind - es gibt auch immer wieder botswanische Studenten, die beim Unterricht mithelfen. Diese kommen und gehen allerdings sehr unzuverlässig - manchmal sind fünf von ihnen da, manchmal keiner.
Und die Schüler? Momentan sind es noch über 30, aber demnächst soll etwas ausgesiebt werden - wer mehr als 10% des Unterrichts unentschuldigt verpasst, darf nicht mehr kommen. Es dürften ungefähr gleich viele Mädchen und Jungs sein. Einige haben den niedrigsten Schulabschluss, andere könnten zumindest in Botswana studieren, das macht den Unterricht für uns nicht leicht. Mit einer weiteren Erschwernis hatte ich gar nicht gerechnet: Einige sprechen nur sehr schlecht Englisch. An botswanischen Schulen sollen die Lehrer zwar ab der ersten Klasse auf Englisch unterrichten, aber es halten sich anscheinend viele nicht daran - aus Bequemlichkeit, heißt es. Und auch Schüler, die besser Englisch sprechen, tun sich mit dem Schreiben teils erschreckend schwer.
Insgesamt ist das Ganze mühsamer, als ich mir das vorher vorgestellt hätte. Aber auf der anderen Seite auch spannend. Ich bekomme so noch einmal ein anderes Botswana mit. Im Unterricht versuchen wir, viel zu diskutieren - manchmal kommt gar nichts von den Schülern, aber häufig bekommt man auch interessante Perspektiven zu hören. Ab und an kommen sie mir noch recht kindlich vor und ich wundere mich über das Fehlen von Ironie und Sarkasmus, den deutsche Altersgenossen sicher das ein oder andere Mal an den Tag legen würden. So zum Beispiel vorletzten Mittwoch in "Leadership" - nachdem die Schüler gebrainstormt hatten, was Werte sind und welche Werte es so gibt, sollten sie sich ihre drei Lieblingswerte überlegen (oft genannt wurde so etwas wie "love", "peace" und "honesty"). Damit nicht genug - meine deutsche Kollegin hatte sich überlegt, dass sie sich eine Kette mit ihren drei Lieblingswerten basteln sollten. Ich hatte dafür die ganze Stunde lang im Hintergrund Herzen, Dreiecke und Kreise aus bunten Pappen ausgeschnitten sowie Schnüre abgemessen - ich kam mir vor wie eine Grundschulreferendarin. Und hätte man uns damals in der Oberstufe gebeten, Pappsymbole auf eine Schnur aufzufädeln, diese noch mit unseren Lieblingswerten zu beschriften und um den Hals zu hängen - ich hätte vermutlich am Geisteszustand des Lehrers gezweifelt. Aber hier kam die Aktion bei den Schülern sehr gut an. Ich muss noch viel lernen.
Laut meiner deutschen Kollegin kommen die Jugendlichen aus sehr unterschiedlichen Elternhäusern - einige aus gutsituierten, andere aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Handys haben sie natürlich trotzdem alle, aber dafür fehlt es oft an Kugelschreibern. Manchmal fahre ich mit mehr Fragen im Kopf nach Hause, als ich gekommen bin. Manchmal ist es frustrierend. Aber insgesamt denke ich, dass die meisten der Schüler irgendetwas aus dem Unterricht mitnehmen - und das ist ja erst einmal eine gute Sache.
Bei Baylor/Stepping Stones findet immer von dienstags bis freitags Unterricht statt, jeweils von 9 bis 12 Uhr. Ich helfe immer dienstags und mittwochs. Am Dienstag wird "Aflateen" unterrichtet, das ist ein speziell für Teenager entwickelter Wirtschaftsunterricht auf eher niedrigem Niveau. Ich weiß gar nicht genau, in welchem Land "Aflateen" entwickelt wurde, aber es wird inzwischen wohl in ca. 50 (Entwicklungs-?)Ländern gelehrt. Wir haben ein sehr ausgearbeitetes Programm vorliegen. Im Moment beschäftigen wir uns in Aflateen mit dem Umgang mit Geld, gucken uns an, wie ein Sparplan aussehen könnte, reden über Bankkonten (die hier auch viele Erwachsene nicht haben) und darüber, wie eine Kreditkarte funktioniert.
Der Unterricht am Mittwoch nennt sich "Leadership", wobei das inhaltlich nicht zu eng zu sehen ist. Es wird zwar immer so getan, als sollte der Unterricht bei Baylor/Stepping Stones die Jugendlichen auch auf eine Führungstätigkeit vorbereiten, aber bis dahin haben sie definitiv noch einen weiteren Weg vor sich als dieses zehnmonatige Programm mit ihnen gehen kann. Diese Woche haben wir in Leadership über Gender-Rollen und HIV gesprochen.
Ich bin über eine Bekannte zu Baylor/Stepping Stones gekommen. Sie ist eine deutsche Lehrerin und lehrt seit anderthalb Jahren diese beiden Fächer, wird Botswana im Juli jedoch verlassen. Im Moment unterstütze ich ihren Unterricht, ab Juli soll ich alleine übernehmen. Wobei wir meist nicht ganz alleine sind - es gibt auch immer wieder botswanische Studenten, die beim Unterricht mithelfen. Diese kommen und gehen allerdings sehr unzuverlässig - manchmal sind fünf von ihnen da, manchmal keiner.
Und die Schüler? Momentan sind es noch über 30, aber demnächst soll etwas ausgesiebt werden - wer mehr als 10% des Unterrichts unentschuldigt verpasst, darf nicht mehr kommen. Es dürften ungefähr gleich viele Mädchen und Jungs sein. Einige haben den niedrigsten Schulabschluss, andere könnten zumindest in Botswana studieren, das macht den Unterricht für uns nicht leicht. Mit einer weiteren Erschwernis hatte ich gar nicht gerechnet: Einige sprechen nur sehr schlecht Englisch. An botswanischen Schulen sollen die Lehrer zwar ab der ersten Klasse auf Englisch unterrichten, aber es halten sich anscheinend viele nicht daran - aus Bequemlichkeit, heißt es. Und auch Schüler, die besser Englisch sprechen, tun sich mit dem Schreiben teils erschreckend schwer.
Insgesamt ist das Ganze mühsamer, als ich mir das vorher vorgestellt hätte. Aber auf der anderen Seite auch spannend. Ich bekomme so noch einmal ein anderes Botswana mit. Im Unterricht versuchen wir, viel zu diskutieren - manchmal kommt gar nichts von den Schülern, aber häufig bekommt man auch interessante Perspektiven zu hören. Ab und an kommen sie mir noch recht kindlich vor und ich wundere mich über das Fehlen von Ironie und Sarkasmus, den deutsche Altersgenossen sicher das ein oder andere Mal an den Tag legen würden. So zum Beispiel vorletzten Mittwoch in "Leadership" - nachdem die Schüler gebrainstormt hatten, was Werte sind und welche Werte es so gibt, sollten sie sich ihre drei Lieblingswerte überlegen (oft genannt wurde so etwas wie "love", "peace" und "honesty"). Damit nicht genug - meine deutsche Kollegin hatte sich überlegt, dass sie sich eine Kette mit ihren drei Lieblingswerten basteln sollten. Ich hatte dafür die ganze Stunde lang im Hintergrund Herzen, Dreiecke und Kreise aus bunten Pappen ausgeschnitten sowie Schnüre abgemessen - ich kam mir vor wie eine Grundschulreferendarin. Und hätte man uns damals in der Oberstufe gebeten, Pappsymbole auf eine Schnur aufzufädeln, diese noch mit unseren Lieblingswerten zu beschriften und um den Hals zu hängen - ich hätte vermutlich am Geisteszustand des Lehrers gezweifelt. Aber hier kam die Aktion bei den Schülern sehr gut an. Ich muss noch viel lernen.
Laut meiner deutschen Kollegin kommen die Jugendlichen aus sehr unterschiedlichen Elternhäusern - einige aus gutsituierten, andere aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Handys haben sie natürlich trotzdem alle, aber dafür fehlt es oft an Kugelschreibern. Manchmal fahre ich mit mehr Fragen im Kopf nach Hause, als ich gekommen bin. Manchmal ist es frustrierend. Aber insgesamt denke ich, dass die meisten der Schüler irgendetwas aus dem Unterricht mitnehmen - und das ist ja erst einmal eine gute Sache.
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