Samstag, 28. Mai 2016

Löwenfrühstück

Wir diskutieren ja immer noch ein wenig, wie wir hier weitere Urlaube in Botswana verbringen. Ein Großteil der Lodges in den Nationalparks ist, nun ja, vielleicht doch nicht ganz für unseren Geldbeutel ausgelegt (obwohl, ich könnte ja auch mal online Lotto spielen...). Diese Woche bin ich zufällig wieder einmal auf die Website einer traumhaften Lodge gekommen. Bei ca. 5.500 US-$ pro Nacht und Person (immerhin, all inclusive bis auf den Champagner) hörte ich dann auf, weiter diese Website zu betrachten. Die Alternative zu einem Lodge-Urlaub wäre ein Zelt-Urlaub (und wir hoffen weiterhin, auch noch andere bezahlbare Unterkünfte zu finden).
Heute schickte mir Walli einen Link zu einem Video, das im Kalagadi Transfrontier-Nationalpark an der Grenze von Südafrika, Namibia und Botswana auf einem Zeltplatz aufgenommen wurde.


Die Zeltbewohner wurden wohl aufgeweckt durch Löwen, die den Tau von den Zeltplanen abschleckten. Eine spannende Art, aufzuwachen! Ich schrieb' ja glaube ich schon mal, dass Botswana ein eher trockenes Land ist... da muss man wohl auf jeden Tropfen Wasser zurückgreifen, der verfügbar ist.
Nun überlegt eine/r von uns beiden, ob Zelturlaub hier wirklich eine clevere Idee ist. Ich habe mir jedenfalls schon mal den Campingplatz notiert, auf dem das Video entstanden ist.... [Walli: Für meine no-go-Liste ebenfalls notiert.]

Freitag, 27. Mai 2016

Unser Kiez

Wir leben in einem Viertel namens "Kgale View". Es heißt so, weil man von hier einen sehr guten Blick auf den "Kgale Hill" hat - das ist quasi der Hausberg von Gaborone. Zu Philips Leidwesen haben wir ihn noch nicht erklommen, was vor allem daran liegt, dass er mir mit als erstes erzählt hat, dass man beim Wandern sämtliche Wertsachen (wie immer bis hin zu Ehering und Armbanduhr) zu Hause lassen sollte, da es wohl gelegentlich zu Überfällen auf Wanderer kommt ... das hat meine Wanderlust doch ziemlich gebremst. [Philip: Am Wochenende laufen wir aber mal hoch, oder?]

Kgale View ist in erster Linie ein Wohnviertel, an dessen Rand die schön ofters genannte Mall Game City liegt und gleich daneben die kleinere Nachbar-Mall Kgale Hill. Neben den Malls gibt es noch ein paar Straßen mit Bürohäusern - in einem davon arbeitet Philip. So ist also eigentlich die Strecke von unserem Haus bis zu Game City / zur Kgale Hill Mall - und für Philip dann noch weiter bis zu seinem Büro - unser Kiez. Zwischen unserem Haus und den Einkaufszentren bin ich öfters zu Fuß unterwegs; in der Regel als einzige weißhäutige Fußgängerin weit und breit, weswegen ich öfters angesprochen werde ("Hey, sister! Where are you going?").

Der Weg von uns zu Hause aus dauert nur gute zehn Minuten und ich bebildere ihn hier mal ein bisschen, damit man ihn sich besser vorstellen kann.



Nach einem Blick zurück auf unser Tor überquere ich unsere Straße Duo Close, an der wir ein Eckgrundstück haben. Unsere Straße ist eine Sackgasse, dementsprechend hält sich der Verkehr sehr in Grenzen.


Auf der Hauptstraße durch unser Viertel läuft man dann an einigen Häusern vorbei. Genau wie unseres sind sie von Zäunen und Mauern umgeben. Richtig erkennbare Bürgersteige gibt es nicht, aber rechts und links von der asphaltierten Straße ist viel Platz für Fußgänger. Allerdings wenig Schatten - der Baum hinten links auf dem untenstehenden Foto ist eine große Ausnahme. Mittags knallt die Sonne auch jetzt in den kälteren Monaten noch ziemlich.


Nach ein paar Minuten lässt man die Einfamilienhäuser hinter sich und die Straße kreuzt Brachland, wie es es in Gaborone an vielen Stellen gibt. Nach rechts hat man außerdem einen Blick auf den Kgale Hill.


Als nächstes kommt auf der rechten Seite eine "gated community" - ein umzäuntes Areal, in dem die einzelnen Häuser dann dafür keine extra Zäune etc. haben. Das Tor ist bewacht. In solchen gated communities wohnen in erster Linie Ausländer.
Links gibt es nun tatsächlich einen erkennbaren Bürgersteig, wenn er auch nicht asphaltiert ist. Er führt am "Ave Maria Pastoral Centre" vorbei, einem katholischen Tagungszentrum, das wohl erst 2012 gebaut wurde. Gelegentlich laufe ich dort an Nonnen vorbei, die hier leuchtend blaue Röcke und Kopftücher tragen und immer sehr nett grüßen.


Nach dem Tagungszentrum folgt auf der linken Seite als nächstes eine Universität, die Botho University. Zwischen hier und Game City ist der Weg in der Regel recht belebt, weswegen ich auf weitere Fotos verzichtet habe.



Dann noch einmal rechts und einmal links - und schon steht man vor Game City und kann entweder in die Mall einbiegen oder quer über den Parkplatz abkürzen, wenn man, wie ich in der Regel, Philip in der Kgale Hill Mall zum Mittagessen treffen möchte.



Moment, was steht denn da auf dem Werbebanner?


Wie gesagt - so exotisch ist Botswana gar nicht immer!

Montag, 23. Mai 2016

Gaborone - eine amerikanische Kleinstadt?

Bei meinen Recherchen zu Gaborone sowie im Gespräch ist mir schon mehrmals der Satz begegegnet, dass Gaborone ja im Grunde wie eine amerikanische Kleinstadt wäre. Gemeint ist damit offensichtlich, dass es sehr weitläufig ist und man Wege eigentlich grundsätzlich mit dem Auto zurücklegt (auf breiten, relativ gut geteerten Straßen - und auf den kleineren bei uns im Viertel kennt Philip die Schlaglöcher inzwischen fast auswändig). Das Leben spielt sich um die verschiedenen Shoppingmalls herum ab. Und das sind wirklich richtige Malls. Am besten kenne ich natürlich Game City, diese Mall liegt nur gute 10 Minuten zu Fuß von uns entfernt.

 
Dort gibt es mehrere Supermärkte, viele Klamotten- und Schuhläden, Dekoläden, Juweliere, Drogeriegeschäfte, zwei Outdoorläden, ein Möbelgeschäft, verschiedene Restaurants, mehrere Fastfoodketten und ein Kino mit vier oder fünf Sälen. Und damit ist Game City fast exemplarisch: Die Railpark Mall (in der wir unsere Trinkwasserkanister auffüllen lassen), die Riverwalk Mall (wo wir mal brasilianisch essen waren) und die Airport Junction Mall (die neueste Mall in Gaborone) mögen sich in der Anzahl und Vielseitigkeit der Geschäfte voneinander unterscheiden, aber im Grunde bilden sie alle ein ähnliches Bild - flach, weitläufig und mit riesigen Parkplätzen davor.


(Und die genannten waren noch längst nicht alle Malls hier ...) Würde man ein Zentrum benennen müssen, würde man wohl die Main Mall wählen. Sie ist die älteste der Malls und wurde in den 1960er Jahren erbaut. Im Unterschied zu den anderen Malls hat sie Fußgängerzonen-Charakter - die Geschäfte säumen die Straße links und rechts, in der Mitte gibt es Straßenstände. Die Main Mall hat so mehr Flair als die neueren Malls, wobei diese meinem Eindruck nach doch stärker besucht werden. [Anmerkung Philip: Eine sehr wohlwollende Beschreibung der Main Mall - als Fußgängerzone ist sie tatsächlich außergewöhnlich, hat etwas Flair - aber realistischer Weise sollte man eben auch sagen, dass sie ihrem Alter entsprechend aussieht und die Gebäude architektonisch von dieser Zeit geprägt sind].



Die vielen Fastfood-Läden erinnern vielleicht auch an eine amerikanische Kleinstadt, wobei es in Botswana weder McDonald's noch Burger King gibt. Kentucky Fried Chicken sieht man öfters, außerdem die südafrikanischen Fastfood-Ketten Chicken Licken und Nando's. Wimpy ist wohl eine englische Kette. Bei der Wimpy-Filiale in Game City fand am Samstag ein Kindergeburtstag statt, mit Luftballons, bunten Cupcakes, einem geschminktem Clown und allem Pipapo - das hätte auch irgendwo in Deutschland oder den USA ähnlich aussehen können.

Am Samstag haben uns Philip und ich an einen lokalen Hot Dog-Stand gewagt, die stehen in der Main Mall auch überall rum und wirken auch fast amerikanisch - man beachte die Coca Cola-Mülltonne daneben:


Leider schmeckten sie nicht so.

Tja, und sonst? Gaborone ist nicht unbedingt "the city that never sleeps" - auch das mag es mit einer amerikanischen Kleinstadt gemein haben.

Samstag, 21. Mai 2016

Der erste Monat - Vol. 2

"Gestern vor einem Monat bin ich in Gaborone gelandet - Zeit für eine erste Bilanz." So beginnt ein Blogeintrag von Philip. Heute kann ich diesen Anfangssatz eins zu eins übernehmen, denn nun ist es bei mir auch schon so weit. Und wie sieht meine erste Bilanz aus?
Ich kann gar nicht recht glauben, dass das jetzt schon vier Wochen waren. Mindestens die ersten eineinhalb musste ich noch sehr viel an meine Arbeit denken. Besser wurde es, als der Container ankam, es etwas für mich zu tun gab und es hier auch langsam wohnlich wurde. Inzwischen sind wir hier ganz gut eingerichtet - nicht nur, was das Haus angeht, ich habe auch raus, wo ich was einkaufe (wobei es hier generell (fast) alles gibt; aktuell sind das einzige, was wir nicht finden konnten, gemahlene Haselnüsse und eingelegte getrocknete Tomaten). Die Ladenöffnungszeiten haben wir allerdings immer noch nicht so richtig im Griff ... erst heute standen wir wieder um 16:30 Uhr vor verschlossenen Türen und wunderten uns.
Ein paar Restaurants und gefühlt den Großteil der Malls kenne ich inzwischen. Unser Ausflug ins Khama Rhino Sanctuary war definitiv ein Highlight. Und sonst?

Ich wurde heute gefragt, wie es sich eigentlich für uns anfühlt, "Personal" zu haben. Zweimal die Woche kommt ja Sam vorbei und kümmert sich um den Garten. Sam erscheint mir allerdings gar nicht so sehr als unser Angestellter. Zum einen vermutlich, weil wir uns mit Gartenarbeit auch in Frankfurt nicht beschäftigt haben (aus Ermangelung eines Gartens), zum anderen, weil wir Sam nicht sagen, was er tun soll - er weiß das viel besser und kennt den Garten ja auch viel länger als wir, von daher macht er hier eigentlich, was er für nötig hält und sagt zwischen 11 und 12 Uhr nur jeweils fröhlich Bescheid, dass er jetzt geht.
Brenda, unsere Maid, kommt eigentlich einmal die Woche zum sauber machen. Ich habe sie allerdings erst zweimal gesehen, und da war der Container noch nicht angekommen. Sie hat hier komplett durchgewischt und ich bin mit meinem Campingstühlchen vor ihr geflüchtet, aber in den letzten zwei Wochen war sie aufgrund von Krankheit nicht mehr da und wir sorgen uns gerade ein wenig, weil wir nun schon über eine Woche nichts mehr von ihr gehört haben.

Trotz Haushaltshilfen hat sich das häusliche Leben also bislang nicht groß verändert (außer, dass jetzt zweimal täglich abwaschen auf dem Programm steht ... wie sagte Philip damals in Deutschland zu mir: "Spülmaschinen gibt es in Afrika nur auf zwei Beinen", wobei er wohl nicht unbedingt meine zwei Beine damit meinte ...).  Mit der größte Unterschied ist für mich momentan das unterwegs sein. Den Sicherheitsempfehlungen folgend lasse ich meine Handtaschen zu Hause und meine Ohrringe in der Schmuckschatulle, beides finde ich sehr schade. Selbst Armbanduhr und Ehering ziehe ich aus und habe letzteren so schon einmal verlegt - das ist mir in Frankfurt nie passiert ... und dann ist das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hier für mich noch etwas undurchschaubar. Es gibt so ein Minibussystem und die Busse fahren wohl jeweils los, wenn sie voll sind ... aber darüber schreibe ich besser, wenn ich das mal ausprobiert habe.

Mein Projekt für den zweiten Monat wird nun erstmal sein, Leute kennenzulernen. Durch Philip, viele liebe Kontakte nach Hause und ein paar ziemlich gute Bücher fühle ich mich zwar nicht komplett einsam, aber es ist doch seltsam, irgendwo zu wohnen und so gut wie niemanden zu kennen. Das soll sich nun in den nächsten vier Wochen ändern!


Freitag, 20. Mai 2016

Sauer macht lustig

Vor ca. zwei Wochen waren wir in einem netten Café und haben dort einen Banana Split-Eisbecher gegessen. Das Café ist eigentlich Teil eines Gartenbaumarkts / einer Baumschule, durch den wir anschließend noch spazierten. Wir hielten bei diversen Bäumen bzw. deren Setzlingen, wie z.B. einem Avocadobaum, verschiedenen Nussbäumen etc. Ein wenig haben wir herumgesponnen, wir dachten gleich daran, dass wir doch einen solchen Baum in unserem Garten pflanzen könnten. Ob aber die Bäume schnell genug wachsen würden, damit wir noch Früchte ernten könnten? Wohl eher nicht. So haben wir bis heute keinen Baum gepflanzt. (Heißt es nicht, man müsse als Mann einmal in seinem Leben einen Baum pflanzen?)
Diese Woche "entdeckten" wir an einem der Bäume in unserem Garten Früchte! Orangen, so langsam gelb werdend (eine lag schon am Boden). Wir haben also doch einen Obstbaum im Garten, wie toll! Walli sprach diese Woche mit unserem Gärtner Sam, um zu klären, wann die Orangen denn wohl reif würden.


Es stellte sich heraus, dass die Grapefruits bereits reif sind! Die Schale sei dieses Jahr etwas dicker, weil der Regen erst so spät kam. Vielleicht sind sie deshalb auch insgesamt etwas kleiner?
Drei Stück haben wir bisher gegessen, schön sauer - und sehr lecker.


Jetzt bleibt nur die Frage: Was machen wir mit all den Grapefruits? Wer kennt gute Grapefruit-Rezepte?


Dienstag, 17. Mai 2016

Quer durch den Busch auf Nashorn-Safari

Am Pfingstwochenende haben wir unseren ersten größeren Ausflug in Botswana unternommen. Er führte uns ins Khama Rhino Sanctuary, ein Schutzgebiet für Nashörner. Die Hinfahrt dauerte ca. 3:45h und gestaltete sich sehr unkompliziert, so viele große Straßen gibt es in Botswana nämlich gar nicht. Bereits in Gaborone fuhren wir auf die A1 und folgten der über zwei Stunden. A1 klingt nach Autobahn und die ersten 40 km fühlte sich die Straße auch wie eine an; jede Richtung war zweispurig (wurde dann aber einspurig). Abgesehen davon gab es ein paar Ampeln, mehrere Bushaltestellen und Anhalter am Straßenrand, jede Menge Kühe und einige Ziegen, die aber in der Regel brav grasten und keine Anstalten machten, auf die Straße zu laufen. Die A1 führt nicht nur durch Gaborone, sondern auch durch die Städte Mahalapye und Palapye; in Palapye mussten wir links abbiegen (und hatten dazu eigentlich auch nur eine Möglichkeit), im nächsten Ort Serowe dann nochmal rechts und dann waren wir auch schon fast da. Karten lesen ist hier also nicht so wahnsinnig schwierig.

Das Khama Rhino Sanctury wurde 1992 von der botswanischen Regierung gegründet. Damals wurden die letzten 5 (!) in Botswana lebenden Nashörner dorthin gebracht - die Tiere waren von Wilderern fast ausgerottet worden. Für Nashornhorn wurden und werden irre Preise gezahlt (höhere Preise als für Gold!) - es gilt in asiatischen Ländern als Aphrodisiakum. Dabei besteht Nashorn aus Keratin - der Autor unseres Botswana-Reiseführers schreibt dazu sehr anschaulich: "Würden die Vietnamesen und Chinesen ihre Fingernägel kauen, hätte das die gleiche medizinische Wirkung wie die Einnahme des gemahlenen Nashornhorns". Wie seltsam, dass sich diese Erkenntnis nicht durchsetzt - 2014 wurden in Südafrika 1215 Tiere von Wilderern ermordet.
Mit diesem Wissen ist es kein Wunder, dass das 43 Quadratkilometer große Khama Rhino Sanctuary  von Anti-Wilderereinheiten der botswanischen Armee bewacht wird. Das Gelände ist von einem Elektrozaun umschlossen und wir haben zweimal Soldaten getroffen, die ebenfalls in ihren Autos durch das Naturschutzgebiet streiften, Präsenz zeigten und ein Auge auf alles hatten.
Im Khama Rhino Sanctuary hatten wir ein Chalet gemietet. Es war von außen recht hübsch, von innen schon ziemlich abgewohnt, aber insgesamt in Ordnung.


Da unser Auto ja Vierradantrieb hat, konnten wir auf den Sandwegen selbst auf Pirschfahrt gehen und mussten uns keinen vom Naturschutzgebiet organisierten "Game Drives" anschließen. Nach unserer Ankunft am frühen Nachmittag sind wir daher auch ziemlich bald wieder losgezogen und entdeckten erste Impalas, Warzenschweine, Gnus und Zebras. Anfangs waren die Wege links und rechts von Buschland gesäumt, da war es gar nicht so einfach, die Tiere zu entdecken. Es gab aber auch zwei große offene "Pfannen", in der einen namens "Malema Pan" war sogar etwas Wasser / Schlamm. Die Wege führten uns nicht allzudicht ran, aber trotzdem hatten wir einen sehr schönen, offenen Blick auf die Tiere.


An anderer Stelle sahen wir dann ein erstes Nashorn, das Philip identifizierte (es sah so liegend und von hinten mehr wie ein grauer Fels aus, aber die Öhrchen bewegten sich).


Später hatten wir nochmal großes Glück, als wir im Busch an einem kleinen Schlammloch vorbeifuhren und dort ganz nah ein Nashorn sahen, das sich von uns nicht stören ließ.


Der 15. Mai begann für uns dann sehr früh: Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr, ab 6 Uhr hatten wir eine Nashorn-Tracking-Tour gebucht. Zwei Ranger holten uns mit einem Safariauto ab, wir fuhren relativ schnell eine gute halbe Stunde lang durch das Naturschutzgebiet. Trotz des Tempos sahen wir einige Tiere: Giraffen, die im ersten Morgelicht an der Malema Pan standen und tranken, eine Nashornfamilie in der Steppe (die aber ja zum einen nicht mehr aufgespürt werden musste, zum anderen nähert man sich Nashörnern mit Jungen lieber nicht) und jede Menge verschiedener Antilopen - schon das war wunderschön. Im Buschland hielten die Ranger dann nach Spuren Ausschau - auf den Sandwegen sind diese gut erkennbar, wobei ich die Vielzahl der Spuren weder richtig identifizieren noch deuten könnte. Schließlich fanden sie eine Stelle, wo die Nashörner - drei ungefähr - in den Busch abgebogen waren, und da stiegen wir dann aus.
Unser Ranger hatte für alle Fälle ein geladenes Gewehr dabei; wir waren angewiesen worden, neben gutem Schuhwerk am besten gedeckte, dunklere Kleidung anzuziehen. Aber zunächst stand kein unmittelbarer Kontakt zu den Nashörnern an, wir mussten sie erstmal finden. Die Spuren waren von gestern Abend (woran auch immer man das erkennen konnte) und der Ranger erklärte uns, dass Nashörner zwei Schlafeinheiten pro Nacht haben und sich nach jeder sichtbar erleichtern ... diese Spuren galt es erstmal zu identifizieren. Der Ranger orientierte sich an Abdrücken, die wir kaum wahrnahmen, abgeknickten/-gefressenen Gräsern und so liefen wir querfeldein hinter ihm her durch den Busch, blieben an Dornen hängen und bückten uns unter gigantischen Spinnennetzen hindurch.


Ich war voller Bewunderung, dass jemand die Natur so lesen kann - Philip dagegen weniger gutgläubig; er zweifelte doch, ob wir wirklich immer Spuren folgten oder der Ranger nicht auch manchmal im Dunkeln tappte. Auf jeden Fall waren wir offensichtlich länger als geplant unterwegs - der uns führende Ranger schickte schließlich seinen Kollegen zurück, damit dieser das Auto nachholen könnte, wenn wir fertig wären. Irgendwann fanden wir dann den deutlich erkennbaren ersten Schlafplatz - so ein Nashorn hinterlässt ja doch eine flache Kuhle im sandigen Boden, wenn es sich hinlegt. Kurz darauf fanden wir enorme Nashornhaufen, in die der Ranger beherzt reingriff, um die Temperatur zu fühlen. Es war der erste Schlafplatz, den zweiten fanden wir kurze Zeit später. Ab da hieß es noch genauer darauf zu achten, wo man hintrat und sich möglichst leise zu bewegen - Nashörner sehen sehr schlecht, riechen und hören aber dafür recht gut. Schließlich sahen wir sie, zumindest zwei von drei. Und sie bemerkten uns auch und rannten los - nicht auf uns zu, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Breitmaulnashörner flüchten vor Menschen - Spitzmaulnashörner (die noch seltener sind), greifen eher an. Sie hinterlassen andere Spuren und man folgt bei Tracking-Touren daher nur Breitmaulnashörnern. Während uns das gestrige Nashorn - vermutlich in dem Bewusstsein, dass wir im Auto auf dem Weg bleiben würden - relativ ignoriert hatte, brachten sich diese hier lieber in Sicherheit. Wir folgten ihnen und sahen sie noch zweimal, aber Nashörner sind doch ganz schön schnell!

Unser Buschspaziergang dauerte insgesamt fast eineinhalb Stunden und war ein interessantes Erlebnis und nochmal ganz etwas anderes, als die Tiere vom Auto aus zu sehen. Aber ohne Ranger darf man natürlich nicht aussteigen und schon gar nicht in den Busch laufen; es ist zu gefährlich.

Nach einem Frühstück begaben wir uns dann wieder mit unserem Auto auf Pirschfahrt und hatten an diesem Tag ein Riesenglück. Vor uns auf dem Weg lief plötzlich ein Leopard - ich hatte noch nie einen gesehen. Wir konnten ihm eine Weile folgen und waren sehr begeistert von seiner Eleganz.


An der Malema Pan sahen wir außerdem Nashörner - gleich zwei Familien! Mit der Zeit gesellten sich auch noch Giraffen und Warzenschweine dazu, sowie Antilopen und Zebras. Wir saßen über eine Stunde im Auto und beobachteten sie einfach nur. Zum Geburtstag hatte ich ein Fernglas bekommen, was uns wunderbare Dienste leistete.


Trotz der großen Tiervielfalt sahen wir einen Tag später an Philips Geburtstag auch nochmal welche, die uns noch nicht begegnet waren: Als wir gegen 8:15 Uhr ankamen, liefen gerade zwei Schakale zur Malema Pan. Nach fünf Minuten waren sie wieder im Steppenland verschwunden. Wir setzten unseren letzten Game Drive fort und machten uns dann wieder auf den Rückweg nach Gaborone. Am Montag war auf der Straße weniger Verkehr als am Samstag und es fuhr sich sehr gut. Was ein schönes Geburtstagswochenende!


Freitag, 13. Mai 2016

Vom Auspacken

Kisten auspacken in Botswana ist natürlich kein bisschen anders als Kisten auspacken in Deutschland es wäre. Kisten auspacken, die man nicht selbst eingepackt hat, ist dagegen etwas ganz Neues für uns, denn Philip und ich haben ja nun wegen Zollbestimmungen etc. das erste Mal professionell einpacken lassen. Ich bereue auch nichts; bis auf zwei kaputte Blumentöpfe und eine defekte Taste an der Brotschneidemaschine sind bislang keine Schäden aufgefallen. Trotzdem würde ich beim nächsten Mal mindestens eine Sache anders machen, nämlich die Umzugsleute motivieren/nötigen, die nach Autorennachnamen sortierterte Belletristik Fach für Fach einzupacken, und zwar in der richtigen Reihenfolge. Wie kommen denn Andreas Eschbach und Fred Vargas bitteschön in eine gemeinsame Kiste?
Ein weiterer Anfängerfehler meinerseits war, beim Einräumen ganz neutral festzustellen: "Ach Mensch, es gibt offensichtlich wenig Autorennamen, die mit D anfangen!" Es stimmt nämlich nicht. Ich hatte nur eine blöde Kiste übersehen, was zur Folge hatte, dass ich sämtlich Autorennamen ab E fachweise weiterrutschen musste. Mit H und M ging es mir leider so ähnlich. Hmmm.

Aber nun bin ich mit dem Einsortieren der Belletristik fertig (obwohl es verdächtig wenige Autoren zu geben scheint, deren Nachname mit O beginnt). Wie nach jedem Umzug frage ich mich, ob sich Goethe eigentlich neben Anette Göttlicher ("Wer ist eigentlich Paul?") wohl fühlt und hoffe außerdem, dass ich Murakami verschenkt oder verkauft habe und er nicht noch irgendwo hier rumliegt. Es wird! Hier die Entwicklung von einem von drei Belletristik-Regalen ...




Sachbücher und CDs habe ich auch schon ausgepackt (und eher willkürlich und dafür zeitsparender eingeräumt). Der Kleiderschrank ist voll, die Küchensachen ja auch schon seit dem letzten Wochenende ausgepackt ... Was ist denn bloß noch noch in den übrigen Kisten? Ich werde es - zumindest in Teilen - heute herausfinden.