Dienstag, 16. Februar 2016

Warm-up

In meiner Branche ist das "Warm-up" das Aufwärmen des Publikums. Bevor z.B. eine Fernsehaufzeichnung beginnt, kommt entweder der Gastgeber oder sogar ein hauptberuflicher "Warm-upper" auf die Bühne. Er begrüßt das wartende Publikum, macht ein paar erste Witze, erklärt etwas zu Kameras und Notausgängen, ermutigt, sich zu amüsieren und beim kleinsten Verdacht auf Lustigkeit zu lachen, probt eventuell noch Appläuse und macht die Leute so bereit für die folgende Show.

Ein "Aufwärmen" kann aber auch in anderen Lebenslagen nützlich sein. Auch mit neuen Situationen muss man ja ab und an erst einmal warm werden. Und manchmal sogar nicht nur man selbst, sondern auch das Umfeld. Ein Beispiel: Ich habe ja in Mainz studiert, Buchwissenschaften. Mir kommt das schon lange nicht mehr exotisch vor, aber damals war es das - kein Mensch aus meinem Umfeld hatte jemals von diesem Studienfach gehört. Kurz nach Beginn meines Studiums hatte ich dann folgenden Dialog mit einer mir nahestehenden Person:
X: Ich weiß gar nicht, was ich antworten soll, wenn mich Leute fragen, was Du jetzt machst.
Ich: Hmmm. Was sagst Du denn dann, wenn Dich jemand fragt?
X: Dass Du bei der Sparkasse arbeitest?
(Wir mussten dann beide lachen ...)

Das alles ist inzwischen lange her. Ich musste schon ewig niemandem mehr erklären, was "Buchwissenschaft" eigentlich ist. Trotzdem denke ich in letzter Zeit öfters daran. Inzwischen erkläre ich nämlich Botswana (ich versuche es zumindest). Davon haben generell sicher schon mehr Leute gehört als von Buchwissenschaft, aber da war noch kaum jemand - ich ja auch nicht. Letzteres macht das Ganze nicht einfacher, weil ich längst nicht jede Frage zu Botswana beantworten kann, die mir gestellt wird. Ich bin auch noch in der Aufwärmphase und mache es wie mein Umfeld - mich langsam rantasten. Philip hat mir letzte Woche ein paar botswanische Geldscheine gezeigt. Diese habe ich mit ins Büro genommen und ein paar Kollegen präsentiert. Wir haben uns zusammen die englische Aufschrift, die abgebildeten Zebras und andere Motive angeschaut und danach war Botswana schon wieder ein klein bisschen greifbarer und ich (und vielleicht auch die Kollegen) ein bisschen mehr aufgewärmt. Die Währung dort heißt übrigens Botswanischer Pula und Pula wiederum heißt Regen. Ein Botswanischer Pula hat 100 Thebe. Thebe bedeutet Regentropfen. Ist das nicht fast poetisch?

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