Montag, 19. Juni 2017

Montagmorgen in Gaborone

Manchmal werde ich gefragt, was ich in Gaborone denn eigentlich den ganzen Tag so mache. Und manchmal frage ich mich das sogar auch. Dieser Montagmorgen zum Beispiel wird mir nicht länger im Gedächtnis bleiben und ich habe auch nicht das Gefühl, dass er so wahnsinnig erfolgreich war. Dennoch fühlte ich mich durchaus beschäftigt ... hier eine Schilderung der (Nicht-)Ereignisse:

Heute klingelt der Wecker bereits um 6:15 Uhr, da für 8 Uhr ein Meeting in der NGO angesetzt ist, in der ich mithelfe. Ich fahre extra früh los, da insbesondere zwischen 6 und 8 Uhr mit starkem Berufsverkehr zu rechnen ist. Auf halber (oder eher: dreiviertel) Strecke ruft mich dann meine Kollegin Christina an, kein gutes Zeichen, wie mein Rückruf bestätigt: Das Meeting ist in letzter Minute gecancelt worden. Zum Trost lädt sie mich zu einer Tasse Kaffee ein (sie wohnt unweit der NGO) und eröffnet mir dabei, dass sie versucht ist, die Arbeit hinzuschmeißen - wobei sie in fünf Wochen eh wegzieht, aber bisher waren wir beide davon ausgegangen, dass sie den Unterricht noch bis zu meiner Rückkehr aus Deutschland übernehmen wird. Nun ist sie allerdings gerade so gefrustet, dass ich es durchaus verstehen könnte, wenn sie ab morgen nicht mehr kommt.
Während wir zusammensitzen, ruft mich unsere Haushaltshilfe Patricia an: Sie hat Probleme mit ihrem Schlüssel und kann unsere Haustür nicht öffnen. Ich rufe Philip an, der vom Büro aus wesentlich schneller zu Hause sein kann als ich von der Innenstadt aus. Zum Glück kann er es gerade einrichten, schnell heimzufahren.

Ich dagegen fahre wie geplant zum Wertstoffhof weiter, wo ich ab und an unser Altglas hinbringe und der im Dumont-Reiseführer tatsächlich als Sehenswürdigkeit genannt ist. Wir könnten zwar alles in den normalen Mülleimer schmeißen, aber zumindest Glas kann man zum Recyclen bringen und das wollen wir gerne unterstützen. Früher dürfte man auch Papier abgeben, aber das hat seit ein paar Monaten ein Ende, weil der Recyclinghof es nicht mehr zum Recyclen weitergeben kann - warum auch immer. Mit einem Blick auf die überquellenden Glastonnen fürchte ich, dass auch das Glas-Recycling bald ein Ende haben könnte und schnappe mir einen der herumstehenden Pappkartons, in den ich unser Altglas staple. Anschließend mache ich mir eine Notiz, unsere leeren Batterien nach Deutschland mitzunehmen.
Als nächstes fahre ich zur Sicherheitsfirma, um unsere Mai-Rechnung zu bezahlen und auch gleich nach der für Juni zu fragen, die längst ankommen hätte sollen. Hier habe ich das erste wirkliche Erfolgserlebnis des Tages: Die Juni-Rechnung kann mir sofort ausgedruckt werden, so dass ich gleich beide Rechnungen begleichen kann und weder Philip noch ich vor unserem Heimaturlaub noch einmal zur Sicherheitsfirma fahren müssen. Dinge, die dazu führen, dass wir was bezahlen müssen, klappen hier allerdings zugegebenermaßen meistens recht gut.
Auf dem Rückweg zum Auto spricht mich ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an und teilt mir mit, dass ihm kalt sei. Ich stimme ihm zu, mir ist auch kalt - das scheint allerdings nicht die Antwort zu sein, die er sich erhofft hat. Als nächstes behauptet er, auf mein Auto aufgepasst zu haben. Da ich es maximal eine Viertelstunde alleine gelassen habe und er nirgends zu sehen war, als ich parkte, halte ich das für ein Gerücht. Abgesehen davon arbeitet er laut seines ihm um den Hals hängenden Ausweises ja bei der Sicherheitsfirma, bei der ich gerade viel Geld gelassen habe, und nicht als Parkwächter. Er fragt schließlich, ob ich nicht ein paar fatcakes für ihn hätte, aber abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, welche Art von Gebäck das überhaupt ist, habe ich gar nichts zu essen bei mir. Enttäuscht zieht er von dannen.

Ich dagegen fahre weiter zu meinem nächsten Anlaufpunkt, einem Einkaufszentrum. Beim Geldautomaten unserer Bank hebe ich die zweite Hälfte unserer Miete ab. Wir überweisen sie von unserem botswanischen Konto, müssen dafür aber immer Geld von unserem deutschen Konto abheben, das wir dann auf das botswanische einzahlen. Es ist kompliziert (vor allem, da das Geld für die Miete immer an zwei verschiedenen Tagen abgehoben werden muss - es ist zu viel, um es komplett an einem Tag abheben zu können ...), aber so kostet das Ganze immerhin keine Gebühren.
Ich kaufe gleich noch ein paar Lebensmittel ein und fahre dann nach Hause, wo ich gerade noch unseren Gärtner antreffe, bevor er geht. Sam macht mich darauf aufmerksam, dass der Gartenwasser-Tank ausgelaufen ist. Immerhin hat einer der Obstbäume davon profitiert, unter dem das Schlauchende zufälllig lag ... er hat so viel Wasser abbekommen, dass er laut Sam ungewohnt "happy" ausschaut und vermutlich zwei Jahre nicht mehr gegossen werden müsse. Ich versuche, diese positive Sichtweise zu teilen und verspreche, für Donnerstag neues Gartenwasser zu ordern.

Als ich dann das Haus betrete, sehe ich gerade noch, wie Patricia unser Kunstledersofa mit Möbelpolitur einsprüht. Sie sagt mir, dass diese auch da prima wirken würde, was ich bezweifle, aber jetzt ist es eh zu spät. Patricia führt mir außerdem vor, dass nur ihr Haustürschlüssel für das untere Schloss funktioniert - der für das obere Schloss lässt sich nicht drehen und sie meint, ich hätte das bei der Schlüsselübergabe vor einem halben Jahr auch gewusst und mich darum kümmern wollen. Das kann durchaus sein, ich habe allerdings keinerlei Erinnerung daran. Heute ist das Ganze erstmals aufgefallen, da niemand da war, als sie kam - meistens ist sie sonst so früh, dass wir noch beim Frühstück sitzen oder mindestens ich noch zu Hause bin. Dass sie beim Verlassen des Hauses das obere Schloss noch nie abgeschlossen hat, ist mir tatsächlich nicht aufgefallen, da man es auch "aufschließen" kann, wenn es gar nicht abgeschlossen ist ... Dennoch frage ich mich, warum ich ihr vor einem halben Jahr überhaupt einen nicht funktionierenden Schlüssel gegeben habe. Darauf haben wir beide keine Antwort. Mysterien des Alltags. Und damit geht dieser Montagvormittag in Gaborone auch schon zuende. Mal schauen, was der Montagnachmittag bringt ...

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