Montag, 13. Februar 2017

Gemüsekrise Teil III - wie ich sie löste

Walli hat ja schon mehrmals (Teil 1, Teil 2) über die Gemüsekrise geschrieben. Kurz nach der Veröffentlichung ihres letzten Beitrags hierzu bekam ich einen Anruf von meinen Partnern im SADC-Sekretariat: Ob wir nicht helfen wollten, die Gemüsekrise zu beenden?
Zunächst war ich ein wenig skeptisch, doch ich hörte mir erst einmal an, welche Ideen sie hatten. Dass es in den Supermärkten Botswanas keine Tomaten, Paprika und Kartoffeln mehr gab, lag daran, dass die botswanische Regierung einen Importstopp erlassen hatte. In meiner Arbeitssprache nennt man das ein nicht-tarifäres Handelshemmnis. Solche nicht-tarifären Handelshemmnisse wollen wir mit meinem Projekt eigentlich in der SADC-Region abbauen. Ein Importstopp lässt sich allerdings nach geltenden multilateralen Verträgen (z.B. nach Regeln der Welthandelsorganisation, aber auch nach Regeln des Handelsprotokolls der SADC-Region) rechtfertigen, wenn er zur Bekämpfung einer Seuche dient und sicherstellen soll, dass sich diese Seuche nicht in dem jeweiligen Land ausbreitet. Im Fall des "Tomato-leaf miners" sind jedoch Vorkommnisse bereits in allen Nachbarländern Botswanas gemeldet, ebenso wie in Botswana selbst. Damit macht ein solcher kompletter Importstopp eigentlich keinen Sinn mehr.
Die bisherige Lösung war nun viel einfacher als gedacht: Wir unterstützten Vertreter des botswanischen Privatsektors (v.a. Gemüsehändler, Supermarktketten) dabei, im Rahmen eines gemeinsamen Workshops eine gemeinsame Position zu erarbeiten. Diese wurde am nächsten Tag der botswanischen Regierung vorgestellt und von dieser akzeptiert. Mit sofortiger Wirkung wurde der Importstopp modifiziert: Frisches Gemüse darf wieder ohne Restriktionen importiert werden; entsprechende Pflanzensetzlinge dürfen nur aus solchen Gegenden importiert werden, die als "pest-free" gelten; das muss nicht ein ganzes Land sein, sondern kann auch eine Region innerhalb eines Landes sein.
Gestern im Supermarkt sah dann das Tomatenregal wieder so aus und löste Freude bei mir aus:


In einem nächsten Schritt werden wir die botswanische Regierung noch dabei unterstützen, Gespräche mit der südafrikanischen Regierung zu führen, um etwas besser zu klären, welche Regionen als "pest-free" gelten und nach welchen Kriterien dies bewertet wird.

Warum konnten die beteiligten Akteure das jetzt eigentlich nicht ohne unsere Hilfe klären, wo dies eigentlich ja recht einfach klingt? Nun, irgendjemand musste wohl einfach den Anfang machen und zu dem Workshop einladen, diesen moderieren etc. Und für die absehbaren Reisekosten der Vertreter der botswanischen Regierung nach Südafrika wurde kein Budget eingeplant, aber der Schritt ist noch nötig, um die Modifizierung des Import-Stopps nicht zu gefährden.
Für mein Projekt war dies jedenfalls ein schöner "quick win", der praktischerweise gleich auch noch das Leben hier angenehmer gemacht hat. Ob ich jetzt wohl ein Denkmal hier erhalte, z.B. in Form einer goldenen Tomate?

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